Nach Corona die alten Normen

Grossverteiler betonen, wie sie beim Verkauf von grossem Gemüse helfen. Doch die üblichen Normen werden nicht gelockert.

Grossverteiler betonen, wie sie beim Verkauf von grossem Gemüse helfen. Doch die üblichen Normen werden nicht gelockert.

Weisskabis mit einem Gewicht von 1,6 Kilogramm oder 350 Gramm schwere Rüebli. Coop und Migros haben in den letzten Wochen übergrosses  Gemüse verkauft, das ohne Coronakrise im Gastronomiekanal gelandet wäre. Öffentlichkeitswirksam haben sie darauf hingewiesen. Dürfen Gemüse und Früchte ausserhalb der sonst geltenden Normen auch nach der Coronakrise in die Regale kommen? 

Reduktion von Food Waste 

Der Schweizer Bauernverband wünscht es. Sprecherin Sandra Helfenstein sagt: «Wir hoffen auf offenere und tolerantere Vorgaben  für den Detailhandel. Denn bei Gemüse und Früchten handelt es sich um Naturprodukte. Wenn es um die Reduktion von Food Waste auf Stufe Landwirtschaft geht, sind die Normen der grösste Hebel.» Marc Wermelinger, Geschäftsführer von Swisscofel, dem Verband des Gemüse-, Früchte- und Kartoffelhandels, wendet ein, dass Normen nur für einen kleinen Teil der Lebensmittelverluste verantwortlich seien.

Jährliche Ernteschwankungen oder meteorologisch bedingte Verschiebungen bei den Erntevolumen fallen dabei laut ihm stärker ins Gewicht. Er erinnert daran, dass die Normen dazu dienen, den Normalfall abzubilden, in dem ein Produkt die besten Verkaufschancen hat. Die Vorgaben würden von Produzenten und Handel in paritätisch besetzten Gremien beschlossen und seien nicht gesetzlich. Für einzelne Produktelinien könnten strengere oder lockerere Vorgaben vereinbart werden. 

Übergrosses Gemüse ist beliebt bei Kunden

Coop etwa weist auf ihre Eigenmarken Ünique und Prix Garantie hin, wo mit Erfolg und auch in Zukunft Gemüse und Früchte ausserhalb der üblichen Qualitätsnormen verkauft würden. Die in den vergangenen Wochen angebotenen übergrossen Knollensellerie, Rüebli und Weisskabis seien bei den Kunden sehr beliebt gewesen. Der Frage, ob Coop im Normalsegment weiterhin flexibler sein werde, wich die Sprecherin mit Verweis auf die Branchenstandards aus.  

Auch die Migros betont, sie verkaufe ohnehin Früchte und Gemüse, die nicht den Normen entsprechen. Jene seien unter anderem im M-Budget-Bereich oder bei speziellen Aktionen zu finden. «Zudem sind wir nicht erst seit Corona bereit, unsere Normen vorübergehend anzupassen, wenn es die Umstände erfordern, beispielsweise aufgrund der Witterungsverhältnisse. So haben wir in der Vergangenheit unter anderem Aprikosen oder Kernobst mit Hagelschäden verkauft», heisst es dort. Es scheint, dass die Migros nur in Ausnahmesituationen bereit ist, die Normen zu lockern. 

Mehr Wertschätzung

Markus Waber, Kommunikationsleiter bei den Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), sagt: «Normen können sinnvoll sein, um Früchte und Gemüse in der vom Kunden gewünschten Qualität in die geeigneten Verkaufskanäle zu leiten. Der VSGP ist bereit, über Anpassungen zu sprechen, wo diese Sinn machen.» In seinen Augen könnte die Coronakrise dazu beitragen, dass die Kunden beim Einkauf grosszügiger werden und noch mehr Wertschätzung für Schweizer Gemüse und Früchte zeigen

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