Schweizer Franken kein «sicherer Hafen» mehr?

Der Schweizer Franken gilt traditionell als einer der wichtigsten sicheren Häfen unter den weltweit führenden Währungen. Seit Beginn des Iran-Krieges zeigt sich jedoch ein ungewohntes Bild: Der Franken verliert gegenüber Euro und US-Dollar an Wert.

awp |

Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar waren sichere Häfen wie der Franken oder auch Edelmetalle wie Gold nur zu Beginn gesucht. Je länger die kriegerischen Auseinandersetzungen anhielten, desto stärker fokussierten sich die Marktteilnehmer auf die Öl- und Energiepreise. Dies half dem Dollar. Denn Öl wird überwiegend in Dollar bezahlt.

Die Explosion beim Ölpreis heizte zudem die Inflationssorgen an. Daher zogen die Renditen auf US-Staatsanleihen wegen Inflationssorgen seit Ende Februar an. Das macht Anlagen in US-Papiere tendenziell attraktiver und steigert die Dollar-Nachfrage.

Erhöht EZB den Zins?

Die Folge: Der US-Dollar ist gegenüber dem Franken zeitweise um drei Rappen gestiegen und der Euro um zwei. «Handelsgewichtet verlor der Franken seit dem Start der Angriffe 2 Prozent an Wert», hält der Anlageexperte Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank fest. Das Wachstum würde nachlassen und die Inflation steigen. Sowohl in den USA als auch Europa hat die Teuerungsrate bereits angezogen.

Das haben die Preisdaten für den März gezeigt. Gleichzeitig deuten Stimmungsindikatoren auf eine nachlassende Konjunkturdynamik hin. «Daher geht der Markt davon aus, dass die EZB im Juni den Leitzins erhöhen muss und das Fed erst im Dezember wieder eine Senkung bekanntgeben kann», sagt Devisenhändler Peter Neuhaus von der Valiant Bank im Gespräch mit AWP. Dies habe Folgen auf die Zinsdifferenz.

Greift SNB ein?

Gleich mit Ausbruch des Iran-Krieges Anfang März warnte die SNB die Märkte mit deutlichen Worten. Sie werde nicht zögern, den Franken über Devisenmarktinterventionen zu schwächen. «Die Tonalität ging dabei über die übliche Floskel in der geldpolitischen Berichterstattung hinaus und zeigte Wirkung», sagt Stucki von der St. Galler Kantonalbank (SGKB).

Ausserdem habe die SNB zumeist in Phasen interveniert, wenn der Franken wieder aufgewertet hatte, heben die Devisenexperten der Commerzbank hervor. «Sie sorgte also praktisch für eine Stärke-Obergrenze.» Ob die SNB tatsächlich im März verstärkt eingegriffen hat, wird sich erst noch zeigen. Daten über ihre Devisenmarkttransaktionen im ersten Quartal veröffentlicht die SNB erst Ende Juni.

Schulden der USA steigen unkontrolliert

Nein, hat er nicht, lautet die schlichte Antwort. Denn «der Status als sicherer Hafen wird dem Franken aufgrund der politischen Neutralität, der soliden Staatsfinanzen sowie der wirtschaftspolitischen Unabhängigkeit der Schweiz zugeschrieben», meinen die Ökonomen der Deka Bank. Und daran wird sich so schnell nichts ändern, so der Tenor unter den Experten. Die aktuelle Schwäche sei lediglich als eine Verschiebung zu sehen. «In den vergangenen Wochen war schlicht keine Nachfrage nach sicheren Häfen zu sehen», schrieb die Commerzbank in einem Devisenkommentar.

Hinzu komme, dass die Argumente für eine Schwäche des Dollars wieder zum Tragen kommen, sobald sich die Lage im Nahen Osten und an den Energiemärkten stabilisiert, erklärt Anlage-Experte Stucki. «Die Schulden in den USA steigen unkontrolliert weiter und die Kosten des Krieges und das nötige Geld für den Ersatz der verschossenen Raketen verstärken diesen Trend zusätzlich.» Die Sparbemühungen der Regierung hätten sich offenbar im Pulverdampf aufgelöst und bei Trump dem masslosen Geldausgeben Platz gemacht.

Die ganzen Entwicklungen zuletzt haben das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die Verlässlichkeit der Amerikaner nicht gerade gestärkt, lautet denn auch das Urteil vieler Marktbeobachter. Grund genug, um auf ein Comeback des Franken zu setzen. Auf der anderen Seite sollten die Schweizer Exportfirmen nicht allzu sehr auf eine langanhaltende Schwächephase hoffen.

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