Preis könnte wieder gesenkt werden

Appenzeller Käse ist eine starke Marke. Stark sind auch die Vorwürfe, die Milchlieferanten und Käser derzeit gegeneinander richten. Nun steht sogar im Raum, dass die Käsepreiserhöhung rückgängig gemacht werden könnte.

Daniel Salzmann |

Appenzeller Käse ist eine starke Marke. Stark sind auch die Vorwürfe, die Milchlieferanten und Käser derzeit gegeneinander richten. Nun steht sogar im Raum, dass die Käsepreiserhöhung rückgängig gemacht werden könnte.

Ein Käser mit einem Appenzeller-Produktionsrecht von 350 Tonnen erhalte bei einer Margenerhöhung um 20 Rp./kg Käse 70'000 Franken mehr. Ein durchschnittlich grosser Milchlieferant mit 100'000 kg Milch erhalte 2850 Franken mehr, wenn sein Milchpreis um 2,85 Rp/kg erhöht werde. «Ein Milchproduzent muss 25 Jahre Milch liefern, bis er den gleichen Mehrertrag hat wie der Käser in einem Jahr.» So rechnet es ein Appenzeller-Käsereimilchlieferant auf www.schweizerbauer.ch vor als Kommentar zum Artikel, den die freie Journalistin Eveline Dudda für den Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) schrieb.

Um 50 Rp./kg soll der Käsepreis ab Käserei per 1. Oktober 2013 steigen. So beschloss es die Geschäftsführung der Sortenorganisation Appenzeller Käse am 10. September 2013. Der Vorstand der Genossenschaft Ostschweizer Milchverarbeiter stellt sich auf den Standpunkt, dass von diesen 50Rp. 20 Rp. den Käsern zustehen und 30 Rp. den Bauern (was umgerechnet plus 2,85 Rp./kg beim Milchpreis bedeutet). Denn an der Sitzung seien jeweils entsprechende Anträge gestellt worden.

Was wurde beschlossen?

Vertreter der Appenzeller Milchproduzenten dagegen verweisen auf Regelungen zur Aufteilung der Marge in gültigen Milchkaufverträgen zwischen Käsern und Milchlieferanten. Zahlreiche Käsereien haben einen solchen Verteilschlüssel, andere nicht.  Den Vertretern zufolge enthält das Zirkular 230 der Sortenorganisation, vom 27.September datiert, keinen Beschluss über die Aufteilung des höheren Käsepreises.

Export gehalten

Von Januar bis November 2013 wurden laut TSM 4664 Tonnen Appenzeller Käse exportiert. Das sind gerade mal 20 Tonnen weniger als in der Vorjahresperiode. Produziert wurden in den genannten elf Monaten im Jahr 2013 8456 Tonnen Appenzeller, 523 Tonnen mehr als im Vorjahr. Wie haben der Detailhandel und die Konsumenten die nun erfolgten Preissteigerungen aufgenommen? «Dazu liegen uns noch keine Zahlen vor, je nach Handelskanal wird die Preiserhöhung auch zeitlich unterschiedlich umgesetzt», sagt David Vincze, Geschäftführer der Sortenorganisation Appenzeller. sal

Es steht dort: «Die Anträge wurden an der Geschäftsführungssitzung geprüft, und es wurde folgende Anpassung des Käsepreises beschlossen: Der Käsepreis wird ab Produktion Oktober 2013, per 1. 10. 2013, angepasst. Der Käsepreis ab Käserei wird um 50 Rappen je Kilogramm erhöht. Somit beträgt der Abnahmepreis neu» Die Sortenorganisation stellt sich auf den grundsätzlichen Standpunkt: «Die Marge soll gerecht, entsprechend den Notwendigkeiten verteilt werden, und alle sollen von der Preiserhöhung profitieren – die Milchproduzenten, die Käser, die Käsehändler.» So sagt es David Vincze, Geschäftsführer der Sortenorganisation.

