Wie Landwirt Rosat mit der Dürre umgeht

Durch die anhaltende Dürre der letzten Wochen verschärft sich die Lage für die Älplerinnen und Älpler in der Schweiz. Einige sind wegen des Mangels an nachwachsendem Gras gezwungen, ins Tal zurückzukehren.

sda |

Für den Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband SAV liegt der Schlüssel langfristig in der vorausschauenden Planung. Ein Gespräch mit ihrem Vizepräsidenten.

Hat noch genügend Wasser

Keystone-SDA trifft Philippe Rosat auf 1254 Metern Höhe, wo sich die Kühe Doucette, Normandie, Glaneuse, Mireille und auch die jüngste von Rosats Kühen, Vanessa, aufhalten. Sie befinden sich seit dem 8. Mai auf der Alp Les Combarins in Rossinière VD – dort, wo sich das Bergpanorama vom Moléson bis zum Glacier des Diablerets erstreckt.

Gegen 8.30 Uhr morgens neigt sich der erste Ausflug der Tiere bereits dem Ende zu. «Sobald die Sonne herauskommt, kommen sie gerne wieder rein», stellt der Landwirt aus dem Pays-d’Enhaut fest, während er seine Tiere zwischendurch streichelt. Der Vizepräsident des SAV weiss sein Glück zu schätzen. Im Gegensatz zu anderen Betrieben in der Region verfügt er über ausreichend grosse Einrichtungen, um seine Tiere unter guten Bedingungen unterzubringen. Wasser, Heu, Belüftung: Im Stall sind die Rinder vor der Hitze, aber auch vor Fliegen und Bremsen geschützt.

Weideland schonen

«Ich bin immer froh zu wissen, dass es meinen Kühen gut geht. Sie werden sehen, in ein paar Minuten liegen sie alle auf dem Stroh!» «Das Einbringen des Viehs ermöglicht es mir auch, Weideland zu schonen, denn die Kühe fressen und trinken mehr, wenn sie draussen sind», fährt er fort. «Ziemlich viele Kollegen mussten wieder auf ihre Hauptbetriebe tiefer im Tal zurückkehren, weil oben kein Gras mehr da ist.»

Das ist eine der Möglichkeiten, die den Landwirten offenstehen – manchmal auf die Gefahr hin, die AOP-Bezeichnung ihrer Produktion zu gefährden. Der Etivaz, ein Kultkäse aus den Waadtländer Voralpen, darf beispielsweise nur während der Sömmerungszeit auf der Alp hergestellt werden.

Handeln in der Not

Für die Viehzüchter ist es dank einer kantonalen Ausnahmeregelung zudem möglich, Futter von ihrem Hof auf die Alp zu bringen. «Da das Gras nicht nachwächst, ist eine der wenigen Möglichkeiten, die Tiere schnell zu füttern, auf unsere Wintervorräte zurückzugreifen», betont der Waadtländer. Eine solche Massnahme könnte jedoch später Konsequenzen haben, da möglicherweise Futter nachgekauft werden müsste.

«All diese Alpweiden sind ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Kantone und alle Bauernfamilien, die dort arbeiten», fährt Philippe Rosat fort. «Wir müssen versuchen, über andere Systeme nachzudenken, damit das Vieh weiterhin weiden kann, denn dies ist ein unverzichtbares Kulturerbe.» Die Alpsaison wurde 2023 in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen.

Zisternen

Zu neuen Systemen mangelt es Philippe Rosat nicht an Ideen. Ein paar hundert Meter oberhalb seiner Alphütte hat der Mann, den man gerne «Pipo» nennt, zwei Zisternen zur Wasserversorgung installiert. Darin lassen sich mehr als 50'000 Liter speichern. «So bleibe ich über Wasser», sagt er und amüsiert sich über den treffenden Ausdruck. «Ohne meinen Vorrat wäre ich aufgeschmissen!»

Der Bedarf des Landwirts an «blauem Gold» für seine Alp und sein Vieh beläuft sich auf 4000 Liter pro Tag. «Und dabei stelle ich noch nicht einmal Käse her.» Für den Vizepräsidenten des Alpwirtschaftsverbands geht es darum, die Vorschriften für den Bau neuer Infrastrukturen wie Zisternen zu vereinfachen. Denn Dürre- und Hitzewellen nehmen zu: «Die einzige Lösung besteht darin, die Dinge neu zu überdenken, Vorräte anzulegen und vorausschauend zu handeln.»

Landwirtschaft betrifft alle

Rosat arbeitet an einem Projekt zur Umnutzung alter Heizöl- oder Apfelsafttanks. Durch deren Umbau hofft er, die Installationskosten zu senken und die Abläufe zu vereinfachen. Im weiteren Sinne möchte der «Pétolet» – so werden die Einwohner von Rossinière genannt – darauf aufmerksam machen, dass ein ganzes System vom reibungslosen Ablauf der landwirtschaftlichen Prozesse abhängt.

«Die Alp sichert den Lebensunterhalt von Landwirten, Käseherstellern, Käsereifern usw. Viele Menschen sind von unseren 40'000 Bauern in der Schweiz abhängig.» Derzeit zeigen sich er und viele andere Schweizer Produzenten geduldig. «Wir hoffen, dass Mutter Natur uns ein wenig Regen schenkt. Sobald es regnet, wird das Gras so hoch sein», freut sich Philippe Rosat und hält dabei einen Abstand von 15 Zentimetern zwischen seinen beiden Händen.

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