
Die Ökumenische Kampagne 2026 stelle das Recht auf Saatgut als Grundlage des Rechts auf Nahrung in den Fokus.
Fastenaktion/HEKS
Am Mittwoch startet in Luzern und Zürich die diesjährige Ökumenische Kampagne von dem Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (HEKS), der Fastenaktion und «Partner sein».
Unter dem Motto «Zukunft säen» setzen sich die drei Organisationen für das Recht von Bäuerinnen und Bauern auf lokales Saatgut ein – als Grundlage für eine gerechte Welt ohne Hunger.
Dramatischer Verlust an Vielfalt
Die Zahlen sind laut Mitteilung alarmierend: Gemäss der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind in den letzten 100 Jahren weltweit über 75 Prozent der Nutzpflanzen verloren gegangen, in Europa sogar mehr als 90 Prozent. Heute liefern nur noch wenige Sorten Reis, Mais und Weizen die Hälfte aller pflanzenbasierten Kalorien.
Zahlreiche traditionelle Arten werden verdrängt oder verschwinden ganz. Diese Verarmung macht Ernährungssysteme anfällig für Klimaveränderungen, Extremwetter und Schädlinge – mit direkten Auswirkungen auf Millionen von Menschen, heisst es in der Mitteilung.
Die Ökumenische Kampagne
Fastenaktion und HEKS führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch «Partner sein», das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche.
Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 670 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende unterstützen oder sich an einer Aktion beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff gelebter Solidarität.
Die Organisationen führen in verschiedenen Ländern des Globalen Südens Entwicklungs- und Klimaprojekte durch und fordern unter anderem das Recht auf Nahrung für alle sowie Klimagerechtigkeit.
Saatgut als Machtfrage
Parallel konzentriere sich der globale Saatgutmarkt zunehmend in den Händen weniger Konzerne. Strenge Sortenschutzgesetze und neue gentechnische Züchtungsmethoden würden es vielerorts erschweren, Saatgut aus eigener Ernte weiterzuverwenden, zu tauschen oder zu verkaufen. Besonders im Globalen Süden gefährdet dies kleinbäuerliche Betriebe, obwohl sie bis zu 80 Prozent des weltweit genutzten Saatguts erhalten und weiterentwickeln, teilen die Hilfsorganisationen mit.
Wer ihnen dieses Recht entziehen, gefährde nicht nur ihre Existenz, sondern auch die globale Ernährungssicherheit.
Konkretes Engagement in Nord und Süd
Die Ökumenische Kampagne 2026 stelle deshalb das Recht auf Saatgut als Grundlage des Rechts auf Nahrung in den Fokus. In Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützen die Hilfswerke Gemeinschaften dabei, lokale Saatgutsysteme zu stärken, agrarökologisch zu produzieren und ihre Rechte politisch einzufordern.
In der Schweiz sammelt die Kampagne Spenden für Projekte zur Ernährungssicherung, informiert über die globalen Zusammenhänge unseres Ernährungssystems und zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten auf. Denn Saatgutvielfalt ist die beste Versicherung gegen Hunger – und gegen die Folgen des Klimawandels, sind sich die drei Hilfsorganisationen einig.