Hohe Kauf- und Pachtpreise wirken zweischneidig

Pacht übersteigt oft die GrundrenteLead: Bei rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Deutschland liegt die langfristige Grundrente unter den Pachtkosten. Dennoch sehen Forschende des Thünen-Instituts keinen Anlass für staatliche Eingriffe oder einen Pachtpreisdeckel.

AgE |

Rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Deutschland erwirtschaften langfristig eine Grundrente unterhalb des Pachtzinses. Der Faktor Boden kann in diesen Unternehmen somit nicht vollständig oder gar nicht entlohnt werden. Demgegenüber steht eine erfolgreiche Spitzengruppe von 40 Pozent der Höfe, deren Grundrente auf lange Sicht über den Pachtkosten liegt.

Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft in Braunschweig, für die ein Team um Heiko Hansen Daten des Testbetriebsnetzes aus den Wirtschaftsjahren 2008/09 bis 2022/23 ausgewertet hat. Die Untersuchung beschränkt sich auf Haupterwerbsbetriebe in den Rechtsformen der Einzelunternehmen und Personengesellschaften; juristische Personen blieben unberücksichtigt.

Erfolgreiche Betriebe prägen den Pachtmarkt

Laut den Studienautoren wird der Pachtmarkt massgeblich von den erfolgreicheren 40 Prozent der Betriebe geprägt. Diese verfügten über ein starkes Management und trieben aufgrund ihrer hohen Zahlungsbereitschaft und ihrer Ausrichtung auf betriebliches Wachstum das Preisniveau. Zudem greifen laut der Studie deutliche Skaleneffekte: Mit steigender Betriebsfläche oder Tierzahl wächst demnach tendenziell auch die Grundrente. Während spezialisierte Ackerbaubetriebe wegen des hohen Pachtanteils an den Gesamtaufwendungen besonders sensibel auf Preissteigerungen reagierten, erwiesen sich Veredelungs- und Sonderkulturbetriebe dank einer höheren Wertschöpfung je Fläche als deutlich resilienter.

Besonders kritisch ist die Situation laut der Thünen-Studie für das Viertel der am wenigsten erfolgreichen Betriebe. Bei den unteren 25 Prozent lag die Grundrente im Untersuchungszeitraum im Durchschnitt bei weniger als minus 430 Euro (-403 Franken) je Hektare. Ein negativer Wert bedeutet zwar nicht zwingend ein negatives Einkommen, allerdings reicht der Gewinn langfristig nicht aus, um die kalkulatorischen Kosten für Eigenkapital, Eigentumsflächen und familieneigene Arbeitskräfte zu decken. Viele dieser wirtschaftlich schwächeren Betriebe meiden den Pachtwettbewerb, verlängern Verträge nur bei stabilen Preisen und bereiten sich tendenziell auf den Ausstieg aus der Landwirtschaft vor.

Grundrenten schwanken deutlich

Anders als die über die Jahre kontinuierlich steigenden Pachten unterliegt die jährliche Grundrente den Studienautoren zufolge starken Schwankungen – abhängig von Erntemengen, Marktpreisen und den Kosten für Betriebsmittel. Innerhalb des 15-jährigen Untersuchungszeitraums betrug die Spanne etwa 730 Euro (684 Franken) – vom Tiefpunkt im Wirtschaftsjahr 2009/10 mit 44 Euro (41 Franken) bis zum Höchstwert von 773 Euro (724 Franken) im Jahr 2022/23.

Als arithmetisches Mittel über alle Betriebe lag die Grundrente in elf der 15 Jahre teils deutlich unter den Pachtaufwendungen, in nur vier Jahren darüber. Die Experten betonen jedoch, dass die ermittelte Grundrente stark von den kalkulatorischen Annahmen abhängt: Je niedriger der gewählte Zins- und Lohnansatz, desto höher fällt die rechnerische Zahlungsfähigkeit für die Bodenpacht aus.

Kein Bedarf für einen Pachtpreisdeckel

Agrarstrukturell wirken hohe Kauf- und Pachtpreise für Boden den Studienautoren zufolge zweischneidig. Einerseits beschleunigen sie den Strukturwandel, da sie weniger erfolgreichen Betrieben den Anreiz bieten, Eigentumsflächen gewinnbringend zu verkaufen oder zu verpachten. Andererseits bremsen sie den Prozess, weil steigende Bodenwerte das Vermögen von Betrieben mit hohem Eigenlandanteil erhöhen. Höhere Beleihungswerte verbessern den Kapitalzugang und sichern auch rentabilitätsschwachen Höfen vorerst Liquidität.

Eine Notwendigkeit für staatliche Eingriffe oder einen Pachtpreisdeckel leitet das Forscherteam um Agrarökonom Hansen aus den Analysen ausdrücklich nicht ab. Gesetzliche Obergrenzen würden den Strukturwandel nicht stoppen, sondern lediglich den bürokratischen Aufwand erhöhen. Da die markanten Leistungsunterschiede im Management bestehen blieben, würde der knappe Boden auch bei regulierten Preisen langfristig an die erfolgreicheren Betriebe übergehen.

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