
Diese Plakat stösst den Tierschützern sauer auf.
Migros
Das Team von «Werbemist» plant in den nächsten Tagen eine Beschwerde bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK), wie es am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte.
Werbekampagne «zynisch»
Hinter «Werbemist» stehen die Tierschutzorganisationen «Animal Rights Switzerland», «Sentience», die «Stiftung für das Tier im Recht (TIR)» und «Tier im Fokus (TIF)». Die «Sonntagszeitung» hatte zuerst darüber berichtet.
Die Behauptung «Immer aktuell: Tierwohl» aus der Migros-Werbekampagne sei angesichts der gravierenden Tierschutzprobleme der Tierwirtschaft «zynisch». Die Organisationen verwiesen auf schmerzhafte Brustbeinbrüche bei Legehennen oder die CO₂-Betäubung von Schweinen, die zu Erstickungspanik führe. Gemäss «SonntagsZeitung» kritisieren die Tierschützer an der Fleischproduktion generell die industrielle Massentierhaltung.
Importfleisch mit tieferen Standards
Besonders störend empfinden sie, dass die Migros bei Importfleisch nicht mehr die gleichen Standards anwendet wie bei Schweizer Fleisch. «Wenn für importiertes Fleisch die gleichen Tierstandards verlangt werden wie in der Schweiz, klingt das toll. Wenn die Konsumenten Importfleisch aber bei der Konkurrenz kaufen, weil es dort billiger ist, nützt das dem Tierwohl rein gar nichts», sagte Christopher Rohrer, Leiter der Direktion Nachhaltigkeit der Migros, im Mai 2024 zum «SonntagsBlick». Statt schöner Marketingkampagnen wolle man im Hintergrund tatsächlich etwas bewirken.
Trotzdem könne die Migros die Labels «Tierwohl» oder «tierfreundlich» zu Werbezwecken verwenden, denn diese Begriffe seien rechtlich nicht geschützt, so «Werbemist». In der Beschwerde gab die Tierschutzallianz an, der Migros deswegen «Welfare Washing» vorzuwerfen.
Migros weist Vorwürfe zurück
Die Migros wies die Vorwürfe zurück. Tierwohl sei für die Migros ein klarer Auftrag, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von Keystone-SDA mit. Man überprüfe Standards laufend und setze Verbesserungen um. Klar sei aber auch, schrieb die Migros, dass sich Herausforderungen in der Tierhaltung «nur gemeinsam mit Landwirtschaft, Forschung und Behörden» angehen liessen.
Ein erstes Projekt geht die Detailhändlerin bei der Pouletmast an. Das neue «Optigal-Poulet» ist eine langsamer wachsende, robuste Rasse, die IP-Suisse-Kriterien sowie höhere Tierwohlstandards erfülle, berichtet die «Sonntagszeitung» .
Mehr pflanzliche Ernährung gefordert
Die aktuelle Werbekampagne beziehe sich «auf den kontinuierlichen Anspruch, Standards zu überprüfen und weiterzuentwickeln» – nicht darauf, dass es «in der Nutztierhaltung keine offenen Fragen gibt», hält die Migros gegenüber der Zeitung fest.
Die Tierschützer ärgern sich aber nicht nur über die Werbesujets, sondern auch darüber, dass die Migros die pflanzliche Ernährung am Verkaufsregal zu wenig fördert. Die Migros sagt zur «Sonntagszeitung», sie wolle den Anteil pflanzenbasierter Produkte weiter erhöhen. Die Erarbeitung konkreter Ziele und Massnahmen sei in Arbeit.