
In vielen Städten in der Schweiz wollen Streikkollektive heute Sonntag auf Gewalt an Frauen, unbezahlte Care-Arbeit, Ungleichstellung und staatliche Sparmassnahmen aufmerksam machen.
Therese Krähenbühl
In vielen Städten in der Schweiz wollten Streikkollektive am Sonntag auf Gewalt an Frauen, unbezahlte Care-Arbeit, Ungleichstellung und staatliche Sparmassnahmen aufmerksam machen.
Gleichberechtigter Zugang zu Ressourcen
Das, zusammen mit dem von der UNO ausgerufenen «Internationalen Jahr der Agrarierinnen» 2026, nehmen verschiedene landwirtschaftliche Organisationen zum Anlass für die Veröffentlichung eines gemeinsamen Positionspapiers. Beteiligt sind unter anderem Uniterre, Femmes de la terre, MAPC sowie zwei weitere Verbände.
Es geht um mehr soziale Absicherung sowie einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen und Entscheidungsstrukturen in der Landwirtschaft.
Strukturelle Ungleichheiten
In der Schweiz arbeiteten laut dem Schreiben 2024 rund 54’000 Frauen in der Landwirtschaft. Dennoch seien nur 7,7 Prozent der Betriebe von einer Frau geführt. Das sei deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, der bei rund 30 Prozent liege. Gleichzeitig seien Arbeitsstatus, soziale Absicherung und Entlöhnung stark von der jeweiligen Rolle im Betrieb abhängig.
«Die Arbeit von Frauen in der Landwirtschaft und die verschiedenen damit verbundenen Berufsstatus – Betriebsleiterin, Angestellte, Mitgeschäftsführerin, Gesellschafterin, Saisonarbeiterin – bestimmen die Rechte, Pflichten und Formen der Entlöhnung dieser Frauen», heisst es im Dokument. Dadurch entstünden strukturelle Ungleichheiten beim Zugang zu Ressourcen sowie bei sozialer Absicherung und Rentenleistungen.
Klare Berufs- und Rechtsstatus
Die Organisationen verweisen zudem darauf, dass Diskriminierungen in der Landwirtschaft mehrere Dimensionen haben können. Diese könnten sich etwa über Geschlecht, sexuelle Orientierung, sozioökonomische Herkunft, Nationalität, Rasse, Alter oder Behinderung überschneiden.
Trotz bestehender politischer Ziele zur besseren Anerkennung von mitarbeitenden Ehepartnerinnen seien die Fortschritte bislang begrenzt. «Bei der Anerkennung ihres beruflichen Status, bei der Sozialversicherung und auch bei den AHV-Beiträgen sind Frauen nach wie vor schlechtergestellt.»
Die unterzeichnenden Organisationen fordern deshalb unter anderem eine vollständige Anerkennung landwirtschaftlicher Arbeit durch klare Berufs- und Rechtsstatus, besseren Zugang zu Sozialversicherungen sowie zur Altersvorsorge und zum Mutterschafts- beziehungsweise Elternschutz. Zudem verlangen sie Massnahmen zur Förderung der körperlichen und psychischen Gesundheit im landwirtschaftlichen Arbeitsalltag.
Gleichberechtigte Hofübernahme
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Zugang zu landwirtschaftlichen Ressourcen und der Hofnachfolge. Gefordert wird unter anderem «tatsächliche Gleichberechtigung beim Zugang zu Landeigentum, zur Betriebsübernahme, zu landwirtschaftlichen Krediten und zu Starthilfen». Auch die gleichberechtigte Hofübernahme innerhalb von Familienstrukturen soll gewährleistet werden.
Zudem verlangen die Organisationen verstärkte Massnahmen gegen Diskriminierung und Gewalt im ländlichen Raum. Dazu zählen «die aktive Prävention und das Erkennen von geschlechtsspezifischer, sexueller, psychischer, häuslicher und LGBTQIA+-feindlicher Gewalt».
Abschliessend fordern die Verbände eine stärkere wissenschaftliche Erfassung der Ungleichheiten sowie mehr Mitbestimmung in landwirtschaftlichen Organisationen, Bildungsstrukturen und politischen Gremien. Ziel sei eine «zukunftsfähige Landwirtschaftsentwicklung», die die bestehenden Ungleichheiten abbaut und eine vielfältigere Landwirtschaft stärkt.
Infos zu Verbänden
Uniterre:
Uniterre setzt sich für eine bäuerliche, nachhaltige, kostendeckende und solidarische Landwirtschaft und für gesunde Nahrungsmittel für alle ein.
MAPC:
Das MAPC («Mouvement pour une agriculture paysanne et citoyenne») ereint Bürgerinnen und Akteure aus den bäuerlichen, handwerklichen und lokalen Lebensmittelketten in Genf. Sie hat das vorrangige Ziel, eine Bewegung aufzubauen, die in der Lage ist, die bäuerliche Landwirtschaft bei den Bürgerinnen sichtbar zu machen, ihre Werte gegenüber den Institutionen zu verteidigen und über eine Ernährungspolitik nachzudenken, die Produzentinnen aller Bereiche und Konsumentinnen zusammenbringt.
Femmes de la terre:
Die «Femmes de la terre» sind ein Netzwerk von Frauen und nicht-binären Personen aus der Landwirtschaft und den Berufen rund um die Arbeit mit dem Land. Die Organisation setzt sich für berufliche, wirtschaftliche und soziale Gleichstellung in landwirtschaftlichen Berufen ein und engagiert sich gegen strukturelle Diskriminierung, Sexismus und Gewalt im ländlichen Raum. Zudem fördert sie den Austausch von Fachwissen und die Vernetzung unter den Mitgliedern.