Der Schweizer Agrarforscher Hans R. Herren erhält für seinen Einsatz gegen Hunger und Armut den Alternativen Nobelpreis. Der Präsident der Stiftung Biovision ist laut deren Angaben der erste Schweizer, der mit diesem seit 1980 verliehenen Preis ausgezeichnet wird.
Gemäss Biovision rettete er mit einem biologischen Programm zur Schädlingsbekämpfung in Afrika Millionen von Menschen das Leben. Mit seiner Stiftung helfe Herren heute Landwirten, «Hunger, Armut und Krankheit durch biologischen Landbau zu bekämpfen».
Das Schaffen von Hans R. Herren wird in der Mitteilung vom Donnerstag als «bahnbrechende praktischer Arbeit» bezeichnet, die einer «gesunden, sicheren und nachhaltig globalen Nahrungsversorgung den Weg bahnt.»
Durchbruch mit Schlupfwespe
Die Stiftung Biovision schreibt in einem Communiqué, dass die Auszeichnung für den Welternährungspreisträger von 1995 eine wichtige Bestätigung für seine Vision sei. Diese lautet, dass auch im Jahr 2050, wenn 9 Milliarden Menschen den Planeten bevölkern, jeder mit genügend gesunder Nahrung versorgt werden kann.
Der ausgebildete Entomologe studierte in den USA und der Schweiz und gehört zu den weltweit führenden Wissenschaftlern in der biologischen Schädlingsbekämpfung. In den 1980er Jahren gelang ihm der ganz grosse Wurf, indem er eine Maniokplage mit einer aus Südamerika importierten Schlupfwespe besiegte. So konnte er gesunde Erträge für ein Grundnahrungsmittel von 200 Millionen Menschen wieder sicherstellen. Für diese Leistung wurde Herren mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet.
Momentan unterstützen Biovision und das Millennium Institute unter Leitung von Herren drei afrikanische Länder, Senegal, Kenia und Äthiopien, ihre Landwirtschaft und Nahrungsketten zu analysieren und die Wege zu einem Kurswechsel auszuloten.
Die Auszeichnung, die von der Right Livelihood Award-Stiftung vergeben wird, ist mit 57'000 Euro dotiert. Insgesamt verteilt die Organisation 230'000 Euro an vier Preisträger.
Kampf gegen Chemiewaffen, Einsatz gegen vergewaltigte Frauen und Palästina
Der US-Amerikaner Paul Walker bekommt den Preis inmitten der aktuellen Diskussion um die Vernichtung von Syriens Giftgas-Vorräten als «einer der effektivsten Wegbereiter für die Abschaffung von Chemiewaffen». «Die Chemiewaffenkonvention ist eigentlich ein Erfolgsmodell gewesen», will der Direktor der Stiftung, Ole von Uexküll, mit der Auszeichnung auch zeigen - und richtet dabei den Blick auf die Lage in Syrien.
Durch Walkers Einsatz seien schon Zehntausende Tonnen chemischer Waffen aus sechs nationalen Arsenalen sicher vernichtet worden. Jetzt konzentrierten sich seine Bemühungen auf den Beitritt der übrigen Staaten zu dem Pakt. Syrien soll am 14. Oktober Mitglied werden.
Den Arzt Denis Mukwege ehrt die Stiftung für sein Engagement für vergewaltigte Frauen in seiner Heimat, der Demokratischen Republik Kongo. In einem Spital in Süd-Kivu behandelt der Gynäkologe unermüdlich Opfer sexueller Kriegsgewalt.
Der Anwalt Radschi Surani erhält den Preis, weil er sich «furchtlos und vorurteilsfrei für die Menschenrechte in Palästina und der arabischen Welt» einsetzt. Im Gazastreifen dokumentiere Surani Menschenrechtsverletzungen, vertrete Opfer und bilde inzwischen auch syrische Juristen aus.
Auszeichnungen seit 1980
Mit dem Alternativen Nobelpreis - offiziell Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) - werden jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden ausgezeichnet.
Der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll rief den Preis 1980 als Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen ins Leben. Seitdem wird die Auszeichnung jedes Jahr an mehrere Preisträger vergeben, die praktische und beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen.
Damit hat die nach dem Preis benannte Stockholmer Stiftung insgesamt schon 153 Preisträger aus 64 Ländern geehrt. Nach der Vergabe unterstützt und begleitet die Stiftung die Preisträger weiter. Finanziert wird der Right Livelihood Award heute aus privaten Spenden.