Stundenlohn unter einem Fünfliber

Ökonom Mathias Binswanger hat für Mutterkuhbetriebe einen durchschnittlichen Stundenlohn von 4.30 Franken berechnet. Inklusive Direktzahlungen. Sein Fazit: «unfair».

Daniel Salzmann |

«Rapsbauern verdienen 74 Franken pro Stunde, Milchbauern 8 Franken». Diese Schlagzeile in der «Sonntagszeitung» geht auf eine Studie von Wirtschaftsprofessor Mathias Binswanger zurück, die er im Auftrag der Organisation Faire Märkte Schweiz erstellt hat. Die Studie wurde am Sonntag publiziert. Sie beruht auf Vollkostenrechnungen von Agroscope. Die errechneten hohen «effektiven Stundenlöhne» bei gewissen Ackerkulturen relativiert Binswanger selbst: «Ein Bauer kann nicht ausschliesslich vom Zuckerrübenanbau oder vom Rapsanbau leben.»

«Unfaire Preise

In der Tierhaltung sieht es schlechter aus. Für die Milchproduktion nennt Binswanger einen effektiven Stundenlohn von 8.30 Franken für die Jahre 2016 bis 2023. Für die Mutterkuhhaltung ergeben sich nach Binswanger nur 4.30 Franken pro Stunde. Das ist inklusive Direktzahlungen gerechnet, die bei der Mutterkuhhaltung im Schnitt 48% der Erträge ausmachen. Auch hierzu macht Binswanger eine wichtige Bemerkung: «Wir müssen aber berücksichtigen, dass vor allem die Mutterkuhhaltung zu einem überwiegenden Anteil mit anderen Betriebszweigen kombiniert wird oder als Nebenerwerb betrieben wird.»

Nichtsdestotrotz ordnet Binswanger die heutigen Preise für Milch und Mutterkuhfleisch als «unfair» ein. Damit die Betriebe im Schnitt auf über 24 Franken pro Stunde kämen, müsste der Milchpreis bei 1.17 Fr./ kg liegen (statt 66 Rp./kg), und bei der Mutterkuh wären 5391 Franken pro Grossvieheinheit (GVE) nötig (statt 2677 Fr./GVE).

Mutterkuh Schweiz relativiert

Mutterkuh Schweiz verweist auf Anfrage auf eine Statistik von Agroscope, die für die Jahre 2022 bis 2024 einen durchschnittlichen Stundenlohn von 15.23 Franken ergab. Für Milchproduktionsbetriebe steht dort ein Wert von 15.99 Franken. «Der Arbeitsverdienst in der Mutterkuhhaltung ist also ähnlich hoch wie in der Milchproduktion, dafür kann die Arbeit flexibler eingeteilt werden. Dies ist für viele Betriebe ein Hauptgrund für die Umstellung auf Mutterkuhhaltung. Für viele Betriebe ist die Mutterkuhhaltung nach wie vor eine der besten Optionen.»

Hinter den Zahlen von Mutterkuh Schweiz stehen Betriebe, die im Schnitt über 30  Grossvieheinheiten haben (2024: 34,6 GVE). Mathias Binswangers Datengrundlage bezieht sich auf Betriebe, die im Durchschnitt weniger Tiere halten (2024: 25,0 GVE).

-> Hier können Sie die Studie nachlessen

Kommentare (4)

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  • Ketzer | 17.09.2026

    Naja. Dann muss man halt 20h pro Tag arbeiten, dann passt das schon!

  • Bünzli | 17.09.2026
    Diese Jammerei ist einfach nur ätzend.
  • Daniela Nef | 17.09.2026
    Da sieht man wieder,die Bauern werden schamlos ausgenützt. Jetzt wird es Zeit,zu streiken,jetzt oder nie. Autobahnausfahrten und w
    Einfahrten blockieren usw. Sonst gibt es nie eine Besserung. Und Mahnfeuer. Am Besten wäre es,wenn europaweit alle Bauern mitmachen würden, eine ganze Woche lang. Sonst ist es zwecklos. Es kann nicht sein,dass wir nur so wenig berdienen u d ü erall kostet alles viel mehr..Wir haben wirklich genug. Macht Ihr mit?
    • Adi | 17.09.2026
      Also die bauern werden ausgenützt? Wer bekommt sonnst noch so viele Direktzahlungen wie die Landwirte?
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