Auf die Parallelen zwischen Finanz- und Milchmarkt hat das European Milk Board (EMB) hingewiesen. Die Liberalisierung habe den Finanzmarkt in die Krise gestürzt, das drohe nun den Milchbauern. Das EMB fordert neben klaren Regeln auch eine Schaffung einer Monitoringstelle. Sie warnte vor Verhältnissen wie in der Schweiz.
Wie die EMB-Geschäftsführerin Silvia Däberitz zu Beginn der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin erklärte, haben die liberalisierten Kräfte des internationalen Finanzmarktes den Sektor tief in die Krise gestürzt. Das gleiche drohe nun dem Milchmarkt, zitiert Agra-Europe (AgE) Däberitz.Marktmacht der Produzenten stärken
Durch die geplanten Deregulierungen werde der Markt immer weiter „Richtung Abgrund“ gedrängt. Der Trend gehe bei einer ungebremsten Liberalisierung hin zu extrem niedrigen und dabei stark schwankenden Preisen sowie zu einer vermehrten Abhängigkeit der Milcherzeuger von Molkereikonzernen und Banken.
„Um die Funktionalität eines gesunden Milchmarktes zu garantieren, brauchen wir klare Regeln“, betonte Däberitz. Für die Stärkung der Marktmacht gegenüber den Verarbeitern müssten sowohl Genossenschaftsmitglieder als auch „freie Erzeuger“ die Möglichkeit haben, einer Produzentenorganisation beizutreten, die gebündelt verhandelt.
Monitoringstelle und Zielpreiskorridor schaffen
Für eine marktübergreifende Anpassung des Angebotes an die Nachfrage forderte die EMB-Geschäftsführerin zudem die Schaffung einer „Monitoringstelle“. Sie soll wichtige Daten wie Kosten der Produktion, Preise und die nachgefragte und angebotene Menge erfassen.
Die Monitoringstelle soll insbesondere die Produktionskosten im Auge behalten. Diese müssten die Basis für einen „Zielpreiskorridor“ sein, in dem sich die Produzentenpreise bewegten und innerhalb dessen man die erzeugten Mengen steuere. Ein Einführung sei aber vom Willen der Politik abhängig.
Schaber kritisiert Regierung
Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und EMB-Vorstandsmitglied Romuald Schaber monierte während des
EMB-Pressegesprächs, dass die Massnahmen der deutschen Regierung
bislang der „Logik der Schweiz“ folgten.
Dabei seien die Ergebnisse einer weitgehenden Liberalisierung auf dem dortigen Markt „verheerend“ ausgefallen. Es sei daher erstaunlich, dass die EU-Kommission diesem Weg trotz der Erfahrungen der Schweizer Kollegen immer noch folge.