
Um die angespannte Situation abzufedern, haben mehrere Ostschweizer Landwirtschaftsverbände unter der Federführung des Maschinenrings eine nationale Raufutterbörse lanciert.
Deutz-Fahr
Die Schweiz erlebt in weiten Teilen derzeit einen aussergewöhnlich trockenen Sommer. Selbst wenn nun Regen fällt, dürfte es dauern, bis die Wiesen wieder genügend Futter liefern.
Um die angespannte Situation abzufedern, haben mehrere Ostschweizer Landwirtschaftsverbände unter der Federführung des Maschinenrings Schweiz eine nationale Raufutterbörse lanciert. Laut den Initianten steht das Angebot Landwirtinnen und Landwirten in der ganzen Schweiz offen. Das Inserieren ist kostenlos und die Angebote werden geprüft.
-> Hier gehts zur Raufutterbörse
Fabian Brühwiler, Geschäftsführer des Maschinenrings Schweiz und Betreiber der Raufutterbörse, erklärt auf Anfrage: «Die Angebote tröpfeln langsam ein.» Er sei sich bewusst, dass das Angebot die grosse Nachfrage nach Futter wohl nicht zu decken vermag. «Aber es hat noch Regionen oder einzelne Betriebe, die Futter zur Verfügung stellen», ist Brühwiler überzeugt.
Ausserdem sei man seitens Maschinenring auch darum bemüht, im Ausland – vornehmlich in Osteuropa – bekannte Kontakte abzuklappern. «Sofern wir verfügbare Futterposten finden, werden wir diese ebenfalls auf unserer Plattform auschreiben», sagt der Geschäftsführer des Maschinenrings.
Kantone unterstützen die Börse
Dass die Sorge um Futtermangel nicht an Kantonsgrenzen haltmacht, zeigt eine Umfrage des «Schweizer Bauer» bei den kantonalen Bauernverbänden:
- Die Bauernverbände von Uri, Nidwalden und Obwalden begrüssen die nationale Plattform. Geschäftsführer Linus Ettlin schreibt, eine schweizweite Börse biete die Möglichkeit, «Angebot und Nachfrage unkompliziert zusammenzuführen und vorhandenes Raufutter dorthin zu bringen, wo es aktuell benötigt wird». Man wolle die Verbandsmitglieder über das Angebot informieren und zur Nutzung ermuntern.
- Auch der Zuger Bauernverband will die Börse bekannt machen. Erika von Euw, die Geschäftsführerin der «Zuger Bauern», kündigt an, die Neuigkeit im nächsten Newsletter zu streuen.
- Der Tessiner Bauernverband unterstützt die Initiative ebenfalls. Direktor Sem Genini bezeichnet sie als «sehr positiv» und kündigt an, die Börse über die eigenen Online-Kanäle, soziale Medien und die Zeitung «Agricoltore Ticinese» bekannt zu machen. Eine Schwierigkeit sieht er allerdings darin, dass die Plattform nicht auf Italienisch verfügbar sei.
- Auch in Freiburg will man die Plattform unterstützen. Sandra Macherel Egger vom Freiburger Bauernverband (Agri Fribourg) kündigt an, die Börse auf der Website zu verlinken und die Mitglieder aktiv zu informieren.
Glarus: Situation regional unterschiedlich
Der Glarner Bauernverband unterstützt die nationale Börse ebenfalls und will die Landwirte über die Plattform informieren. Gleichzeitig sei die Situation innerhalb des Kantons sehr verschieden, schreibt Sandra Hefti, die unter anderem die Geschäftsstelle des Glarner Bauernverbands betreut.
Vor allem in Glarus Nord habe die Trockenheit deutliche Folgen. Der dritte Schnitt ist laut Hefti teilweise wesentlich geringer ausgefallen, aktuell finde kaum noch Graswachstum statt. In Glarus Süd sei die Lage vielerorts weniger angespannt.

Ein aktuelles Leserinnenbild zeigt das Wildheuen auf der Alp Baumgarten in Linthal GL, das zur Gemeinde Glarus Süd gehört.
