Der September war, abgesehen von einigen Niederschlägen in der ersten Woche, bisher von Hochdruckgebieten geprägt, mit trockenem, sehr sonnigem und für die Jahreszeit deutlich zu warmem Wetter, so das Bundesamt für Meteorolgie und Klimatologie (Meteoschweiz). Der September 2026 könnte somit zu den zehn trockensten dieses Monats zählen oder im gesamten Mittelland sogar den zweiten Platz einnehmen.
Rinder leiden unter Hitzestress
Zu den Hauptbetroffenen der Trockenheit zählen die Tiere. Das Vieh habe nicht nur unter der Hitze, sondern auch unter dem Mangel an Futter gelitten, sagt Bertrand Perritaz, Landwirt und Obstbauer in Villarlod im Kanton Freiburg, im Gespräch mit sda. «Unsere Milchkühe hatten ziemlich viele Probleme beim Kalben», erläutert er. «Die Muttertiere sind nicht gut vorbereitet, sie haben zu sehr gelitten und kleinere Kälber zur Welt gebracht.»
Virginia Markus, Gründerin des Vereins und des Tierheims Co&xister, bestätigt: Für Nutztiere wie Rinder und Schafe seien Dürre und grosse Hitze sehr belastend. «Diese Tiere leiden bereits ab 20 Grad unter Hitzestress», sagt sie. Wenn sich diese Hitzewellen wiederholen, werde sogar der Boden für ihre Haut glühend heiss. Wenn das Gras nur schlecht nachwächst, könne dies dazu führen, dass sie Hautentzündungen entwickeln, fügt sie hinzu. Eine der Aufgaben ihres Tierheims sei es insbesondere, Nutztiere, die zur Schlachtung bestimmt sind, oder misshandelte Tiere aufzunehmen.
Weniger Gruyère produziert
Der Branchenverband «Interprofession du Gruyère» verzeichnet laut seinem Direktor Olivier Isler im Juli und August einen Produktionsrückgang von etwa 13 Prozent der Käsesorte im Vergleich zum Vorjahr. Die Jahresproduktion bleibe dank der guten Ergebnisse zu Jahresbeginn vorerst «relativ stabil». Es dürfte daher über das gesamte Jahr hinweg keinen nennenswerten Rückgang geben, so Isler.
Auf den Feldern des Landwirts Bertrand Perritaz fiel die Getreideernte «ordentlich» aus. Da seine Felder etwas höher lägen, sei der Proteingehalt des Weizens gut. Die Obsternte sei hingegen um 30 Prozent zurückgegangen. Da keine Bewässerung erfolgte, blieben seine Früchte kleiner und fielen vorzeitig ab, insbesondere Äpfel und Birnen. Die Pflaumen hätten die Hitze aber gut vertragen, stellt er überrascht fest.
«2027 darf nicht so verlaufen»
Die Trauben konnten von der Sonne profitieren. Hoch oben in den Weinbergen des Weinguts der Stadt Bern in La Neuveville BE bemerkt der Önologe Hubert Louis: Die Weinlese begann am 13. August, «fast einen Monat früher als üblich». Während die Qualität der Trauben als «hervorragend» eingestuft wird, ist die Menge stark zurückgegangen. Bei einigen Rebsorten habe sich die Ernte um die Hälfte verringert. «Auf 20 Hektaren sind das immerhin 25'000 Liter», schätzt der Winzer.
«Wenn 2027 genauso verläuft wie dieses Jahr, wird das problematisch», mahnt Landwirt Bertrand Perritaz, «dann haben wir unsere Reserven aufgebraucht.» Er rechnet damit, umstrukturieren zu müssen, indem er seinen Viehbestand oder seine Anbauflächen reduziert, um Flächen für Futterpflanzen freizumachen.
Anbaubestimmungen
Eine Einschätzung, die Olivier Isler teilt: Man könne sich nicht leisten, mehrere Jahre solche Sommer zu haben. Sollte dies der Fall sein, müssten laut Isler Gespräche über mögliche Anpassungen stattfinden, insbesondere hinsichtlich der Anbaubestimmungen. Für den Önologen Hubert Louis wäre die Existenzfähigkeit seines Weinguts nach drei bis vier Jahren gefährdet, auch wenn sich die Reben seiner Meinung nach daran gewöhnen und die Trockenheit besser verkraften werden.
Für die Tierschützerin Virginia Markus kommt es nicht in Frage aufzugeben. Man müsse die Landwirtschaft neu denken, betont sie. Sie setze sich für eine Politik ein, welche die Landwirtschaft grüner macht. Für sie sei dies der schnellste und konsequenteste Ansatz. Allerdings sagt sie, dass sie Verständnis für die Schwierigkeiten habe, die Landwirte und Landwirtinnen bei der Umstellung ihrer Praktiken haben. Aber: «Es gibt zwar Veränderungen in den Praktiken, aber die Dinge gehen nicht schnell genug voran», sagt sie.
