
Toni (r.) und Daniel Peterhans bieten ihren Holsteinkühen im neuen Stall ein stressfreies Leben
Adrian Haldimann
Toni Peterhans aus Fislisbach AG ist schweizweit vor allem als Milchleistungsprofi bekannt. Wissbegierige junge Milchviehhalter holen sich beim Meisterzüchter aus dem Jahr 2020 regelmässig Rat und Tipps. Mit einem letztjährigen Milchleistungsschnitt von 13’740 kg Milch in der Standardlaktation gehört sein Betrieb bei Holstein Switzerland zu den Top 5 der höchsten Betriebsdurchschnitte.
Die letzte Milchkontrolle von Anfang Mai ist eindrücklich: 32 Kühe, darunter 18 Erstmelkkühe, leisteten im Schnitt 44,3 kg Milch bei 3,91 Prozent Fett und 3,34 Prozent Eiweiss und einer Zellzahl von 32'000.
14er-Melkstand mit Frontaustrieb
Nun hat der 64-Jährige zusammen mit seinem Sohn Daniel Peterhans dem Betriebszweig Milchwirtschaft ein Ja für die nächsten Jahrzehnte gegeben – mit einem topmodernen Laufstall, der in zwei Wochen am Tag der offenen Tür zahlreiche Interessierte anziehen dürfte. Peterhans, ein ausgesprochener «Chrampfer», übernahm 1991 von seinem Vater einen 19-ha-Betrieb und entwickelte diesen eindrücklich weiter. Heute bewirtschaftet die Familie 62 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und investierte in den vergangenen Jahren über eine Million Franken in Landwirtschaftsland. «Ich konnte nie Bauland verkaufen», betont Peterhans. «Ich nahm aber auch nie zwei Wochen Ferien.»

Toni Peterhans bereitet das Melken vor.
Adrian Haldimann
Bis vor kurzem standen die Holsteinkühe noch im Anbindestall, heute befindet sich auf dem Betrieb ein neuer Laufstall für rund 60 Milchkühe. Der Betrieb Peterhans ruht auf vier Standbeinen: Milchproduktion und Holsteinzucht, Ackerbau, Lohnarbeit sowie Stromproduktion mit Photovoltaik und Batteriespeicher. Das Jungvieh bleibt auf dem Betrieb und ist im umgebauten alten Stall untergebracht. Gemolken wird in einem 14er-Melkstand mit Frontaustrieb. Zukünftig sollen im neuen Stall jährlich bis zu 700’000 kg Milch produziert werden, die an die Mittelland Milch geliefert werden.
Vier Standbeine sorgen für Stabilität
Der Ackerbau ist intensiv. Angebaut werden unter anderem Mais, Weizen, Buschbohnen, Drescherbsen, Zuckermais und Zuckerrüben. Die Lohnarbeit betreibt Peterhans bewusst mit Maschinen, die auf dem eigenen Betrieb ohnehin im Einsatz stehen. Dazu gehören Silieren mit dem Ladewagen, Güllefahren, Säen, Kalkstreuen sowie der Transport von Futtermitteln. Rund 10’000 m³ Silage und Heu, 13’000 m³ Gülle, etwa 1800 Maisballen und rund 2000 m³ loser Mais werden so jährlich transportiert. Personell ist der Betrieb schlank organisiert: Toni Peterhans, Sohn Daniel, ein Hilfsarbeiter aus Rumänien und punktuelle Mithilfe aus der Familie und von Kollegen stemmen die Arbeit weitgehend selbst.

