Doch so einfach wie heute war es nicht immer. Begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise.
Vom Tausch- zum Geldhandel
Angefangen hat alles in der Steinzeit mit dem Tauschhandel. Fische gegen Fleisch, Brennholz gegen Felle und so weiter. Das war umständlich, besonders wenn die vom Tauschpartner benötigte Ware gerade nicht verfügbar oder verdorben war. Auch die Wertermittlung gestaltete sich schwierig. Wie viele Hasen sind einen Stapel Brennholz wert? Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, erfand der Mensch das sogenannte «Primitivgeld».
Genutzt wurden Tierzähne, Muscheln oder seltene Steine. Berühmte Beispiele sind die Kauri-Muscheln, die in weiten Teilen Afrikas, Ost- und Südasiens und der Südsee verwendet wurden. Auf den Yap-Inseln wurden Steinscheiben benutzt, die einen Durchmesser zwischen 30 Zentimetern und knapp 4 Metern hatten und sogar mehrere Tonnen wogen.
China Erfinder des Papiergelds
Ein besonders grosses Exemplar einer reichen Familie soll sogar nie jemand zu Gesicht bekommen haben, da es auf dem Weg von der Fertigung auf der entfernten Inselgruppe Palau im Meer versank. Dennoch wurde es anerkannt. Bis heute haben die verbliebenen Steine weiter Gültigkeit und werden beispielsweise zur Bezahlung von Strafen verwendet.
Weitere Tauschmittel, die es teils bis in die Neuzeit schafften, sind natürlich Metalle in Form von Münzen und Barren, aber auch Salz. Oder im Zweiten Weltkrieg Zigaretten auf dem Schwarzmarkt, als das eigentliche Geld durch Hyperinflation wertlos war.
China gilt derweil als Erfinder des Papiergelds im 10. bis 11. Jahrhundert. In Schweden wurde im 17. Jahrhundert aufgrund des Silbermangels mit Kupferscheiben eine Alternative zu den sonst gängigen Münzen geschaffen. Diese waren aber ab einem gewissen Wert zu schwer zum Transport, so dass im Jahr 1661 Johan Palmstruch über seine Bank das erste europäische Papiergeld in Umlauf brachte. Da aber mehr Papiergeld gedruckt wurde als abgesichert war, ging die Bank pleite.
Vom Gold- zum Papierstandard
Viele Jahre lang war das Papiergeld gerade gegen Vertrauensverluste mit Gold hinterlegt – der so genannte Goldstandard war fest etabliert. Dabei garantierte die Notenbank, dass die gesamte Menge an umlaufenden Banknoten zu einem festen Kurs gegen Gold auch tatsächlich umgetauscht werden konnte. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde diese Einlösungspflicht von vielen Staaten ausgesetzt. Ab 1922 durften neben Gold dann auch Devisen als Währungsreserven gehalten werden.
Durch die Weltwirtschaftskrise geriet das System erneut ins Wanken und 1944 einigten sich 44 Staaten auf das System von Bretton Woods – eine Kombination aus dem Goldstandard mit festen Wechselkursen zusammen mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems.
Papier- und Münzgeld weichen zurück
US-Präsident Nixon läutete mit der Aufhebung der Goldeinlösung des US-Dollars 1971 dann das Ende dieses Systems ein, und ab 1973 gaben die meisten Industriestaaten feste Wechselkurse auf und wechselten zu flexiblen Kursen. Bis heute steuern die Zentralbanken die Geldmenge und über ihre Zinspolitik soll die Inflation im Zaum gehalten und das Vertrauen in das Papiergeld gesichert werden.

Heute werden für die Zahlung meist Karten eingesetzt.
Steve Buissinne
Mittlerweile sind Banknoten und Münzen immer mehr auf dem Rückzug und werden durch Kreditkarten und Bezahl-Apps ersetzt. Die erste echte Kreditkarte kam 1950 mit der Diner Club Card auf – zunächst aus Pappe. Sie war ursprünglich für zahlungskräftige Reisende in New York gedacht. Acht Jahre später brachte die Bank of America die heute noch als Visa bekannte erste Kreditkarte für die breite Masse auf den Markt.
Corona beschleunigte digitales Zahlen
Über die Jahre wurden immer mehr Technologien integriert wie der Magnetstreifen, die Chip-Technologie und mittlerweile das kontaktlose Bezahlen und mobile Möglichkeiten wie Twint in der Schweiz oder Apple und Google Pay. Meist laufen diese über das Smartphone, gerne auch über so genannte Wearables wie Ringe oder Armbänder oder Uhren mit Zahlfunktion. Die Coronapandemie hat das digitale Zahlen noch beschleunigt.

Das Bezahlen mit dem Handy nimmt steigt zu.
zvg
Beim Blick in die Zukunft könnten physische und virtuelle Gegenstände miteinander vernetzt werden und man kauft beispielsweise auf dem Weg ins Kino schon im Auto über Smart Car das Ticket. «Just Walk Out»-Technologien funktionieren bereits in amerikanischen «Amazon Go»-Stores, bei McDonald’s kommt der Cheeseburger per Fingerabdruck auf den Tisch. Online-Shopping mit einem Augenzwinkern in der Smartbrille vom Sofa aus ist zumindest noch Zukunftsmusik.
Alle diese Varianten setzen allerdings etwas voraus: völlige digitale Transparenz und eine gehörige Portion «Big Brother is watching you». Das braucht man mit Münzen nicht.
