In Polen haben die Niederschläge der vergangenen Woche längst nicht überall für ein nachhaltiges Ende der seit langem anhaltenden Trockenphase gesorgt.
Fachleute der staatlichen Behörde für Wasserwirtschaft (PGW) warnen nun, dass dem Land eine der schwersten Dürren seit Beginn der Messungen drohen könnte. Die Hauptursache liegt nach ihrer Einschätzung in den niederschlagsarmen Wintern der letzten drei Jahre, in denen die Auffüllung der Bodenwasserreserven wesentlich geringer ausgefallen sei als saisonal üblich.
Laut der Behörde hat dies für einen starken Rückgang der Feuchtigkeit in den mittleren Bodenschichten gesorgt. Inzwischen bestehe deshalb auf rund 90 % des polnischen Staatsgebiets in unterschiedlicher Ausprägung eine hydrologische Dürre, die sich auch in einer messbaren Abnahme von Flusspegeln und dem Grundwasserspiegel äussere. Damit steige die Gefahr von Dürresituationen an der Oberfläche deutlich an, weil Pflanzen bei kurzfristigen Trockenphasen selbst über ihre tiefen Wurzeln kaum noch Wasserreserven anzapfen könnten.
Die hydrologische Trockenheit ist nach Einschätzung der PGW-Fachleute in einem breiten Gürtel in der Mitte des Landes am stärksten ausgeprägt. In den dortigen Wojewodschaften seien im vergangenen Herbst und Winter verbreitet nur zwischen 40 % und 60 % der langjährigen Niederschlagsmengen verzeichnet worden.
Im Süden Polens habe das Niederschlagsdefizit in dem Zeitraum ebenfalls bei mehr als 50 % gelegen. Die leichten Regenfälle der letzten Monate und Wochen hätten diese Ausfälle keinesfalls kompensiert, betonen die Behördenvertreter. Sollte der Mai nun hinsichtlich Regen nicht „liefern“, dürften ausgeprägte Dürreschäden in den landwirtschaftlichen Kulturen auch in diesem Jahr eher die Regel als die Ausnahme sein. Wegen der Trockenheit und den logistischen Auswirkungen der Corona-Pandemie rechnen Marktanalysten der Bank BNP Paribas bereits mit deutlichen Preisaufschlägen für Obst und Gemüse in Polen.