Der Emmentalerpreis soll steigen. Dazu muss der Lagerbestand runter, was eine massive Produktionseinschränkung bedingt.
Am 1. Juli tritt beim Emmentaler – Allgemeinverbindlichkeit sei Dank – die zentrale Mengensteuerung durch die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) wieder in Kraft. Mit ihr sollen auch die Preise steigen. Die ES gibt für die Juni-Produktion einen Richtpreis von 6.30 Franken je Kilo und ab Juli-Produktion einen von 7 Franken vor.
Mengen zugeteilt
Damit diese Preiserhöhung umgesetzt werden können, muss die Produktionsmenge zwingend gedrosselt werden, darüber ist man sich im ES-Vorstand einig. Deshalb gibt die Sortenorganisation für die Monate Juli, August und September eine Produktionsfreigabe von nur gerade 50 Prozent vor. Die tiefe Produktion soll zu einem massiven Lagerabbau führen. Aktuell lagern rund 6'420 Tonnen Emmentaler AOC in der Schweiz. Künftig zielt die ES auf durchschnittlich 4'800 Tonnen ab.
Um die Menge zu steuern, muss die ES jeder Produktionsstätte wieder eine Referenzmenge zuteilen. Schweizweit beläuft sich die gesamte Referenzmenge auf etwa 33'000 Tonnen, wie ES-Direktorin Franziska Borer bestätigt. Grundsätzlich kriegt jede Käserei wieder so viel Menge zugesprochen, wie sie vor der Aufhebung der Mengensteuerung im Jahr 2010/11 hatte. Betriebe, welche seither Milch von schliessenden Käsereien übernommen haben, kriegen zusätzlich auch die Menge jener Betriebe zugeteilt.
Nicht grössere Referenzmenge als vor Aufhebung
Die Menge ohne die Übernahme anderer Käsereien ausdehnen konnten einzig die ehemaligen Aussenseiter. Diesen abtrünnigen Käsereien wurde 2011 – kurz vor der Aufhebung der Mengensteuerung – in der Emmentaler Charta eine höhere Menge zugeteilt, als sie vorher hatten. Dies um ihren Wiedereintritt zu bewirken.
Trotz dieser Ausdehnung übersteigt die heutige Referenzmenge jene vor der Aufhebung der Mengensteuerung nicht. «Der durch die Chartamengen entstandene Zuwachs an Referenzmenge wird durch den Strukturwandel der letzten beiden Jahre wieder kompensiert, sodass die heutige Referenzmenge leicht tiefer ausfällt, als sie im Produktionsjahr 2010/11 war», versichert Borer.
Sie weist darauf hin, dass einigen Käsereien die Menge noch nicht abschliessend zugeteilt werden konnte, da die ES die Übereinstimmung mit dem Mengenreglement noch genau abklären muss.
Störfeuer in letzter Minute
Die Gegner einer Mengensteuerung liessen auch diesmal nichts unversucht. Sie versuchten die Mengensteuerung kurzfristig mittels gerichtlicher Massnahme zu verhindern, scheiterten aber. Jetzt hofft die ES-Geschäftsstelle, dass sie auch die noch hängige Anfechtungsklage zurückziehen.