Die Beschränkung des Weizenexportes ist kein taugliches Mittel, um steigende Preise für Mehl und Brot zu verhindern. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) über ein Weizenexportverbot Serbiens.
In der wissenschaftlichen Untersuchung fanden die Agrarökonomen Linde Götz, Ivan Djuric und Thomas Glauben heraus, das im Zeitraum des serbischen Exportverbotes für Weizen vonAugust 2007 bis Juni 2008 die von der Politik gewünschten preisdämpfenden Effekte ausblieben.
Im Gegenteil: Den Wissenschaftler zufolge sind die Preise für Weizen, Mehl und Brot in dieser Zeitspanne sogar gestiegen. Der mehrfache Aufkauf von Weizen durch die Regierung, um Vorräte aufzufüllen, sowie Einfuhrbeschränkungen für Weizen mittels einer Importsteuer hätten die inländische Weizennotierung über das Niveau des Weltmarktpreises ansteigen lassen, stellten die Autoren der Studie fest. Zudem habe sich Brot im Beobachtungszeitraum um rund 50% verteuert.
Diese Preisentwicklung lässt sich nach Angaben der Wissenschaftler nicht mit höheren Herstellungskosten erklären. Die grosse Mühlen- und Backindustrie sei von den hohen Marktpreisen für Weizen kaum betroffen gewesen, da sie über eigene Getreidelager verfüge und Weizen bereits während der Ernte zu niedrigeren Preisen eingekauft habe.
Die Mühlen und Bäckereien hätten die hohen Kassapreise dann jedoch geschickt genutzt, um Preissteigerungen bei Mehl und Brot zu begründen und durchzusetzen. Von den Exportbeschränkungen in Serbien hätten demnach nicht die Konsumenten, sondern die Akteure auf den Zwischenstufen der Wertschöpfungskette profitiert, schlussfolgerten die Wissenschaftler.
„Insgesamt hat unsere Analyse gezeigt, dass Exportkontrollen als Instrument zum Schutz vor Nahrungsmittelpreisinflation insbesondere bei Brot höchst fraglich sind“, betonte Mitautorin Götz. Sie forderte aufgrund der globalen Negativwirkungen von Exportbeschränkungen, deren Anwendung im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) multinational zu regeln.