
Laut des OECD-Berichts verfügt die Schweiz über eines der höchsten relativen Produzentenunterstützungsniveaus in der OECD, selbst nachdem es zu weniger produktionsgekoppelten Massnahmen und stärker umweltorientierten Zahlungen umgestiegen sei.
Heinz Röthlisberger
Die Schweiz verfügt über wichtige Stützen für eine schrittweise Weiterentwicklung des heimischen Agrar- und Ernährungssystems. Dazu gehören neben einer stabilen Regierungsführung vor allem eine starke Forschungs- und Innovationsfähigkeit, gut etablierte Konsultationsmechanismen und ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele.
Das schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Prüfbericht zur aktuellen Lage des Schweizer Agrarsektors und seiner Entwicklungsperspektiven vor dem Hintergrund der Vision für ein nachhaltiges Ernährungssystem bis 2050.
Hohe staatliche Unterstützung
Generell seien die Eidgenossen bestens gerüstet, einen ganzheitlichen Ansatz für ihre Lebensmittelsysteme politisch voranzutreiben, heisst es in dem Bericht. Es gebe eine solide Evidenzbasis für die Politikgestaltung von Lebensmittelsystemen, mit rigoroser Überwachung, Analyse und Politikevaluationen. Ehrgeizige Strategien, politische Ziele und regulatorische Rahmenbedingungen würden durch robuste Mechanismen zur Konsultation der Interessengruppen unterstützt.
Die OECD zeigt in ihrem Bericht aber auch Herausforderungen auf. So sei die Schweizer Agrarpolitik weiterhin durch eine hohe staatliche Unterstützung der Landwirte gekennzeichnet. Das Land verfüge über eines der höchsten relativen Produzentenunterstützungsniveaus in der OECD, selbst nachdem es zu weniger produktionsgekoppelten Massnahmen und stärker umweltorientierten Zahlungen umgestiegen sei. Trotz gezielter Liberalisierung und eines umfangreichen Netzwerks von Freihandelsabkommen bleibe der Grenzschutz im internationalen Vergleich sehr ausgeprägt. Dies trage unter anderem zu hohen Lebensmittelpreisen bei und könnte die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors einschränken.
Marktransparenz verbessern
Gleichzeitig sehen die OECD-Experten Möglichkeiten, um Anpassungen vorzunehmen und gewisse agrarpolitische Instrumente besser auf die Ziele der öffentlichen Gesundheit, des Umweltschutzes und eines nachhaltigen Konsums auszurichten. Zu den Bereichen, in denen weitere Fortschritte angestrebt werden könnten, zählen das Nährstoffmanagement, die Ammoniakemissionen, die Biodiversität, das Klima sowie Lebensmittelverluste und ‑verschwendung.
Die Empfehlungen der OECD zielen darauf ab, die Kohärenz der öffentlichen Politik zu stärken, die Transparenz der Agrar- und Lebensmittelmärkte zu verbessern und die Innovation zu fördern. Außerdem sollten die administrative Belastung verringert und die öffentlichen Mittel stärker auf nachhaltige, wirksame und gesundheitsfördernde Ergebnisse ausgerichtet werden.