Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China steht kurz vor der Unterzeichnung. Obwohl Zölle nur auf bestehenden Kontingenten abgebaut werden sollen, dürfte die Importe von Lebensmitteln ansteigen. Und damit steigt auch die Gefahr der Einfuhr von verunreinigten Gütern, wie die „Handelszeitung“ schreibt.
Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang wird in Kürze die Schweiz besuchen. Damit sollen die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Staaten intensiviert werden. Die Schweiz wird erst zum dritten Freihandelspartner der zweitgrössten Wirtschaftsmacht der Welt. Vor der Schweiz hat der bevölkerungsarme Inselstaat Island ein solches Abkommen unterschrieben.
Verdängen osteuropäische Produkte
Obwohl die Zölle für Agrarprodukte nur auf bestehenden Kontingenten abgebaut werden sollen, befürchten Bauern, Konsumentenschutz aber auch Experten eine Steigerung der Einfuhr von Lebensmitteln, wie die „Handelszeitung“ in ihrer jüngsten Ausgabe schreibt. Chinesische Produkte werden immer wieder durch Skandale erschüttert – sei es verunreinigte Milch, Pestizide in Gemüse oder Antibiotika im Fleisch.
Die chinesischen Lebensmittel dürften vor allem Produkte aus Osteuropa verdrängen. Heute stammen rund 1,1 Prozent der gesamten Importe aus dem Reich der Mitte. In den vergangenen zehn Jahren nahmen aber die Einfuhren von 46 auf 111 Millionen Franken (+146%) markant zu. Hauptsächlich finden Früchte, Gemüse und Fische den Weg in die Regale der hiesigen Detailhändler. Wie die „Handelszeitung“ schreibt, stamme beim Ingwer, Bambussprossen oder Spargeln im Glas die Hälfte der Importe aus China. Auch Bioware (bsp. Sonnenblumenkerne) werden von dort eingeführt.
Nicht gleiche Standards
Gründe für die Steigerung der Einfuhren werden von Importeuren die Lieferbereitschaft und Verfügbarkeit genannt. Doch die Detailhändler sind vorsichtig bei der Listung solcher Waren. Der Import von M-Budget-Knoblauch aus China führte bei der Migros zu einem „Shitstorm“ auf dem Internet. Man habe eine gewisse Skepsis gegenüber solchen Lebensmitteln zur Kenntnis genommen, liess sich die Migros zitieren. Die Fenaco-Tochter Volg nahm den Knoblauch wieder aus dem Sortiment.
Händler erläutern, man habe noch nie schlechte Erfahrungen mit chinesischer Ware gemacht. Doch auch bei Kontrollen in der Schweiz wurden Pestizid-Rückstände beanstandet. Swisscofel, Verband der Schweizerischen Früchte-, Gemüse,- und Kartoffelhandels, sagte gegenüber der „Handelszeitung“, dass die Chinesen in Sachen Qualität nicht die Standards erfüllen, welche wir hier gewohnt sind. Und das EU-Warnsystem hat bis zum 21. Mai bereits 121 Warnmeldungen zu chinesischen Produkten verbreitet. Unter anderem wurden Alu in Teigwaren, Noroviren in Erdbeeren oder Nagetierextremente in Kürbiskernen gefunden.
Chinesischen Bauern fehlt Bewusstsein
„Wenn mehr Produkte aus China kommen, müssen wir auch mit mehr Problemen rechnen“, sagte der Präsident des Verbandes der Kantonschemiker, Otmar Deflorin. In China gälten nicht die gleichen Standards wie in Europa.
Die chinesische Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren massiv auf Pestizide gesetzt. Nun sei ein strenges Bio-Gesetz in Kraft, da aber die Ausbildung der Landwirte in diesem Bereich nicht stark entwickelt sei, fehle das „ökologische Bewusstsein“, heisst es weiter.