
Das Geld, um Rechnungen zu begleichen, wird knapp.
zvg
Es trifft manchmal schneller ein, als einem lieb ist: Das Geld, um Rechnungen zu begleichen, wird knapp. In einem Jahr wie dem aktuellen kann das auch bei einer guten Planung passieren. Als erste Akutmassnahme hilft hier nur das Gespräch mit den Rechnungsstellern: Die Sachlage offen ansprechen und konkrete Lösungen umsetzen. Bei fast allen Kulturen in der Landwirtschaft weiss man bei der Aussaat noch gar nicht, wie der Preis des Endproduktes sein wird.
10 Rappen weniger für Milch
Die Preisentscheide fallen meist erst kurz vor der Ernte oder wie bei den Zuckerrüben gar erst Monate danach. Dazu kommen monatelange Zahlungsfristen, die in einem Beispiel von Biokartoffeln kürzlich noch länger wurden. Andere, etwa Viehhändler, werben mit einer schnellen Zahlung der Ware. Die Aussichten sind wenig erbaulich. Bei den Zuckerrüben ist für die Ernte 2026 eine Senkung des Grundpreises angekündigt, für die Ernte 2027 gleich noch einmal.
Der Milchpreis ist bei vielen Betrieben 10 Rappen tiefer als vor einem Jahr. Der A-Richtpreis ist bis Ende Jahr vereinbart. Ohne Kraftakt der Milchproduzenten, möglicherweise unterstützt von der Politik, wird sich der Preis nicht nach oben bewegen. Der Grund ist derselbe wie beim Zucker: weitgehend offene Grenzen, sodass Schweizer Qualität jederzeit durch Importware ersetzt werden kann.
Flexibilität zeigen
Zum Gemüsebau meldet Faire Märkte Schweiz (FMS), dass die meisten Betriebe ausserordentliche Mehrkosten von mindestens 25 Prozent hätten. Die ihnen bezahlten Preise seien bisher aber kaum gestiegen, die Lage darum für viele existenzbedrohend. FMS fordert, dass die marktmächtigen Abnehmer Verantwortung übernehmen und die Vollkosten in den von ihnen bezahlten Preisen berücksichtigen.
Betreffend Liquidität fordert der Schweizer Bauernverband die Kreditkassen auf, bei der Rückzahlung der Investitionskredite Flexibilität zu zeigen. Dort aber gibts bei Gesuchen für Neuinvestitionen teils lange Wartezeiten bis zur Auszahlung, da das Geld in deren Kassen ebenfalls knapp ist. Zum Beispiel die Landi Melchnau hat nun reagiert: Raufutterkäufe haben eine Zahlungsfrist von neu sechs Monaten. Das hilft aber nur temporär. Die Situation mildern können nur deutlich höhere Produkterlöse.