Zuvor war zum Handelsbeginn in Chicago die in den USA bestimmende Sorte West Texas Intermediate (WTI) über die Marke von 100 Dollar (77,95 Franken) gesprungen – ein Preisniveau, das es zuletzt 2022 gegeben hatte. Zeitweise stieg der Preis sogar auf 111 Dollar (86,52Franken) pro Barrel.
Am Freitagnachmittag war Brent-Rohöl zur Lieferung im Mai noch mit über 90 Dollar (70,15 Franken) gehandelt worden. Seit Beginn des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus inzwischen auf rund 50 Prozent: Ende Februar lag der Preis noch um die 70 Dollar (54,56 Franken) pro Barrel. Auch die Spritpreise sind seither deutlich angestiegen.
Die Angst vor einer längeren Sperrung der Strasse von Hormus bleibt ein bestimmendes Thema auf dem Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch diese wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist auch sehr wichtig für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar.
Börsianer in Asien reagieren geschockt
Die Börsen in Ostasien reagierten mit heftigen Verlusten auf den rasanten Anstieg der Ölpreise. In Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte im frühen Handel um mehr als 6 Prozent unter die Marke von 53'000 Zählern. Rund 25 Minuten nach Handelsbeginn notierte der asiatische Leitindex bei einem satten Minus von 3409,92 Punkten oder 6,13 Prozent bei einem Zwischenstand von 52'210,92 Punkten.
Hohe Verluste verzeichnete auch die Börse in Südkorea. In Seoul verzeichnete der KOSPI nach Handelsbeginn zeitweise ein Minus von 378,55 Punkten – oder knapp 7 Prozent – bei einem Stand von 5200,17 Zählern.
Trump: Geringer Preis für Sicherheit und Frieden
US-Präsident Donald Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst zum Problem werden könnten, versuchte, den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: «Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. «Nur Idioten würden das anders sehen», fügte er an.
Warnung von Katars Energieminister
Ende vergangener Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi in einem Interview der «Financial Times» vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs im Nahen Osten für Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. Dann ist nach Einschätzung des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar (116,92 Franken) möglich.
Aufgrund der de facto Blockade der Meerenge von Hormus gehen den Produzenten am Persischen Golf teils die Lagerkapazitäten aus. Kuwait hat seine Produktion Medienberichten zufolge bereits gedrosselt.
