
Wenn Futterfläche und Tierhaltung für Jahrzehnte gesichert sind, können Hochsilos eine interessante Lösung als Futterlager sein.
Anine Hungerbühler
Am Anfang steht ein Bild, das viele Schweizer Bauernhöfe geprägt hat: ein runder Turm neben dem Stall, oben befüllt, daneben die Leiter, die Rohre und die Entnahmetechnik. Das Hochsilo war über Jahrzehnte ein Symbol für moderne Futterkonservierung. Später wurde es vielerorts vom Fahrsilo und von der Ballensilage verdrängt.
Die Gründe waren klar: grössere Betriebe, leistungsfähigere Erntetechnik, mehr Frontlader- und Mischwageneinsatz, einfachere Kontrolle der Anschnittfläche. Trotzdem ist das Hochsilo nicht verschwunden. Im Gegenteil: Auf Betrieben mit wenig Platz, steilem Gelände, hoher Futterhygiene, automatisierter Fütterung oder beschränkter Arbeitszeit kann es wieder sehr gut in die Strategie passen.
Bewährte Technik
Historisch ist das Silo älter als die moderne Milchviehfütterung. Landwirtschaftliche Hochsilos wurden vor allem in Nordamerika früh zum Symbol der Milchviehhaltung. In den USA entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert viele Turmsilos, teils als zentrale Futterachse in Rundställen. Dort ging es schon damals um kurze Wege, geschützte Lagerung und eine arbeitssparende Futtervorlage. In Europa verbreiteten sich Hochsilos später ebenfalls, zuerst für Grünfutter und Mais.
Für den Milchviehbetrieb ist aber nicht die Höhe das Entscheidende, sondern der tägliche Vorschub. Ein Hochsilo funktioniert nur dann gut, wenn jeden Tag genügend Futter entnommen wird. Die Anschnittfläche muss zur Tierzahl passen. Wird der Durchmesser zu gross gewählt, bleibt die Oberfläche zu lange offen, Sauerstoff dringt ein, Nacherwärmung und Schimmelrisiko steigen.
Wird das Silo zu klein oder zu tief geplant, fehlt Lagerraum, oder die Befüllung wird umständlich. Die Dimensionierung beginnt deshalb nicht beim Prospekt des Anbieters, sondern bei der Ration: Wie viele Kühe werden gefüttert? Wie viele Kilogramm Trockenmasse pro Kuh und Tag kommen tatsächlich aus dem Hochsilo?
Material entscheidet
Das Material entscheidet nicht allein über die Lebensdauer. Wichtiger ist die Kombination aus Futter, Säuren, Dichtungen, Wandoberfläche und Service. Grassilage und Maissilage bilden organische Säuren. Jede Undichtigkeit, jede beschädigte Beschichtung, jede defekte Fuge und jede poröse Dichtung kann langfristig zum Problem werden.

Hochsilo mit Zwischenpodesten beim Aufstieg
BUL
Bei GFK-Silos ist auf Risse, UV-Alterung, Wandstärke, Anschlüsse und Durchführungen zu achten. Bei Stahlsegment-Silos stehen Korrosionsschutz, Emailschäden, Schraubverbindungen, Dichtbänder und Fundamentanschluss im Fokus. Bei Betonsilos sind Säureschutz, Risse, Innenbeschichtung und Fugen entscheidend.
-> Hochsilo: Das richtige Material finden
Es muss nicht neu sein
Ein gebrauchtes Hochsilo kann deshalb interessant sein, wenn der Behälter wirklich gut erhalten ist und die Entnahmetechnik passt. Es kann aber teuer werden, wenn Demontage, Transport, neues Fundament, neue Dichtungen, neue Fräse, Elektroinstallation, Absturzsicherung und Servicearbeiten dazukommen. Der Kaufpreis des gebrauchten Silos ist nur ein Teil der Rechnung.
Die Kostenfrage sollte deshalb als Systemrechnung gestellt werden. Ein neues Hochsilo besteht nicht nur aus dem eigentlichen Behälter. Hinzu kommen Fundament, Statik, Zufahrt für Montage und Befüllung, Einblas- oder Förderleitungen, Entnahmetechnik, Steuerung, Elektroanschluss, Sicherheitseinrichtungen, eventuell Podeste, Leitern, Geländer, Serviceverträge und bauliche Anpassungen am Stall. An all das muss man denken.
-> Hochsilo: Der passende Durchmesser für Topqualität
Entnahmetechnik als Herzstück
Die Entnahmetechnik ist das Herzstück. Klassisch arbeitet das Hochsilo mit Oben- oder Untenentnahme, Silofräse, Schnecken, Gebläse oder Förderband. Für Milchviehbetriebe ist entscheidend, wie das Futter später in die Ration gelangt. Wird direkt in den Futtergang gefördert? Geht sie in einen stationären Mischer, in einen Futtermischwagen oder in ein automatisches Fütterungssystem?

Innenansicht eines emaillierten Hochsilos.
Ruedi Haudenschild
Die Futterqualität ist der stärkste Pluspunkt des Hochsilos, wenn alles passt. Das Futter ist geschützt vor Regen, Schnee, Vögeln, Wildtieren und mechanischer Beschädigung der Abdeckung. Die Oberfläche ist klein im Verhältnis zum Volumen. Es gibt keine Reifen, keine Sandsäcke und weniger Folienarbeit. Das kann Verluste senken und Arbeit sparen. Gleichzeitig verzeiht das Hochsilo weniger Fehler bei der Planung.
Wird zu wenig entnommen, kippt der Vorteil. Wird zu nass eingefüllt, können Sickersaft und Fehlgärungen zum Problem werden. Wird zu trocken und zu lang gehäckselt, steigt das Risiko von schlechter Verdichtung und technischer Störung.
-> Vorsicht bei der Arbeit auf oder im Silo
Die grosse Hürde
Bei der Baubewilligung wird das Hochsilo schnell zum raumplanerischen Thema. Ein Hochsilo ist wegen Höhe, Silhouette, Landschaftsbild, Grenzabständen, Gewässerschutz, Fundation und Erschliessung praktisch nie ein beiläufiges Nebenobjekt. Eine frühzeitige Abklärung mit Gemeinde, Kanton, landwirtschaftlicher Beratung und Anbieter ist deshalb Pflicht. Für viele Betriebe ist das aktuell die grösste Hürde.