Junglandwirte zur AP30+: «Fehlt der Mut?»

Die Agrarpolitik ab 2030 droht aus Sicht der Junglandwirtekommission der Schweiz (Jula) ihre zentralen Ziele zu verfehlen. Wichtige Anliegen der jungen Generation seien im Verlauf der Diskussionen zunehmend verwässert worden. Die Jula fordert einen konsequenten Systemwechsel mit klaren Verbesserungen für die Betriebe.

pd/clu |

Die Junglandwirtekommission der Schweiz (Jula) hat sich seit Beginn weg in die Diskussionen rund um die künftige Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) eingebracht. In einer Begleitgruppe hat sie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) beraten. Man «begrüsse diesen Einbezug der nächsten Generation ausdrücklich», wie die Organisation in ihrer neusten Mittelung schreibt.

Tragbare Arbeitsbelastungen

Aktuell arbeitet das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) im Auftrag des Bundesrats an einem Vorschlag für die Zahlungsrahmen 2030–2033 der Landwirtschaft. Die entsprechende Vernehmlassungsvorlage soll bis zum dritten Quartal 2026 vorliegen

Diese Frist nutzte auch die Jula für ein weiteres Gespräch mit dem BLW, das für die fachliche Ausarbeitung der Vernehmlassungsvorlage zuständig ist. Es ging laut der Jula darum auch darum zentrale Anliegen nochmals zu bekräftigen. Ziel sei ein mutiger Systemwechsel hin zu stabilen Rahmenbedingungen, mehr Planungssicherheit und Innovation auf den Betrieben.

Gleichzeitig fordert die Organisation «angemessenen Einkommen und tragbaren Arbeitsbelastungen in allen Regionen». Zugunsten einer gesteigerten Wertschöpfung soll auch das Spannungsfeld zwischen Markt und Politik reduziert werden.

Tendenz zu mehr Überwachung

«Wir mussten im Verlauf der Diskussionen mit dem BLW aber feststellen, dass zentrale Anliegen zunehmend weniger berücksichtigt werden», wie die Organisation schreibt. Zwar werde die Digitalisierung als Chance erkannt, der angestrebte Wechsel von einer massnahmen- hin zu einer ergebnisorientierten Ausrichtung werde jedoch nur unzureichend verfolgt.

Statt einer echten Entlastung der Betriebe zeichne sich vielmehr eine Tendenz zu mehr Überwachung und vereinfachten Kontrollen ab, so die Jula. Zudem bleibe aus Sicht der Organisation unklar, wie die einheimische Produktion konkret gestärkt werden soll.

Absatz von Schweizer Produkten stärken

Die Jula unterstützt grundsätzlich den Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette. Die bisherigen Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel hätten jedoch nicht die gewünschte Wirkung gezeigt, heisst es in der Mitteilung. Insbesondere die ökonomische Nachhaltigkeit werde dabei nicht berücksichtigt. Die Jula erwartet vom Detailhandel, dass er seine Verantwortung wahrnimmt und den Absatz von Schweizer Produkten aktiv stärkt.

Mit einem zusätzlichen Brief an den Detailhandel sowie Treffen auf einem Bauernhof will die Jula den Dialog mit der Branche intensivieren, schreibt die Organisation. Ein zentraler Hebel liegt aus ihrer sich beim Grenzschutz. Dieser müsse gezielt gestärkt werden, um sowohl den Bundeshaushalt zu entlasten als auch die Absatzmöglichkeiten für Schweizer Produkte zu verbessern. «Eine reine Produktionsförderung greift zu kurz, wenn Verarbeitung und Absatz nicht gesichert sind», so die Meinung der Jula.

«Wir bleiben zuversichtlich»

Die Jula anerkennt die Herausforderungen bei der Hofnachfolge und sieht sich nicht als privilegierte Junglandwirte. Die Erhöhung der Altersgrenze auf 40 Jahre für die Starthilfe im Rahmen der Motion Baumann lehne man jedoch ab, da sie Hofübergaben weiter verzögern könnte, heisst es weiter in der Mitteilung. Stattdessen fordert die Jula gezielte Anpassungen bei der Besteuerung des Verkehrswerts.

Abschliessend fordert sie den Einkommensvergleich anhand des Median-Arbeitsverdienstes in der Landwirtschaft im Vergleich zum Median-Lohn des zweiten und dritten Sektors. Andere Vergleichsgrössen seien weder wissenschaftlich noch objektiv, schreibt die Jula.

«Wir bleiben zuversichtlich, dass das BLW in der Ausarbeitung unsere Anliegen anerkennt und möglichst gut berücksichtigen wird», so die Organisation.

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