
Die Trockenheit zeigt sich im Landschaftsbild stark.
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Wo normalerweise Anfang August ein Dürrfutterschnitt ansteht, gleicht die Wiese heute einer Steppe. Auf dem Betrieb der Generationengemeinschaft Bruno und Elias Zumbrunn in Wittinsburg BL zeigte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Freitag die Folgen der anhaltenden Trockenheit auf.
Kein dritter Schnitt
Die Familie bewirtschaftet auf 634 m ü. M. 35 Hektaren Landwirtschaftsland sowie weitere 15 Hektaren zur Futterflächennutzung. Neben Brot- und Futtergetreide wachsen Silomais, Kürbisse und Blumen. Herzstück des Betriebs sind jedoch die 40 Brown-Swiss-Milchkühe mit eigener Nachzucht. Derzeit entsteht ein neuer Stall für 70 Tiere. Überschattet wird die Investition allerdings von der aussergewöhnlichen Trockenheit. «Wir haben beim dritten Schnitt einen Totalausfall», sagte Betriebsleiter Elias Zumbrunn.
Seit dem 15. Juni habe auf den Kunst- und Naturwiesen praktisch kein Futter mehr geerntet werden können. Statt Reserven für den Winter anzulegen, müssten diese bereits jetzt verfüttert werden. Gleichzeitig werde der Zukauf von Raufutter immer schwieriger. «Nach vielen Telefonaten mit Händlern ist es momentan fast ausgeschlossen, Futter zu kaufen.» Auch der Silomais ist vertrocknet und soll bereits nächste Woche geerntet werden. Ob in den nächsten Wochen eine Neuansaat für Kunstwiese oder Zwischenfutter möglich sei, hänge ganz von den Niederschlägen ab.
Der Betrieb produziere das Futter für seine Tiere grundsätzlich selbst. Es würde eine Katastrophe sein, wenn man die Tierzahl beschränken müsste, sagte Bruno Zumbrunn, Elias Vater. «Wir passen uns an», sagte er weiter. Man investriere in einen zukunftsgerichteten Stallneubau mit PV-Anlagen. Und mit einer Biogasanlage könne aus Methan pro Kuh vier bis sechs Kilowatt Strom pro Tag generiert werden.
Am extremsten im Jura und im Mittelland
Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), sprach von einer aussergewöhnlichen Situation. «Die Landwirtschaft ist von der Trockenheit hart getroffen», führte er aus. In den letzten Wochen haben sich in den meisten Regionen der Schweiz grosse Niederschlagsdefizite aufgebaut. Am extremsten sind die Mängel in den Regionen Jura, westliches Mittelland und östliches Mittelland. Hier hat es in den letzten 30 Tagen 60 bis 80 Prozent weniger geregnet als normal, und in den letzten 90 Tagen liegen hier die Niederschläge 50 Prozent unter der Norm.
Während Winterkulturen die Trockenheit noch vergleichsweise gut überstanden hätten, litten Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais unter massivem Wasserstress. Der Grasaufwuchs sei vielerorts praktisch zum Erliegen gekommen.
Die kurzfristigen Bundesmassnahmen
• Betriebe erhalten die vollen Direktzahlungen auch dann, wenn einzelne Vorgaben witterungsbedingt nicht eingehalten werden können. Zudem können Kantone eine vorgezogene Auszahlung der Direktzahlungen beantragen.
• Tiere dürfen bei Futtermangel früher von der Alp auf den Heimbetrieb geführt werden.
• Die Zölle auf Heuimporte wurden aufgehoben, zudem ist eine Senkung der Einfuhrzölle auf Futtermais vorgesehen.
• Betriebe mit finanziellen Engpässen können zinsfreie Betriebshilfedarlehen beantragen.
Geografische Nachteile
Dass das Baselbiet besonders stark betroffen ist, erklärte Christoph Böbner, Leiter des Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung Ebenrain. Die kalkhaltigen Karstböden liessen Wasser rasch versickern und könnten nur wenig davon speichern. Gleichzeitig fehlten grössere Seen, weshalb kaum Wasser für Bewässerung zur Verfügung stehe.

Bruno Zumbrunn in seinem Maisfeld.
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Hinzu komme, dass zwei Drittel der Landwirtschaftsflächen in der Hügel- oder der Bergzone lägen und dadurch besonders erosionsgefährdet seien. «2026 ist ein ausserordentliches Jahr», sagte Böbner. Beim Silomais rechne man regional mit Ertragseinbussen von 50 bis 60 %. Um die Folgen der Trockenheit abzufedern, haben Bund und Kanton verschiedene Sofortmassnahmen beschlossen. Eine Übersicht im Kasten oben.
Neu mit Regenwasserspeicher
Trotz der schwierigen Situation blickt die Familie Zumbrunn nach vorne. Im Rahmen des Projekts «Slow Water» entsteht beim neuen Stall ein 300 Kubikmeter grosser Regenwasserspeicher. Ergänzt wird dieser durch einen Versickerungsgraben, Hecken, Baumreihen sowie Massnahmen zum Humusaufbau und zur Erosionsvermeidung bei Starkregen. Ziel des Projekts ist es, Regenwasser länger in der Landschaft zurückzuhalten und die Wasserverfügbarkeit für Landwirtschaft und Gemeinden zu verbessern.
Projektleiterin Seraina Grieder betonte, dass insbesondere das Baselbiet von solchen Lösungen profitieren könne, weil Wasser in der Region ein knappes Gut sei. Bruno Zumbrunn sieht die Trockenheit nicht nur als Problem der Landwirtschaft. «Wir Landwirte werden immer als Direktbetroffene der Dürre bezeichnet. Das stimmt. Aber jeder Mensch muss sich bewusst sein, dass er täglich Nahrung zu sich nimmt. Sollte die Landwirtschaft grossflächig eingeschränkt werden durch Wasserknappheit oder andere Einflüsse, wird die uneingeschränkte Verfügbarkeit plötzlich nicht mehr selbstverständlich sein.»
Die langfristigen Bundesmassnahmen
• Seit 2025 übernimmt der Bund 30 % der Prämien für Ernteversicherungen gegen Trockenheit und Frost.
• Förderung von Massnahmen zur Anpassung der Landwirt schaft an den Klimawandel, insbesondere in den Bereichen Boden und Wasser.
• Zusätzliche Bundesmittel für Bewässerungs und Wasser versorgungsprojekte auf Landwirtschaftsbetrieben und im Sömmerungsgebiet.
• Zusätzliche Fördergelder für die Züchtung robuster Sorten bei Agroscope und in privaten Projekten.
• Unterstützung von Projekten wie «Slow Water» zur Verbesserung des Wasser managements und einer klimaangepassten Bodenbe wirtschaftung.
• Förderung bodenschonender Bewirtschaftung und einer besseren Bodenbedeckung im Rahmen der Direktzahlungen, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit zu erhöhen.




