Leben und arbeiten dort, wo viele sehnsüchtig in der Freizeit hochwandern: Doch warum fällt es immer schwerer, qualifiziertes Personal zu finden? Und weshalb kehren viele erfahrene Älplerinnen und Älpler nicht mehr auf eine Alp zurück? Diesen Fragen sind die Forschenden der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) gemeinsam mit dem Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) in einer Studie nachgegangen. Grundlage bilden eine Umfrage unter Alppersonal mit 360 Teilnehmenden sowie vertiefende Interviews.
Jedes Jahr bewirtschaften rund 17'000 Älplerinnen und Älpler etwa 6500 Sömmerungsbetriebe, wie die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften der Berner Fachhochschule weiter schreibt. Zunehmend sei es aber schwierig, Personal zu finden, insbesondere für qualifizierte Tätigkeiten in der Tierhaltung und Käseproduktion.
Hybride Lebensform
«Wer mehrere Monate im Jahr auf der Alp arbeitet, muss für den Rest des Jahres tragfähige Lösungen finden – beruflich wie privat», wird Mitautorin Sandra Contzen in einer Mitteilung vom Montag zitiert. Mit zunehmender Lebensverantwortung werde diese hybride Lebensform immer schwieriger, kam die Studie der Hafl zum Schluss. Hinzu kommt gemäss Studie, dass ein Leben auf der Alp in gewissen sozialen Milieus noch immer als eine Art «Aussteigertum» wahrgenommen wird. Diese Faktoren erschweren gemäss Contzen eine Rückkehr.
Entscheidend für die Rückkehr auf die Alp seien aber auch die dortigen Bedingungen. «Ob das Personal zurückkehrt, hängt auch davon ab, wie die Arbeit organisiert ist. Die Anstellungsbedingungen, die Arbeitsorganisation und das Personalmanagement sind drei relevante Ursachen, dass frühere Angestellte nicht mehr auf die Alpen gehen», erklärt Alexander Röösli, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hafl und ebenfalls Mitautor der Studie. Wichtig seien den Angestellten – neben angemessenen Löhnen – Wertschätzung, Planungssicherheit, transparente Kommunikation und eine professionelle Führung.
Mehr Anerkennung für Kompetenzen
Fehlende Kontinuität beim Personals hat für die Alpbetriebe Folgen. Häufige Personalwechsel führen gemäss Studie zu Wissensverlusten, was die effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen zusätzlich erschwert.
Die Studie schlägt deshalb Massnahmen vor. Ein zentraler Hebel liegt im Übergang zwischen Alpsaison und Tal. «Für viele entscheidet sich hier die Rückkehrfrage. Es braucht einerseits bessere Vermittlungsangebote, andererseits eine stärkere Anerkennung der auf der Alp erworbenen Kompetenzen», fasst Contzen zusammen. Sie spricht hier die Alpwirtschaftsbranche an - Vorlagen von Arbeitszeugnissen und andere Dokumente für die Alpverantwortlichen könnten dabei helfen. Ebenso zentral ist es gemäss Studie, Alparbeit als qualifizierte Berufserfahrung sichtbar zu machen, damit sie auch ausserhalb der Alpwirtschaft am Arbeitsmarkt zählt – etwa über Arbeitszeugnisse und anerkannte Qualifizierungswege.
Weiterbildungen
Ausserdem werden bei den Sömmerungsbetrieben Verbesserungen vorgeschlagen. Investitionen in Infrastruktur bleiben wichtig, sie reichen jedoch nicht aus. Wichtig sei, wie die Arbeit organisiert und das Personal geführt wird. «Mit einer lösungsorientierten Kommunikation, die gegenseitige Bedürfnisse berücksichtigt, lassen sich viele Herausforderungen proaktiv angehen. Gezielte Weiterbildungen können Alpverantwortliche in solchen Personalführungsthemen unterstützen», so Röösli.
Ob die Sömmerungsbetriebe weiterhin auf Helfer zählen kann, entscheidet sich gemäss Studie nicht auf nur auf den Alpen: «Gefragt sind Rahmenbedingungen, die der anspruchsvollen Arbeit des Alppersonals ebenso gerecht werden wie den Anforderungen von Familie, Beruf und Leben im Tal», hält Contzen fest.