Der neue Stall von Toni Peterhans in Fislisbach AG. Ein weiteres Standbein ist die Stromproduktion.
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Ein weiteres Standbein ist die Stromproduktion. Bereits 2009 installierte Peterhans die erste Photovoltaikanlage auf dem Süddach. 2024 kamen Nord- und Westdächer dazu. Heute sind total rund 370 kWp installiert. Seit Juni 2025 verfügt der Betrieb zudem über einen Batteriespeicher mit 215 kWh Kapazität. «Ein Solardach ohne Batterie würde ich heute nicht mehr bauen», sagt Peterhans. Ziel sei, möglichst viel Eigenstrom selbst zu nutzen. Im Sommer funktioniere dies problemlos, im Winter hingegen nicht während jeder Wetterphase.
An den Milchkühen festhalten
Die Kühe waren über Jahrzehnte ein Motor für die Entwicklung des Betriebs. Mit ihnen wurde Geld verdient, Land gekauft, Maschinen angeschafft und der Betrieb ausgebaut. Gleichzeitig war der alte Anbindestall arbeitswirtschaftlich und baulich am Limit. Zudem erfüllte der Stall die Anforderungen des Grünen Teppichs nicht mehr, weil er nicht am Raus-Programm (regemässiger Auslauf ins Freie) teilnahm.
Für Toni Peterhans stand deshalb die Frage im Raum, ob man mit der Milchproduktion aufhören sollte. Für Sohn Daniel war das jedoch keine Option. Der 34-Jährige arbeitet gerne mit Kühen, hat die Meisterprüfung absolviert und besamt die Tiere seit mehreren Jahren selbst. «Wenn einer diese Leidenschaft hat, kannst du nicht einfach sagen: Wir hören mit den Kühen auf», sagt Toni Peterhans.
Der Entscheid zum Neubau fiel Ende 2023. Im Juni 2024 wurde das Baugesuch eingereicht, im März 2025 lag die Baubewilligung vor, am vergangenen 10. November 2025 wurde eingestallt.
Rund 40’000 Franken pro Kuhplatz investiert
Investiert wurde entsprechend grosszügig. Pro Kuhplatz flossen rund 40’000 Franken in den Neubau. Toni Peterhans spricht deshalb bewusst nicht von einer Minimalvariante. «Aus dem einfachen Laufstall wurde fast die Mercedes-Variante», sagt er rückblickend. Gerade bei Licht, Luft, Laufkomfort und den Böden wollte die Familie keine Kompromisse eingehen.

Pro Kuhplatz flossen rund 40’000 Franken in den Neubau.
Adrian Haldimann
Pius Bucher von der Krieger AG, der den Stallbau fachlich begleitete, sieht neben den Finanzen vor allem das Fachwissen der Betriebsleiter als entscheidend. Der Betrieb Peterhans laufe nicht auf durchschnittlichem Niveau, sondern auf Spitzenniveau. «Das Fachwissen der Betriebsleiter ist eine Schlüsselfrage», sagt Bucher. Wer einen Stall für Hochleistungskühe baue, müsse die Bedürfnisse der Tiere kennen und das Gebäude darauf abstimmen. Gebaut wurde deshalb keine möglichst billige Hülle, sondern ein Stall, der konsequent auf die Bedürfnisse der Kühe ausgerichtet ist. Peterhans sagt: «Günstig ist ein schlechter Ratgeber, wenn man Kühe halten und Milch produzieren will.»
Grosszügige Stallmasse gegen Stress
Die Stallmasse zeigen diese Philosophie deutlich. Der Fressgang ist 5 m breit, der Laufgang 3,5 m. Die gegenständigen Liegeboxen weisen ein Gesamtmass von 7,20 m auf. Die Boxenbreite beträgt 1,36 m, im Licht 1,30 m. Für Pius Bucher sind diese grosszügigen Masse zentral. Man könne das als Luxus betrachten, sagt er. Die Tiere spiegelten den zusätzlichen Platz aber unmittelbar zurück. Im Stall herrsche Ruhe, die Kühe könnten ausweichen und hätten deutlich weniger Stress.

