Der Bundesrat hat am Mittwoch eine Sparkampagne im Hinblick auf einen befürchteten Energiemangel im Winter gestartet. Mit einfachen Tipps will er die Bevölkerung zum freiwilligen Energiesparen bringen.
Die Kampagne unter dem Motto «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht.» führt der Bund zusammen mit Kantonen und Wirtschaft durch, wie die Landesregierung mitteilte. Über 40 Partner machen mit. Ziel ist es, dass so viele Privathaushalte und Firmen die Massnahmen freiwillig umsetzen, dass es gar nicht erst zu einem Energiemangel kommt.
«Ich bin überzeugt, gemeinsam können wir viel erreichen», sagte Energieministerin Simonetta Sommaruga am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Bern. Schon einfache Massnahmen wie das Benutzen eines Wasserkochers statt einer Pfanne könnten viel bewirken, betonte sie.
Ab sofort sparen
Sommaruga ist optimistisch, dass die Schweizer Bevölkerung, beim Energiesparen freiwillig mitmachen wird. «Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist gross», sagte sie. Es sei allen klar, dass die Situation angespannt sei. «Jede Kilowattstunde zählt, ob neu produziert, eingespart oder nicht verschwendet», sagte auch Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Gespart werden müsse ab sofort, sagte er weiter.
Die Kampagne läuft bis im April 2023 und liegt auf der Nachfrageseite. Ergänzt werden sie von den vom Bundesrat getroffenen Massnahmen auf der Produktionsseite, wie dieser schrieb. Dazu gehören etwa zusätzliche Reserven bei Gas und Strom. Zudem legte die Landesregierung für das Winterhalbjahr beim Gas ein freiwilliges Sparziel von 15 Prozent fest. Wird die Situation angespannter, kann der Bund weitere, darunter auch obligatorische Massnahmen, beschliessen.
Weniger Heizen, kühler Duschen
Zu den vom Bund vorgeschlagenen Sparmassnahmen fallen das Absenken der Heiztemperatur, geringerer Warmwasserverbrauch, das Abschalten elektrischer Geräte oder der Beleuchtung oder das energiesparende Kochen und Backen. Die Kampagne visualisiert die Tipps mit Wärmebildern, die zeigen, wie rasch Energie verpuffen kann.
Die meisten Empfehlungen dürften bekannt sein, hiess es weiter. Die Kampagne soll sie wieder in Erinnerung rufen. Zugänglich sein werden die Informationen auf der Internetseite «nicht-verschwenden.ch», auf Plakaten, in Inseraten und auf den Social-Media-Kanälen des Bundes. Eingerichtet wird auch eine Telefon-Hotline. Die Partnerorganisationen nutzen die eigenen Kanäle.
Wie viel mit den freiwilligen Sparmassnahmen genau eingespart werden kann, ist noch nicht klar. An der Medienkonferenz wurde ein mögliches Energiesparen von 8 bis 18 Prozent genannt. Die Kampagne ist Teil der Winter-Energiespar-Initiative der beiden Eidgenössischen Departemente für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) sowie für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Beteiligt sind jedoch über 40 Akteurinnen, die sich im weiteren zu einer «Energiespar-Allianz» zusammenschliessen. Diese soll im Lauf des Winters immer breiter werden.
Kantone sparen bei ihren Gebäuden
Mit dabei sind die Kantone und Gemeinden. «Wir können diese Massnahmen in den Kantonen bei unseren eigenen Gebäuden direkt umsetzen», sagte Roberto Schmidt, der Präsident der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren und Walliser Regierungsrat. Zudem werde zurzeit geprüft, wie in öffentlichen Räumen Energie gespart werden könne.
Auch die Schweizer Wirtschaft will mitmachen. Monika Rühl, die Vorsitzende des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, erinnerte an das grosse Risiko für die Volkswirtschaft. Die Energie sei absolut zentral. Komme es zu einem Ernstfall, würden Existenzen und der soziale Frieden auf dem Spiel stehen. Das Sparpotenzial sei kurzfristig umsetzbar.
Für die Maschinen- und Metallindustrie erklärte Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher, es brauche einen Kulturwandel beim Verbrauch. Die Unternehmen seiner Branche könnten durch die Umstellung ihrer Zweistoffanlagen von Gas auf Öl 15 Prozent ihres Gasverbrauchs einsparen.
