Mehr Schweizer Produkte – Bäuerinnen im Gespräch mit Lidl

25 Bäuerinnen und Landwirtinnen trafen sich in Weinfelden mit der Geschäftsleitung von Lidl Schweiz. Dabei ging es um Milchpreise, Saisonalität – und um mehr Schweizer Produkte in den Regalen.

Jasmine Baumann, lid |

«Landwirtinnen und Landwirte tragen eine grosse Verantwortung – ohne euch stehen unsere Regale leer», sagt Nicholas Pennanen, CEO von Lidl Schweiz, am ersten Bäuerinnen- und Landwirtinnenevent in Weinfelden.

Lidl lud explizit Frauen ein, weil ihnen deren Perspektive wichtig sei. Ziel der Veranstaltung war, dass die Teilnehmerinnen ihre Herausforderungen und Erwartungen direkt der Geschäftsführung und der Corporate Affairs Abteilung – der Unternehmenskommunikation – schildern konnten.

«Wir wollen den Frauen eine Stimme geben und ein verlässlicher Partner sein, nicht nur ein Abnehmer», sagt Nicholas Pennanen. Organisiert wurde der Anlass gemeinsam von der BauernZeitung und Lidl, um diesen Austausch zu ermöglichen.

«Mehr Schweizer Milchprodukte in den Regalen»

«Was würdet ihr machen, wenn ihr einen Tag lang CEO von Lidl wärt?», darüber diskutierten die Teilnehmerinnen in Gruppen mit Mitarbeitern aus der Kommunikationsabteilung von Lidl und mit dem CEO. Ein grosses Thema waren auch hier die Milchprodukte. Die aktuelle Situation mit dem überlasteten Schweizer Milchmarkt belastet viele Betriebe. «Will ich so noch weiterfahren? Kann ich es noch?», sagte Betriebsleiterin Eliane Morgentaler in der Podiumsdiskussion und ergänzte: «Investitionen liegen nicht drin bei diesem Milchpreis.»

Mehrere Teilnehmerinnen forderten deshalb mehr Schweizer Milchprodukte in den Verkaufsregalen. «Es könnte ein Ziel von Lidl Schweiz werden, nicht mehr zuhinterst auf der Rangliste der Detailhändler zu stehen, sondern ganz oben», sagte eine Landwirtin. Nicholas Pennanen entgegnete, dass dieses Bild nicht ganz stimme. Lidl Schweiz habe bereits viele Schweizer Milchprodukte im Sortiment und zudem engagiere sich das Unternehmen im Käseexport. Lidl ist heute der zweitgrösste Käseexporteur der Schweiz – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr exportierte das Unternehmen 4’700 Tonnen Käse, darunter Gruyère, Appenzeller und Hüttenkäse. «So versuchen wir einen Teil des Problems zu lösen», sagte Nicholas Pennanen.

Frischkäseangebot aus der Schweiz ausbauen

Zudem seien sie daran, das Frischkäseangebot aus der Schweiz auszubauen. Auf Vorschlag der Teilnehmerinnen prüft Lidl eine Mitgliedschaft bei der Branchenorganisation Milch BOM, um stärker mitgestalten zu können.

Am Podium diskutierten neben Landwirtin Eliane Morgenthaler und Nicholas Pennanen auch Simone Barth, Chefredaktorin der BauernZeitung, sowie Peter Hinder, Geschäftsführer des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft. «Unsere Position ist klar: wir wollen unsere Produkte an Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bringen», erklärte er. Auch er spricht die Milchprodukte offen an: «Frischkäse ist ein Potenzial, das wir holen müssen.»

Saisonalität besser Kommunizieren

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Saisonalität: «Die Kundinnen und Kunden wissen oft nicht mehr, was wann Saison hat, weil jederzeit alles verfügbar ist», sagte eine Bäuerin. «Jemand müsste einmal anfangen und den Mut haben, keine Erdbeeren oder Spargeln zu verkaufen, bevor sie in der Schweiz reif sind», ergänzte sie. Der Detailhändler argumentierte, dass dann die Kundinnen und Kunden zur Konkurrenz ausweichen würden. Zudem könne man die Konsumentinnen und Konsumenten nicht bevormunden.

Ein saisonales Angebot könnte jedoch auch das Profil sein, erwidert Peter Hinder, der früher bei Migros Industries arbeitete. «Es gibt eine Verantwortung entlang der gesamten Kette», meinte er. Die Landwirtinnen und Bäuerinnen forderten mehr Aufklärungsarbeit gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten. So könnte beispielsweise ein grosser Saisonkalender bei der Früchte- und Gemüseauslage aufgehängt werden. «Oder man könnte ein Foto von einem Arbeiter aus Andalusien bei den Spargeln zeigen», schlug eine Teilnehmerin vor.

Weder Mehl noch Butter im Gipfeli stammen aus der Schweiz

Simone Barth lenkte das Thema auch noch weg von den Erdbeeren und Spargeln. «Reden wir über Buttergipfeli», sagte sie. Es sei ein Fakt, dass sowohl die Butter und auch das Getreide – in Form von Teiglingen – dafür importiert werden. «Muss das wirklich sein? Die Schweiz ist ein Getreideland und ein Milchland», führte sie aus und ergänzte: «Könntet ihr nicht auch Schweizer Getreide und Schweizer Butter verwenden?»

Tatsächlich sei das Getreide eines der Topthemen welches Lidl Schweiz derzeit beschäftige. «Wir wollen den Anteil an Schweizer Getreide beim Brot und den Backwaren erhöhen», sagte Nicholas Pennanen. Swissness sei ein klarer Erfolgsfaktor für Lidl Schweiz, sagte der CEO weiter. Über 50 Prozent des Umsatzes macht der Discounter mit einheimischen Produkten von 300 Schweizer Lieferanten. 60 von ihnen sind seit der Eröffnung der ersten Filiale vor 15 Jahren dabei. Heute betreibt Lidl Schweiz 195 Filialen. Weltweit ist das Unternehmen in 32 Ländern tätig und betreibt über 12’000 Filialen.

«Die Produzentinnen und Produzenten nehmen Lidl als zuverlässigen Partner wahr», sagt Peter Hinder. In vielen Augen sei Lidl aber immer noch der Bösewicht, der die Preise drücke, sagte Simone Barth. Der Markteintritt von Aldi und Lidl habe etwas ausgelöst in den Läden. Nicholas Pennanen erklärte, dies bedeute nicht, dass die Landwirtinnen und Landwirte weniger für ihre Produkte erhalten. Die tiefen Ladenpreise entstünden vor allem, weil Lidl bei den Prozessen spare.

Weiterer Austausch geplant

«Ich bin fasziniert von eurem Engagement und Stolz für die Schweizer Landwirtschaft», sagte Nicholas Pennanen zum Abschluss der Diskussion. Er will die Anliegen der Teilnehmerinnen mitnehmen und daran arbeiten. «Wir sind nicht perfekt – aber wir versuchen, besser zu werden», führte er aus.

Lidl Schweiz und die Bäuerinnen wollen das Treffen in einem Jahr wiederholen. Es soll auf einem Bauernhof stattfinden. Ob der Discounter seiner Ansage «gesagt, getan» gerecht wird, wird sich dann zeigen.

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