Blick in den grosszügigen Milchviehstall von Toni Peterhans.
Adrian Haldimann
Stress ist für Toni Peterhans ein Leistungsvernichter. Besonders wichtig ist ihm deshalb der Kuhverkehr. Rinder laufen früh mit den Kühen mit und lernen die Abläufe kennen. «Eine Kuh muss entspannt laufen können», sagt er. Wenn sie nicht gut laufe, fresse sie weniger – und damit sinke letztlich auch die Milchleistung.
Fokus auf trockene Böden und gute Luft
Ein Schwerpunkt war der Boden. Im Stall liegen Spaltenböden mit Gummiauflage und Rillen, damit Flüssigkeit rasch abfliesst. Ein Reinigungsroboter sorgt für saubere Laufgänge. «Saubere Böden heissen gesunde Klauen», sagt Peterhans. Nach dem Klauenschneiden von rund 40 Kühen gab es keinen Mortellaro-Fall, keinen Verband und keine abgesprengte Wand.
Auch die Lüftung wurde bewusst geplant. Der Stall ist offen gebaut, kann bei Schlagwetter aber mit regulierbaren Wandsystemen geschlossen werden. Ziel sind viel Luft, viel Licht und ein trockenes Stallklima. Curtains wurden nachträglich in die Planung aufgenommen. «Sonst ist bei schlechtem Wetter alles gefroren», sagt Peterhans.
Liegeboxen als Knacknuss
Besonders intensiv diskutiert wurden die Liegeboxen. Reine Hochboxen waren für Peterhans keine Option, klassische Tiefboxen wiederum überzeugten arbeitswirtschaftlich nicht. Entstanden ist deshalb eine Zwischenlösung, die bisher einzigartig ist: ein Krieger-Soft-Clean-Liegenest mit Matte und Einstreu.

Die Kühe liegen auf einer Kombination aus Matte und Dinkelspelzen-Pellets.
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Die Kühe liegen auf einer Kombination aus Matte und Dinkelspelzen-Pellets. Die Box weist rund 3 % Gefälle auf und besitzt hinten einen Absatz von 18 cm. Die Pellets saugen Feuchtigkeit gut auf und zerfallen rasch. Sie sollen trocken bleiben und nicht in die Zwischenklauenspalte geraten.
Kein Antibiotika wegen Euterentzündung
Die Boxenpflege ist vergleichsweise einfach. Eingestreut wird etwa alle zehn Tage. Mittags und abends werden die Boxen kurz gepflegt, erklärt Daniel Peterhans, der den Betrieb Anfang nächsten Jahres übernehmen wird. Für das Einstreuen fährt ein Weidemann im Kopfbereich zwischen den Boxen durch; ein Verteilgerät bringt die Pellets direkt in die Liegeflächen. Klar ist für Peterhans bereits heute: «Die Lösung ist sauber, trocken und arbeitssparend.»

Der neue Stall von Toni Peterhans; hier die Liegebox mit Dinkelspelzenpellets und abgerundetem, betoniertem Frontbug.
Adrian Haldimann
Die ideale Liegeboxe ist mitverantwortlich für beste Milchqualität. So lag die Tankzellzahl im neuen Stall nie über 46'000 Zellen. Ebenfalls bemerkenswert: Im neuen Stall wurde noch nie bei einer Kuh wegen einer Euterentzündung Antibiotika ins Euter verabreicht. Peterhans sagt, was bei ihm bei diesem Milchleistungsniveau entscheidend ist: «Wir stellen alle Kühe mit einem antibiotischen Trockensteller trocken, zusätzlich versiegeln wir beim Trockenstellen bei jeder Kuh die Zitzen.»
Arbeitseffizienz als Hauptziel
Die Arbeitswirtschaft war ein Hauptgrund für den Neubau. Im alten Anbindestall war die Arbeit körperlich belastend. Heute sind morgens in rund zweieinhalb Stunden gegen 100 Tiere versorgt – inklusive Melken, Füttern, Einstreuen und Kontrolle. Mittags reicht ein kurzer Rundgang. Danach bleibt Zeit für Ackerbau und Lohnarbeit. Gerade in arbeitsintensiven Phasen wie Frühling und Herbst ist das entscheidend. «Dann sind die Kühe manchmal fast Nebenerwerb», sagt er.
Trotz Arbeitseffizienz bleibt die Tierbeobachtung zentral. Toni Peterhans schaut beim Melken genau auf die Kühe: Wie kommt sie herein? Wiederkaut sie im Melkstand? Frisst sie nach dem Melken? Hat sie den Kopf oben? Gibt sie weniger Milch? Gesundheits- und Fruchtbarkeitsdaten werden zwar technisch erfasst, Peterhans verlässt sich aber stark auf sein Auge. Sohn Daniel übernimmt die Bereiche Besamung und Genetik.
Bewusster Verzicht auf Melkroboter
Für Aufsehen sorgt Peterhans mit seinem Melkstand. Weshalb kein Melkroboter? Vater und Sohn sind sich einig: «Nebst den Melkzeiten wollen wir von den Kühen nicht ständig gestört werden. Wir wollen nicht dauernd in Alarmbereitschaft wegen des Roboters sein.» Schmunzelnd ergänzen sie: «Weshalb dreimal melken, wenn die Kühe bei zweimaligem Melken gleich viel Milch geben und die Tiergesundheit gut ist?» Auch die im Vergleich zum Melkroboter tieferen Servicekosten sprechen für den Melkstand, so Peterhans.

