Grosses Potenzial, viele Hürden

Agri-Photovoltaik-Anlagen können an geeigneten Standorten dazu beitragen, landwirtschaftliche Kulturen bei Hitze und Trockenheit zu entlasten. Doch noch tragen sie nur ein Promille zur Schweizer PV-Stromproduktion bei. Ein neuer Bericht der ZHAW zeigt, woran dies liegen könnte.

Auf dem Betrieb von Hansjörg Erne und Ruedi Obrist in Leuggern AG steht seit diesem Frühjahr auf einer 1,4 Hektaren grossen Kirschenanlage eine Agri-PV-Anlage. Die Photovoltaikmodule produzieren Strom, während darunter weiterhin Kirschen wachsen. «Ich erwarte langfristig Einsparungen beim Fungizideinsatz», erklärt Obrist beim Besuch des «Schweizer Bauer». Zudem soll die Anlage den Hitzestress der Bäume reduzieren.

Bodentemperatur und Verdunstung sinkt

Auch andere Berichte über Agri-PV, die im «Schweizer Bauer» zu lesen sind, sind durchwegs positiv: Von grossen Chancen für die Landwirtschaft, Ertragssteigerungen bei Dürre und davon, dass Ackerfrüchte ihre Photosynthese an Teilbeschattung in Agri-PV-Systemen anpassen, ist die Rede.

->  Agri-Photovoltaik hat riesiges Potenzial

Die neuste Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) bläst ins gleiche Horn: «Agri-Photovoltaik kann an geeigneten Standorten einen Beitrag zur Anpassung leisten.» Heisst konkret: Durch die teilweise Beschattung könne die Bodentemperatur und die Verdunstung sinken, wodurch die Feuchtigkeit im Boden länger erhalten bleibe.

Wie stark sich diese Effekte auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken, hänge jedoch von Kultur, Standort und Anlagendesign ab und müsse standortspezifisch beurteilt werden. Das schreibt die ZHAW zu ihrer Studie «Treiber und Hemmnisse für Agri-PV in der Schweiz, Technischer Bericht, März 2026».

Massnahmen gegen Hagel

Auch würden Agri-PV-Anlagen den Wind in Bodennähe bremsen und könnten so die Gefahr von Winderosion verringern. «Bei bestimmten Kulturen wie Beeren oder Obst können Agri-PV-Anlagen Schutzmassnahmen übernehmen und bestehende Massnahmen gegen Hagel oder starke Niederschläge teilweise ergänzen oder ersetzen», schreibt die ZHAW ausserdem.

Trotz des sehr grossen Potenzials tragen Agri-PV-Anlagen derzeit weniger als ein Promille zur Schweizer PV-Stromproduktion bei. Ein Bericht der ZHAW zeigt nun, weshalb die Umsetzung bisher nur langsam vorankommt. Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit hängen stark vom Standort ab. Würden beispielsweise lokale Stromabnehmer fehlen, sinke die Rentabilität meist deutlich.

«Die Technologie ist nicht das Problem»

Hemmend wirkten zudem die Bewilligungsanforderungen, die kantonal unterschiedlich interpretiert werden, sowie die Kosten für Netzabklärungen, Bodenuntersuchungen oder Vorstudien, die bereits anfallen, bevor klar ist, ob das Projekt bewilligt und wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Trotzdem weisen Agri-PV-Anlagen laut den Autoren an geeigneten Standorten eine hohe Rentabilität auf.

«Die Technologie ist nicht das Problem. Entscheidend ist, ob ein Projekt trotz der hohen Anforderungen bewilligt werden kann, ob der Anschluss ans Stromnetz zu vertretbaren Kosten möglich ist und ob sich die Anlage unter den heutigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lässt», erklärt Jürg Rohrer, Professor für Erneuerbare Energien an der ZHAW und Co-Autor des Berichts.

Langer Weg bis zur Bewilligung

So berichten Ruedi Obrist und Hansjörg Erne ebenfalls von einem langen Weg und von «Neuland», das sie begehen mussten. Weil es sich um die erste kommerzielle, nicht für Forschungszwecke bestimmte Anlage dieser Art handelte, musste der Kanton Aargau verschiedene Fragen klären.

Unter anderem musste nachgewiesen werden, dass genügend Licht zu den Bäumen gelangt. Von der Baueingabe bis zur Bewilligung verging deshalb rund ein Jahr. Bei der Anlage wird mit einer installierten Leistung von 790 kWp gerechnet, wobei der vorhandene Transformator maximal 630 kW ins Netz einspeisen kann.

Klarere und verlässlichere Rahmenbedingungen nötig

Die Autoren des Berichts empfehlen auch deshalb, die Investitionssicherheit zu erhöhen und den gesetzlichen Rahmen für Agri-PV-Anlagen zu vereinfachen und schweizweit zu harmonisieren. Im Weiteren sollten neutrale Beratungsangebote interessierte Landwirtschaftsbetriebe von der Erstabklärung bis zur Projektumsetzung begleiten.

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