Das schrieb die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sie bestätigte damit eine Aussage von Energieminister Albert Rösti im «Blick» vom Dienstag.
Auch wenn die Stauseen aktuell unterdurchschnittlich gefüllt seien, verfüge die Schweiz kurzfristig über ausreichend Produktionskapazität, auch um Nachfragespitzen abzudecken. Ausserdem produziere die Photovoltaik bei trockenem, sonnigen Wetter umso mehr. Daneben bestünden weiterhin auch Möglichkeiten für Stromimporte.
Unsicherheit wegen Gas
Die Elcom verwies im Weiteren auf Gaskraftwerke. Diese spielten in Europa eine wichtige Rolle bei der Versorgungssicherheit. Die aktuellen Unsicherheiten im globalen Markt für Flüssiggas (LNG) im Zusammenhang mit der Blockade der Strasse von Hormus schlagen sich daher auch als Risiko für die Stromversorgungssicherheit und bei der Marktpreisentwicklung nieder.
Aufgrund der aktuell relativ tiefen Füllstände der europäischen Gaslager und der vom Iran-Krieg beeinflussten Preisstruktur im Gasmarkt bestünden Unsicherheiten über das Ausmass der Wiederbefüllung der Gaslager bis Anfang des Winters. Ein «Knappheitsszenario» sei nicht zu erwarten – dennoch sei es nicht auszuschliessen. Dafür werden in der Schweiz zusätzlich die Reservekraftwerke sowie die Wasserkraftreserve für unvorhergesehene Ereignisse am Ende des Winters vorgehalten. Die Elcom und andere Stellen des Bundes beobachten die Lage laufend und prüften, ob zusätzliche Massnahmen nötig seien.
Speicherseen weniger gefüllt
Laut Bundesamt für Energie (BFE) produzierten die Schweizer Wasserkraftwerke im Zeitraum von Mai bis Juli 2026 rund 9300 Gigawattstunden (GWh) Strom. Dies steht einem Mittel von rund 12'500 GWh im selben Zeitraum der Jahre 2015 bis 2025 gegenüber. Laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) zeigt sich, dass der Rückgang gegenüber dem langjährigen Mittel erheblich sein wird.
Die geringeren Zuflüsse wirken sich auch auf die Speicherseen aus, die für die Winterversorgung zentral sind. Der Füllungsgrad lag am 20. Juli 2026 bei 51 Prozent, während der Zehnjahresmittelwert für diesen Zeitpunkt bei 65,8 Prozent liegt. Die Differenz entspricht laut BFE einem Energieinhalt von rund 1300 GWh. Zum Vergleich: Der Schweizer Stromverbrauch (Endverbrauch) betrug 2025 (Endverbrauch) 58,0 Terawattstunden (TWh).
Die Stromversorgungssicherheit im Winter hängt gemäss BFE nicht nur von Speicherseen ab. Wichtig seien auch die Verfügbarkeit der Kernkraftwerke in der Schweiz und in Frankreich. Hier gebe es aktuell keine Anzeichen für eine reduzierte Verfügbarkeit im kommenden Winter.
Premiere für KKW Gösgen
Die hohen Wassertemperaturen in den Flüssen beeinträchtigen zudem die Kühlung von Kernkraftwerken. Das Kraftwerk Beznau, das direkt mit Aarewasser (Durchlaufkühlung) gekühlt wird, muss seine Leistung auf bis zu 50 Prozent drosseln, wenn die Wassertemperatur bestimmte Werte übersteigt. Ein vollständiges Herunterfahren ist nur unter mehreren kumulativ erfüllten Bedingungen möglich.
Die Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt AG verfügen über Kühltürme. Für Letzteres besteht eine Ausnahmebewilligung, die auch bei einer Rheintemperatur über 25 Grad die Einleitung von Kühlwasser erlaubt. Für Gösgen gebe es noch keine entsprechende Verfügung. Dort kam es laut BFE dieses Jahr zu einer Premiere: Die Aare erreichte im Juni 2026 erstmals an drei aufeinanderfolgenden Tagen 25 Grad. Das Bundesamt will nun mit den Betreibern und Behörden Massnahmen angesichts weitere Hitzewellen zu erörtern.
Übergangslösung für die Winterreserve
Bei einer allfälligen Strom-Mangellage sollen auch Reservekraftwerke einspringen. Die Verträge der bisherigen Reservekraftwerke Birr AG, Cornaux NE und Monthey VS liefen im Frühling 2026 jedoch aus. Das temporäre Reservekraftwerk Birr wird aktuell zurückgebaut. Die Arbeiten werden Ende 2026 abgeschlossen sein, wie das BFE schrieb.
Das BFE habe deshalb vier zukünftige Reservekraftwerke unter Vertrag genommen, die frühestens ab 2030 zur Verfügung stehen können. Insgesamt sollen 583 MW zur Verfügung stehen. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, sieht das BFE eine Übergangslösung vor, die eine Leistung von insgesamt 386 MW umfasst. Zusätzlich sind 333 MW Notstromgruppen unter Vertrag, deren Einsatzdauer aber begrenzt ist.
