Prix Montagne geht ins Val-de-Travers

 

Der Prix Montagne wird von der Schweizer Berghilfe und von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) verliehen. Berghilfe-Präsidentin Eva Jaisli und SAB-Präsident Pius Kaufmann erläuterten an der Preisverleihung in Bern, worum es geht.

Die sechs nominierten Projekte und das Siegerprojekt tragen in beispielhafter Weise direkt zur Wertschöpfung und wirtschaftlichen Vielfalt im Schweizer Berggebiet. Moderatorin Sabine Dahinden, bekannt aus der SRF-Sendung Schweiz aktuell, strich ihre Urner Wurzeln hervor. Sie liess nicht nur ihren Urner Dialekt aufblitzen, sondern moderierte in allen vier Landessprachen. Sie hat einst an der Universität Bern Sprachen studiert. 

Gesundheitszentrum gewinnt Publikumspreis

Das Rätoromanische brauchte Dahinden zur Vorstellung des Projektes Gesundheitszentrum Unterengadin in Scuol GR. Es gewann den Publikumspreis, den die Mobiliar-Genossenschaft mit 20’000 Franken dotiert. Es sei viel mehr als ein Spital, alles sei unter einem Dach und aus einer Hand, so Dahinden. Das Projekt habe Modellcharakter für eine Gesundheitsversorgung in der Peripherie, hiess es. Und der Name zeige, dass man nicht auf die Krankheit der Leute fokussiere, sondern am liebsten vorausschauend in die Erhaltung der Gesundheit investiere. Apropos Investition: Das Gesundheitszentrum läuft finanziell gut – «ein Wunder im Gesundheitswesen», wie Jura-Mitglied und Goba-Verwaltungsratspräsidentin Gabriela Manser kommentierte.

Kleider machen Leute, an diese Aussage erinnerten sich wohl einige im Publikum. Der Kopf der Institution, Chefarzt Joachim Koppenberg, war im Präsentationsfilm selbstverständlich im weissen Kittel aufgetreten. Zur Preisverleihung war er im dunkelgrünen Polo-Shirt angereist und sah damit aus wie der Gärtner des Hauses. Zu Koppenberg wurde herausgestrichen, dass er schon vor seiner Tätigkeit als Arzt in Scuol gearbeitet habe, und zwar als Snowboardlehrer und Bademeister. Koppenberg scherzte, die Bündner Delegation sei drum so klein, weil genau am heutigen Tag die Bündner Hochjagd beginne. 

Der Hauptpreis gewinnt an Zeitmessgeräte für den Sport 

Sogar mit 40’000 Franken ist der Hauptpreis des Prix Montagne dotiert. Er ging an die Firma Freelap, die im Kanton Neuenburg in Fleurier tätig ist.  Das siebenköpfige Team um Firmeninhaber Jean-Pierre Baumann und seine Ehefrau Sandra Baumann produziert präzise und erschwingliche Zeitmessgeräte für verschiedenste Sportarten. Die Systeme mit den auffällig gelben Pylonen kommen in Trainings auf der ganzen Welt zum Einsatz. Auch Jury-Präsident Dario Cologna, vier Olympiagoldmedaillengewinner im Langlauf und heute begeisterter Läufer, will diese Freelap-Geräte im Training einsetzen. «Die Geräte sind sehr leicht zu tragen und sehr genau», lobte Jury-Mitglied Jean-Paul Lachat, Regierungsrat im Kanton Jura.

Die Geräte werden von A bis Z in der Schweiz gefertigt und in diversen Sportarten eingesetzt, wobei vor allem die Anwendung in der Leichtathletik die Geräte in Sportkreisen auf der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Wachstumschancen sieht der Firmengründer in den Sportarten Ski alpin und Schwimmen. Jury-Mitglied Lachat hob hervor, dass die ersten Jahre nach der Firmengründung für das Ehepaar Lachat sehr harte Jahre gewesen seien. Und auch Baumann selbst sagte, die Geschichte seiner Firma sei ein stetes Auf und Ab gewesen. 

Landwirtschaft bei Biketrail gut eingebunden 

Die anderen vier nominierten Projekte – der Biketrail Marbachegg, dolceperla gioiella, die Stoos Lodge und die Yann Flück SA – wurden an der Preisverleihung in Bern alle auch mit einem Film und einer Laudatio eines Jurymitgliedes vorgestellt. Der Biketrail Marbachegg in Marbach LU sei in gutem Einvernehmen mit der Landwirtschaft entstanden. Ueli Zihlmann, Bauer und Betriebsmitarbeiter bei den Sportbahnen, sagte, für das zur Verfügung gestellte Land werde er sehr gut entschädigt.

Im Restaurant bei der Bergstation arbeiteten viele Personen aus der Landwirtschaft, die viele Speisen aus der Region servierten, hiess es im Film. Jury-Mitglied Nadine Felix strich hervor, dass Marbach mit dem Engagement der Sportbahnen vom Skigebiet zur Ganzjahrestourismusdestination geworden sei. Sie lobte auch, dass es oben im Restaurant einen Gutschein für einen Einkauf in der Bergkäserei Marbach gebe. Die eigene Erfahrung zeigt: Wer dort an einem schönen Wochenendtag parkiert, sieht Hunderte Autos aus zahlreichen Kantonen der Schweiz. 

Landwirt gründete Energieholzfirma 

Bei der Yann Flück AG in Le Noirmont JU wurde hervorgehoben, dass der Firmengründer mit gleichem Namen einst Landwirt mit eigenem Heimet gewesen sei. Dieses habe aber nicht zum Leben gereicht, sodass er in das Geschäft mit Energieholz eingestiegen sei, so Jurymitglied Roland Schegg. Inzwischen hat er acht Angestellte, die wichtigste ist seine Frau Sophie Flück.

Schegg meinte, noch viel mehr Schweizer Holz müsste genutzt werden, vielerorts sei der Wald ja unternutzt, gerade im Berggebiet. Schegg kritisierte auch die Abhängigkeit der Schweiz von fossilen Brennstoffen, dabei zeige doch gerade der Krieg im Iran die Verletzlichkeit dieser Lieferketten. 

Zusammenarbeit Hotel und Alp 

Bei der ebenfalls nominierten Stoos Lodge auf dem Stoos SZ hiess es auch, es werde regional eingekauft, insbesondere Alpkäse von der Alp Laui von Alois («Wisel») und Bernadette Fassbind. Das Hotel empfehle das Alprestaurant auch für Ausflüge, was ihnen zahlreiche Gäste bringe. Weder im Film noch in der Laudatio wurde der Erbauer und Eigentümer des Hotels mit keinem Wort erwähnt. Es ist René Koch, der in das Haus 18 Millionen Franken investiert hat. Das Grundstücke gehörte ihm schon vorher, vorher stand dort ein anderes Hotel. Die Lodge wurde im Jahr 2023 eröffnet.

Koch hätte eine Erwähnung verdient gehabt, denn bei einem Verkauf an einen Ausländer und nachfolgender Anlage des Erlöses an der Börse in Dividendenpapiere oder Investition in ein Mehrfamilienhaus hätte er womöglich mehr verdient als mit dem Bau und mit dem Betrieb eines Hotels. Das ist bekanntlich der Grund, warum so viele einheimische Hotelierfamilien ihre Häuser an Ausländer verkaufen, die froh sind, hier einen Teil ihres Vermögens platzieren zu können, und die eine Nullrendite in Kauf nehmen. 

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