Sonja Horner
Dank der frühen Heu- und Emdnutzung seien auf vielen Betrieben zwar noch Vorräte vorhanden. Entscheidend werde jedoch sein, wie lange die Trockenheit anhält und ob Tiere wegen der Situation früher von den Alpen auf die Heimbetriebe zurückkehren müssen. Auf einzelnen Alpen sei zudem weniger das Futter als die Wasserversorgung problematisch.
Hefti hofft deshalb auch auf Solidarität innerhalb des Kantons: «Eine nationale Plattform ist dafür eine gute Ergänzung, weil Angebot und Nachfrage auch über die Kantonsgrenzen hinweg zusammengebracht werden können.»
Unterstützung aus dem Aargau und Solothurn
Im Aargau beteiligt sich der Bauernverband ebenfalls an der nationalen Börse. Darüber hinaus ruft er zur Solidarität auf. Als Beispiele nennt er den Verkauf von Silomais an viehhaltende Betriebe, den verstärkten Anbau von Zwischenfutter und die gegenseitige Unterstützung bei der Futterversorgung.
Der Bauernverband Aargau fordert zudem faire Produzentenpreise und Massnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung. Die Landwirtschaft könne die Folgen des Klimawandels nicht alleine tragen. Auch langfristig brauche es Investitionen in Bewässerung, Wasserspeicherung und Rückhaltemöglichkeiten.

Selbst wenn nun Regen fällt, dürfte es dauern, bis die Wiesen wieder genügend Futter liefern.
Gabriela Brändle
Der Solothurner Bauernverband unterstützt die nationale Börse, geht aber noch einen Schritt weiter. Geschäftsführer Edgar Kupper kündigt an, zusätzlich eine eigene einfache Raufutterbörse einzurichten.
Auf der Plattform können Landwirtinnen und Landwirte Gesuche nach Heu, Emd, Mais oder Herbstzwischenfutter sowie entsprechende Angebote erfassen und diese damit für Berufskolleginnen und Berufskollegen sichtbar machen:
Gleichzeitig steht der Verband mit Futtermittelhändlern in Kontakt, um insbesondere grössere Raufutterposten zu vermitteln. Auch innerhalb der Landwirtschaft würden bereits Lösungen gesucht, schreibt Kupper weiter. So würden etwa Ackerbauern Herbstfutter anbauen oder ihre Flächen Tierhaltern dafür zur Verfügung stellen. Der Verband fordert zudem eine nationale Taskforce zur Raufutterversorgung und eine zusätzliche Teilzahlung der Direktzahlungen im Frühherbst.
Graubünden, Zürich und Bern mit eigenen Börsen
Der Bündner Bauernverband (BBV) hat angesichts der angespannten Lage ebenfalls eine kantonale Futterbörse aufgebaut. Geschäftsführer Sandro Michael schreibt, Ziel sei es, «verfügbare Futtermittel im Kanton zentral zu erfassen und Angebot sowie Nachfrage rasch zusammenzuführen». Die Angebote werden laut dem BBV ab Montag, 17. August 2026, laufend auf der Website des Verbands publiziert.
Der Verband bittet Betriebe, die Raufutter zu verkaufen haben, ihr Angebot über den nachfolgenden Link zu erfassen:
-> Futterbörse BBV – Formular ausfüllen
Daneben beschäftigt sich der Bündner Bauernverband mit weiteren Folgen der Trockenheit. Er hat die Umsetzung von Ausnahmeregelungen bei vorzeitiger Abalpung, Futterzufuhr und Überbestossung abgeklärt. Auch die Wasserversorgung auf den Alpen ist ein Thema. Laut Michael wurden Möglichkeiten für Wassertransporte per Helikopter geprüft und die Voraussetzungen für eine allfällige Unterstützung durch die Armee abgeklärt.
Neben Solothurn und Graubünden hat auch der Zürcher zusammen mit dem Schaffhauser Bauernverband eine eigene Raufutterbörse eingerichtet:
-> Hier gehts zur Herbstfutterbörse des ZBV und des SHBV
Zur Raufutterbörse des Berner Bauernverbands geht es hier:
Ich als alt Landwirt bemängle schon lange , es gibt kein mit einander in der Landwirtschat und den Bauernverbänden ! Jeder macht sein eigenes Sübchen ! Schade !