
FarmInsect wurde 2020 gegründet und verkauft automatisierte Mastanlagen für die Aufzucht von Larven der Schwarzen Soldatenfliege.
Jonas Ingold
Die Insektenproduktion wird sich auch in Deutschland in absehbarer Zeit nicht aus ihrem Nischendasein befreien können. Die Branche muss einen Dämpfer hinnehmen: Die FarmInsect GmbH hat ein Insolvenzverfahren eingeleitet.
Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Alexander Zarzitzky mitteilte, ist die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens auf das schwierige Marktumfeld durch niedrige Preise für Soja und Fischmehl zurückzuführen. Auch die hohen Produktionskosten seien ein Faktor gewesen. Laut Zarzitzky gab es zudem eine Verzögerung bei der Auszahlung einer vereinbarten Finanzierungstranche. Die in der Folge entstandene Liquiditätslücke habe einen Insolvenzantrag «unumgänglich» gemacht.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters wird der Geschäftsbetrieb bei FarmInsect ohne Einschränkung fortgeführt, die Gehälter der Mitarbeiter sollen gesichert sein.
Hoffnung auf Sanierung und Investoren
Die Perspektiven sind nach Einschätzung von Zarzitzky gut. «Aufgrund der technologischen Reife und der validierten Marktpositionierung sind die Aussichten für die Sanierung im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses äusserst positiv», so der Jurist. Das Unternehmen stehe kurz davor, Kostenparität zu herkömmlichem Fischmehl zu erreichen und plane eine «massive Expansion» in den US-Markt für Heimtier- und Geflügelfutter.
Laut Zarzitzky wurden bereits erste Gespräche mit interessierten Investoren geführt. Ziel sei es, das Unternehmen unter dem Dach eines starken strategischen Partners langfristig zu stabilisieren und die Arbeitsplätze am Standort Bergkirchen zu erhalten.
Geschäftsmodell und Finanzierung
FarmInsect wurde 2020 gegründet und verkauft automatisierte Mastanlagen für die Aufzucht von Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Das Konzept sieht vor, dass landwirtschaftliche Betriebe Reststoffe als Futter für die Larven nutzen und diese wiederum als Proteinfutter verwenden.
Nach Angaben der Insolvenzverwaltung wurden seit der Gründung des Unternehmens rund 16,2 Mio. Euro (ca. 15,6 Mio. Franken) in die Entwicklung investiert. Neben Eigenkapital waren auch Investoren ins Boot geholt worden. 2022 war das Unternehmen vom Europäischen Innovationsrat (EIC) für eine Förderung in Höhe von 2,5 Mio. Euro (ca. 2,4 Mio. Franken) ausgewählt worden. 2023 waren im Rahmen einer Finanzierungsrunde 8,0 Mio. Euro (ca. 7,7 Mio. Franken) eingeworben worden.