Sturm im Kornfeld: Krieg und Wetter treiben Weizenpreis

Der Iran-Krieg und die Sperrung der Strasse von Hormus liessen nicht nur den Ölpreis in die Höhe schnellen. Sie wirken sich auch auf andere Anlageklassen aus – zum Beispiel Weizen.

awp |

So stieg der Weizenpreis um gut 30 Prozent seit Jahresbeginn, seit Beginn des Iran-Krieges allein um 15 Prozent. Allerdings spielen für diese Entwicklung neben dem Nahostkonflikt noch viele weitere Faktoren eine Rolle. «Der Weizenpreis wird derzeit von einem ganzen Bündel an ungünstigen Einflussfaktoren bestimmt», sagt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Der wichtigste ist laut einhelliger Meinung das Wetter. Je länger der Nahost-Konflikt aber anhalte, desto stärker rückten Versorgungsengpässe mit Dünger in den Vordergrund.

Wetterkapriolen und Anbauflächen

Doch zunächst zum Wetter: Eine ausgeprägte Trockenheit in den USA aber auch in der Schwarzmeerregion habe bereits die Ernte des Winterweizens betroffen, so Gitzel. Und auch die aktuellen Wachstumsbedingungen seien derzeit ungünstig. Allerdings sei es für verlässliche Prognosen noch zu früh. «In Deutschland und Frankreich regnet es nun, und beide Länder sind für Europa grosse Weizenproduzenten», so der Ökonom.

Die Commerzbank zitiert aus dem neuesten Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA). Demnach hätten sich zuletzt nur noch 28 Prozent der heranwachsenden Pflanzen in gutem bzw. sehr gutem Zustand befunden. «Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres war der Anteil fast doppelt so hoch.»

Ein weiteres Manko sei die geringe Anbaufläche, so die Commerzbank weiter. Denn diese liege gemäss einer Umfrage unter den Landwirten auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 107 Jahren. «Laut USDA soll die US-Weizenproduktion um über 20 Prozent zum Vorjahr fallen», zitiert auch Arthur Jurus von Oddo BHF aus dem Bericht.

Und es könnte wettertechnisch noch schlimmer kommen: Die Experten von WisdomTree bringen eine hohe Chance für ein Auftreten des südamerikanischen Wetterphänomens El Niño ins Spiel. Dieses führe normalerweise zu Turbulenzen bei den Agrarrohstoffen.

Teure Düngemittel durch Iran-Krieg

Und zu all dem kommt der Nahostkonflikt hinzu. Über die Strasse von Hormus wird nicht nur ein nennenswerter Teil der Ölexporte abgewickelt, auch rund 30 Prozent des globalen Handels mit stickstoffbasiertem Dünger läuft über die Meerenge. «Die Blockade hat diese zentrale Lieferkette nun empfindlich gestört, die Preise steigen», erklärt Jurus. Und da Weizen stark düngerintensiv sei, reagieren Landwirte mit einer Reduktion des Düngereinsatzes oder der Anbauflächen, was die Erträge zusätzlich belaste.

Von den hohen Düngerpreisen sind laut Santosh Brivio, Leiter Economic Research der Migros Bank, insbesondere Länder betroffen, die stark von Importen aus dem Persischen Golf abhängen – das seien viele afrikanische Länder, Teile Südasiens, aber auch EU-Länder, die auf die Einfuhr von Ammoniak, Urea oder Vorprodukten angewiesen seien. Weniger unmittelbar betroffen seien hingegen Länder mit eigenen grossen Düngemittelindustrien wie die USA oder Kanada. Gleichwohl würden aber auch dort höhere Kosten für Transport und Vorprodukte die Preise nach oben ziehen.

«Auch Brasilien und weite Teile Lateinamerikas, insbesondere Mexiko, sind stark exponiert, da die Region ihre Landwirtschaft intensiv ausgebaut hat, ohne die eigene Düngemittelproduktion entsprechend zu erhöhen», so Jurus. Bis zu 90 Prozent der Stickstoff-Dünger kämen von aussen.

Spekulationswelle spielt mit

Laut Brivio sind bislang zwar erste Preiswirkungen deutlich sichtbar, globale Ernteausfälle seien aber noch nicht gemeldet worden. «Falls der Konflikt aber mehrere Monate anhält, wären die Erntezyklen 2026/27 gefährdet», so seine Einschätzung. Noch dürfte das Weltangebot aber ausreichend bleiben.

Gleichzeitig hat der Konflikt laut Jurus eine neue Spekulationswelle an den Rohstoffmärkten ausgelöst. «Hedgefonds und institutionelle Investoren bauen verstärkt Long-Positionen in Agrarrohstoffen auf, was die Terminpreise zusätzlich antreibt», sagte der Experte. Sollte der Iran-Krieg und damit die Blockade anhalten, drohe zudem eine deutliche Verschärfung der globalen Nahrungsmittelinflation.

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