
Medienberichten zufolge zahlen hiesige Bauern Höchstpreise und transportieren ihre Einkäufe dann undeklariert über die grüne Grenze.
Deutz-Fahr
In der französisch-schweizerischen Grenzregion haben Hitze und Dürre einen Nachbarschaftsstreit entzündet. In der Region Bourgogne-Franche-Comté werfen die Landwirte ihren schweizer Berufskollegen vor, den Markt für Tierfutter leerzukaufen. Konkret geht es unter anderem um Heu. Medienberichten zufolge zahlen hiesige Bauern Höchstpreise und transportieren ihre Einkäufe dann undeklariert über die grüne Grenze.
Zoll wurde eingeschaltet
Wie der Nachrichtensender «France Info» berichtet, haben die Präfekten der Départements Doubs und Territoire de Belfort nach Hinweisen von lokalen Landwirten die Zollbehörden eingeschaltet. Nun soll in der Grenzregion verstärkt kontrolliert werden, um dem Schmuggel Einhalt zu gebieten. Nach Angaben von «France Info» ist der Transport von Heu in ein Drittland zwar im Grundsatz legal, muss jedoch vorab bei den Behörden beider Länder angemeldet werden, andernfalls drohen Geldstrafen und die Beschlagnahme der Ware.
"C'est de la contrebande" : un agriculteur suisse intercepté à la frontière avec un chargement de fourrage, l'inquiétude des autorités face à un phénomène en hausse 🔽https://t.co/3MlFMtNCV0
— France 3 Franche-Comté (@F3FrancheComte) August 19, 2026
Der Präsident des lokalen Bauernverbandes (FDSEA) Doubs, Florent Dornier, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass sich die Schweizer Bauern bereits seit Längerem in der Region mit Futter versorgten. Sie seien bereit, bis zu umgerechnet 213 Franken pro Tonne Heu zu zahlen, da könnten die französischen Landwirte nicht mithalten. Laut dem Branchendienst «Web-agri» liegt der Preis für eine Tonne Heu derzeit bei umgerechnet etwa 157 Franken, üblich sind 139 Franken.
Wie aus den jüngsten Zahlen des Statistischen Dienstes (Agreste) beim Pariser Landwirtschaftsministerium hervorgeht, lag der Ertrag des Grünlands am 10. August 2026 im landesweiten Schnitt um 33 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Die Region an der Schweizer Grenze weist dabei mit das grösste Defizit auf; laut den Statistikern wurde auf Wiesen und Weiden nur 62 Prozent der üblichen Futtermenge erzeugt.
Ein Landwirt bereits erwischt
Wie der Westschweizer Sender RTS berichtet, wurde im Haut-Doubs bereits ein Schweizer Landwirt mit nicht deklariertem Heu angehalten. Der Landwirt musste demnach eine Busse bezahlen und seine Heuladung anschliessend in Frankreich wieder verkaufen. Gleichzeitig weist der Sender darauf hin, dass das Bundesamt für Landwirtschaft zur Erleichterung der inländischen Futterversorgung die Zölle auf Heuimporte per 1. August 2026 aufgehoben hat.
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Nicht jeder grenzüberschreitende Heutransport sei laut dem Bericht allerdings gleich problematisch: Viele Schweizer Landwirte bewirtschaften auch Flächen auf französischem Boden. Das dort produzierte Futter gilt als Schweizer Ware und kann unter vereinfachten Bedingungen über die Grenze gebracht werden.
Ländlichen Grenzverkehr
Laut François Monin, Direktor von AgriJura, der sich gegenüber dem Westschweizer Sender äussert, werden solche Transporte im sogenannten ländlichen Grenzverkehr abgewickelt, der sich auf einen Streifen von zehn Kilometern entlang der Grenze erstreckt.
Monin schätzt im Bericht von RTS zudem, dass 99 Prozent der Landwirte und Händler, die Futter in Frankreich einkaufen, die geltenden Vorschriften einhalten und ihre Transporte im Voraus anmelden. Die verstärkten Kontrollen richten sich damit vor allem gegen jene, die das Futter undeklariert über die Grenze bringen.