Immer weniger kompensieren Emissionen

Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz halten sich mit der CO2-Kompensation derzeit zurück. Das haben Anbieter von CO2-Zertifikaten auch sich selbst zuzuschreiben. Umweltschützer glauben dennoch, dass damit ein positiver Beitrag fürs Klima geleistet werden kann.

In Medien und Politik ist es ruhig geworden um die Klimadebatte. Auch die Konsumenten sind zurückhaltend, wenn es etwa um Angebote zur CO2-Kompensation geht. So leistet nur eine Minderheit der Flugreisenden heute freiwillige Beiträge zum Ausgleich ihrer CO2-Emissionen.

Swiss: 5% kompensieren

«Die Nachfrage ist seit der Coronapandemie rückläufig», sagt Kai Landwehr, Mediensprecher und Co-Geschäftsleiter von Myclimate. Die Zürcher Stiftung gehört zu den Pionieren im Bereich der CO2-Kompensation.

Anfangs erklärte sich die Stiftung den Rückgang mit geringeren Flugbewegungen aufgrund der Pandemie. «Seit deren Erholung ist aber auch ein deutlicher relativer Rückgang zu verzeichnen. Im Vergleich nehmen weniger Buchende Verantwortung für ihre Emissionen wahr.»

Die Schweizer Airline Swiss veröffentlicht mittlerweile keine Zahlen mehr dazu. Laut Angaben der Konzernmutter Lufthansa gleichen rund fünf Prozent der Passagiere ihre Emissionen aus. Der Anteil der Kunden, die ihre Emissionen kompensieren, hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert.

CO2-Beiträge breiten sich auf weitere Konsumbereiche aus

Als erste Angebote für die CO2-Kompensation lanciert wurden, standen Flüge und Autofahrten im Fokus. Mittlerweile sind die Angebote in viele Bereiche des Konsums gewandert.

So bieten viele Skigebiete heutzutage ihren Gästen Klimabeiträge an, der bekannte Online-Händler Galaxus ebenso. Bei letzterem zahlte zuletzt jeder Zehnte einen Klimaschutzbeitrag. Kurz nach Lancierung des Angebots vor vier Jahren war der Anteil etwas höher.

Integration in Kaufprozesse als Schlüsselfaktor

Als zentral für die Teilnahmequote gilt die Einbindung von Klimabeiträgen direkt in den Buchungsprozess. «Das ist ganz entscheidend», sagt Landwehr. Früher sei das Angebot oft erst nach Abschluss der Buchung kommuniziert worden – «mit dementsprechend mauen Resultaten». Eine Integration direkt in Buchungsoptionen führe zu deutlich höherer Nachfrage.

Sowieso steht bei der CO2-Kompensation der Fokus auf den Unternehmen. Bei Myclimate stammt laut den Angaben «der absolut überwiegende Anteil» der Einnahmen von Firmen. Zuletzt waren die Erträge der Stiftung rückläufig, sie liegen aber weiterhin rund viermal höher als vor zehn Jahren. Vergangenes Jahr hat die Stiftung rund ein Zehntel der Stellen gestrichen.

Schlechte Presse bremste

Der Markt für die freiwillige Treibhausgaskompensation geriet vor drei Jahren in die Krise. Wissenschaftler und Journalisten deckten auf, dass viele der mit CO2-Zertifikaten finanzierten Klimaschutzprojekte ihre versprochene Wirkung nicht erzielten. Im Kern der Kritik stand dabei South Pole. Das Zürcher Unternehmen musste darauf ein Prestigeprojekt aufgeben und ein Fünftel der Stellen streichen. Auch Firmengründer Renat Heuberger musste seinen Posten abgeben.

Der freiwillige Kohlenstoffmarkt sei seither erheblich gereift, sagt ein Firmensprecher heute. «Strengere Standards haben das Vertrauen der Unternehmenskunden wiederhergestellt.» Er beobachtet eine steigende Nachfrage, insbesondere aus den Sektoren Energie, Luftfahrt und Technologie. Myclimate stand nicht im Kreuzfeuer, wurde aber vorsichtiger. Statt von CO2-Kompensation spricht die Stiftung heute von Klimaschutzbeiträgen oder Klimaschutzfinanzierung.

WWF fordert stärkeren Fokus auf Emissionsreduktion

Der WWF bewertet Kompensationsmodelle weiterhin kritisch. Die Organisation empfiehlt «grundsätzlich die Abkehr von der Kompensation und von Kompensationsclaims» und legt den Fokus stärker auf Emissionsreduktion, wie Lene Petersen, Expertin für Klima und Wirtschaft, erklärt.

Doch: «In einer Netto-Null-Strategie können solche Klimaschutzbeiträge wichtige Funktionen übernehmen.» Hier werden die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens um mindestens 90 Prozent reduziert. Die übrigen Emissionen können durch Klimaschutzprojekte neutralisiert werden.

Die Umweltschutzorganisation empfiehlt Firmen heute, weiter in den Klimaschutz zu investieren, ohne dabei von Kompensation oder Klimaneutralität zu sprechen. Die Beiträge hätten eine wichtige Funktion: «Kurz- und mittelfristig helfen sie, die globale Finanzierungslücke im Klimaschutz zu schliessen sowie frühzeitig Removal-Technologien und die notwendige Infrastruktur aufzubauen», sagt Petersen.

Kommentare (2)

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  • Muchel | 16.02.2026
    Tja
    Die Inquisitoren der neue Sekte "Klima" sind am Abdanken. Ihre Neuauflage der Inquisition ist, wie auch schon die früheren, nun gescheitert. Der Ablasshandel ebbt ab bis er dann endgültig eingestellt werden wird.
    Es ist wie ein einem stickigen Raum, in dem man langsam frische Luft herein lässt, damit alle wieder frei atmen können und wieder normal denken.
    Die Jünger dieser Sekte werden sicherlich bald wieder einen Guru finden, dem sie blind und voller Ehrfurcht nachrennen können.
    Weil selber denken, oder sogar selber Schlüsse ziehen können sie nicht, das haben sie bewiesen.
  • Gesunder Menschenverstand | 16.02.2026
    Die grössten Länder der Welt machen bei dem CO2 Theater nicht mit.
    Und wir meinen, wir könnten das Weltklima retten...
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