Die Kühe bei Toni Peterhans im Melkstand mit 14 Plätzen.
Adrian Haldimann
Sie verbrächten bewusst wenig Zeit im Stall; ein Roboter würde sie stärker an den Stall binden, sind die beiden überzeugt. Ein weiterer Grund betrifft die Fütterung. Gefüttert wird mit einer möglichst konstanten Totalmischration. «Die Kuh verwertet das Futter besser, wenn sie immer dasselbe frisst und dadurch keinen PH-Schwankungen ausgesetzt ist», sagen die beiden. Im neuen Stallsystem wird deshalb auf eine Kraftfutterstation verzichtet.
Peterhans setzt auf breite Kühe
Der 34-jährige Daniel Peterhans erläutert die Zuchtstrategie. Drei Punkte stehen im Zentrum: Brustbreite, Beckenbreite und Zellzahlen. Die Kühe sollen von vorne bis hinten breit sein. Zudem bevorzugt er eher langsam melkende Linien. Beim Zuchtwert Melkbarkeit will er deshalb nicht zu hoch gehen; Werte um 90 bis 100 seien passend.

Für Toni Peterhans ist der Neubau mehr als nur ein Stall. Er ist Teil einer Gesamtstrategie.
Adrian Haldimann
Der dritte zentrale Faktor ist Milch. Beim Milchzuchtwert setzt Daniel Peterhans auf hohe Werte – im Schweizer System möglichst über 2000, im US-System rund 1500 kg Milch. Gesamtzuchtwerte spielen für ihn eine untergeordnete Rolle. Eingesetzt werden vor allem US-Holstein-Stiere, die er über einen ABS-Vertreter bezieht. Genannt werden unter anderem Jefferson, Yessir, Lionel, Gotti, Dynamo und Dawson.
Für Toni Peterhans ist der Neubau mehr als nur ein Stall. Er ist Teil einer Gesamtstrategie. Der Betrieb bleibt breit aufgestellt – mit Milch, Ackerbau, Lohnarbeit und Energieproduktion. Gleichzeitig schafft der Stall die Voraussetzung, dass Sohn Daniel die Milchproduktion weiterführen kann. «Wir haben nicht gebaut, weil es einfach war», sagt Toni Peterhans. «Wir haben gebaut, weil es für diesen Betrieb und für die nächste Generation Sinn macht.»
Tag der offenen Tür
Toni und Daniel Peterhans laden am Samstag, den 30. Mai und Sonntag, den 31. Mai 2026 jeweils von 09:30 bis 17:00 Uhr zum Tag der offenen Tür auf ihren Hof ein. Besucher erhalten exklusive Einblicke in den neuen Milchviehlaufstall und die moderne Stalleinrichtung.