Wer will noch Käser sein?

Hansruedi Aggeler, Geschäftsführer des Caseus-Kompetenzzentrums und Verwaltungsratspräsident der Seiler Käserei AG in Sarnen OW, gibt zu bedenken: «Die von den Käsern beantragte und von der Geschäftsleitung der Sortenorganisation Appenzeller Käse  genehmigte Margenverbesserung um 20 Rp./kg Käse ist die erste in ihrer Art seit über zehn Jahren. Allein bei der Energie und dem Personal, aber auch für die Qualitätssicherung sind für die Käser die Kosten in den letzten Jahren  aber deutlich gestiegen.»

Würden diese Mehrkosten nicht abgegolten, sei ein weiterer Strukturwandel bei den Appenzeller-Käsereien zwangsläufig. Nicht aus dem Blick lassen dürfe man dabei, dass in der Ostschweiz rund 75% der Käsereien in privater Hand seien. «Für die gewerblichen Käsereien braucht es tüchtige junge Nachfolger als Milchkäufer. Streitereien mit Beizug von Anwälten und Vertrauensbrüche, wie sie in den letzten Monaten vorgekommen sind, machen einen Einstieg nicht attraktiv», sagt Aggeler. 

Plus 50 Rp. wieder weg?

Aggeler schrieb Ende Januar in seinem Marktkommentar: «Etliche Verarbeiter haben es satt, nur noch den Durchlauferhitzer für Milchpreiserhöhungen zu spielen. Anstatt zu streiten, bleibt vermutlich in einigen Fällen nur die Kündigung.» Er verwies er darin auf eine bevorstehende Sitzung. «Beim Appenzeller wird empfohlen, vor einer allfälligen Kündigung der Milchkaufverträge die Sitzung der Geschäftsleitung vom 14. Februar 2014 abzuwarten.» Dem Vernehmen nach steht ein Rückkommensantrag im Raum, mit dem die 50 Rp. Preiserhöhung ab Käserei, die per 1. Oktober beschlossen worden waren, wieder rückgängig gemacht werden sollen.

Damit solle erst einmal wieder Ruhe einkehren. Dann könne man auch über einen neuen Beschluss für eine Preiserhöhung nachdenken, die das aktuelle Marktumfeld eigentlich zulassen sollte. Mit Milchpreisen wie im September 2013 bestünde aber das «Risiko», so gibt ein Milchlieferant zu bedenken, dass Appenzeller Milch unter das Niveau der Emmentaler Milch fallen könnte. Auch käme sie preislich nahe an die Industriemilch heran, sodass noch mehr Milchproduzenten die silofreie Fütterung aufgeben könnten.

Emmi hat gekündigt

Wie die freie Journalistin Eveline Dudda schrieb, erhielten die Milchlieferanten der Schaukäserei Stein AR per 1. Oktober 2013 eine Preiserhöhung von 4,75 Rp/kg. Käser Heinz Güntensperger aus Dreien SG hinterliess auf www.schweizerbauer.ch den Kommentar, dass Emmi den Milchkaufvertrag mit der Genossenschaft Stein AR aufgrund der unüberwindlichen Differenzen gekündigt habe. Auf Anfrage bestätigt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker: «Es ist korrekt, dass Emmi die Milchpreiserhöhung bezahlt und dass der Milchkaufvertrag mit den Milchlieferanten gekündigt wurde. Dieser läuft nun noch bis Ende 2014.» Der Pachtvertrag für den Käsereibetrieb der Schaukäserei sei davon nicht betroffen und laufe weiter (Vertragsdauer bis 2017). Käser geben zu bedenken, dass man bei der Einordnung der 4,75 Rp./kg auch das bisherige Milchpreisniveau in Stein AR berücksichtigen müsste. Zudem sei Emmi auch Händler von Appenzeller Käse. sal

 

 

 

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