Migros-Chef Irminger will nur noch einen Grillmeister

Elf Grillmeister an einem Grill: So beschreibt Migros-Chef Mario Irminger die heutige Führungsstruktur des Detailhandelsriesen. Nach der geplanten Grossfusion soll es nur noch einer sein. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP erklärt Irminger, warum er die Migros umbauen will, wie er Stellenabbau vermeiden möchte und was sein Nachfolger mitbringen muss.

awp |

AWP: Herr Irminger, Coop hat seine Regionalgenossenschaften bereits vor 25 Jahren fusioniert. Warum zieht die Migros erst jetzt nach? Mario Irminger: Die beiden Situationen sind nicht vergleichbar. Coop hatte einen anderen Handlungsbedarf. Die Migros ist hingegen mit einer Eigenkapitalquote von 80 Prozent kerngesund und profitabel. Im Dialog mit den Genossenschaftern sind wir nun aber zum Schluss gekommen, dass wir mit der föderalen Struktur einen Nachteil haben, wenn wir unser Geschäft weiterentwickeln wollen.

Nicht alle Mitglieder der regionalen Verwaltungen waren für die Fusion. Wie überzeugen Sie die Regionen, einen Teil ihrer Macht nach Zürich abzugeben? Unser Weg beruht auf zwei Säulen: Es gibt die Gruppengenossenschaft, die als schlank aufgestellte Portfoliogesellschaft die Finanz- und Risikosteuerung für die sieben grossen Geschäftseinheiten verantwortet. Was sich aber nicht verändern wird, ist die regionale Struktur in den Supermärkten, angefangen bei den Filialen über die Logistik bis hin zum Sortiment. Wir brauchen auch in Zukunft eine starke regionale Struktur und wollen, dass die Sortimente weiterhin in den Regionen gestaltet werden.

Bis Mitte 2027 müssen Sie die Genossenschafter von der Fusion überzeugen. Wie viele Stellen wegfallen könnten, sagen Sie noch nicht. Werden Sie erst nach der Abstimmung Zahlen nennen? Wir werden bis Mitte 2027 zunächst an unserer heutigen Struktur festhalten, danach haben wir ein Moratorium bis Mitte 2028, während dem es in den regionalen Genossenschaften keine strukturbedingten Entlassungen geben wird. Danach werden wir diese zehn Regionen sukzessive auf fünf halbieren und anschliessend über die Zeit Doppelspurigkeiten abbauen. Wir sind der Meinung, dass wir dies im Wesentlichen über die natürliche Fluktuation umsetzen können.

In den Medien war von möglichen jährlichen Einsparungen von 300 bis 400 Millionen Franken die Rede. Wie viel wollen Sie tatsächlich einsparen? Für uns ist dieser Umbau kein Abbauprogramm, vielmehr geht es um den Gewinn von Effektivität in den Prozessen. Heute haben wir in der Führung elf Grillmeister an einem Grill und in Zukunft werden wir nur noch einen haben. Die Entscheidfindung wird schneller, einfacher und sehr wahrscheinlich qualitativ auch besser.

Sie stossen den Umbau an, werden ihn aber nicht mehr selbst umsetzen. Was muss Ihre Nachfolgerin oder Ihr Nachfolger mitbringen? Die Person muss den Bezug zu der Breite herstellen, welche die Migros hat. Da geht es nicht nur um die Supermärkte, sondern auch um Gesundheitsthemen oder Finanzdienstleistungen und noch mehr. Diese Aktivitäten muss man steuern und für die Zukunft gestalten und ausrichten können. Zudem braucht es eine Person, die eine Affinität für die Supermärkte mitbringt, die Branche kennt und das Geschäft weiterentwickeln kann.

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