
Ein Student präsentiert die Ergebnisse seiner Untersuchung zu den Investitionskosten von Milchviehställen. Die Baukosten der 13 untersuchten Betriebe unterscheiden sich um ein Vielfaches.
zvg
Wer einen neuen Milchviehstall baut, muss heute sehr tief in den Geldbeutel greifen. Wie tief, hängt allerdings stark von der Planung und den betrieblichen Ansprüchen ab. Dies zeigt eine Untersuchung von 13 Milchviehställen. Die Investitionskosten sind erheblich. Während die günstigsten Betriebe für rund ein Drittel der Kosten der teuersten bauen, können insbesondere Automatisierung und Futterlagerung die Baukosten deutlich erhöhen.
Pascal Studer von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) stellte entsprechende Ergebnisse einer studentischen Arbeit, am Ischhof in Aetikofen SO vor. Das im Rahmen eines Wissenstransfers Agronomie und Betriebswirtschaft, organsisiert vom abtretenden Agrarwirtschaftsdozenten Bendicht Münger. Die Tagungsreihe hat zum Ziel, einen Austausch zwischen Forschung und Praxis zu ermöglichen.
Bis 50’000 Fr. pro GVE
Pascal Studer untersuchte 13 Milchviehbetriebe in der Talzone mit Bestandesgrössen zwischen 62 und 103 Grossvieheinheiten (GVE). Er besichtigte die Neubauten vor Ort und führte Interviews mit den Betriebsleitenden. Bei der Kostenerhebung versuchte er, die einzelnen Investitionen möglichst genau zuzuordnen und auch die erbrachten Eigenleistungen angemessen zu berücksichtigen.

Pascal Studer präsentiert seine Ergebnisse.
Raphael Bühlmann
Die Ergebnisse zeigen, wie weit die Investitionskosten auseinanderliegen. Der Median lag bei gut 25’000 Franken pro GVE. Die teuersten Betriebe investierten hingegen fast 50’000 Franken pro GVE. Für einen Betrieb mit 80 GVE bedeutet bereits eine Differenz von 10’000 Franken pro GVE zusätzliche Investitionen von 800’000 Franken. Die Wahl des Stallkonzepts hat damit erheblichen Einfluss auf die spätere finanzielle Belastung eines Betriebs.
Kostendach festlegen
Besonders auffällig war das Vorgehen der beiden günstigsten Betriebe. Beide hatten bereits vor der Planung ein klares Kostendach festgelegt. Erst danach wurde entschieden, wie der Stall innerhalb dieses finanziellen Rahmens realisiert werden konnte. Einer der günstigen Betriebe orientierte sich zudem an einem bestehenden Stall eines Bekannten und übernahm dessen Konzept weitgehend.
Die Untersuchung zeigte auch, dass Betriebe, die mit grossen Bauunternehmen zusammenarbeiteten, tendenziell höhere Baukosten aufwiesen. Besonders günstige Lösungen waren teilweise mit umfangreichen Eigenleistungen verbunden. Allerdings war der statistische Zusammenhang zwischen Eigenleistungen und tieferen Baukosten in Studers Untersuchung knapp nicht signifikant.
Burn-out in Bauphase
Ein besonders interessantes Ergebnis betrifft die Automatisierung. Laut Pascal Studers Auswertung war jeder in die Automatisierung investierte Franken mit zusätzlichen Infrastrukturkosten von 2.48 Franken verbunden. Wer also beispielsweise 100’000 Franken in Automatisierung investiert, muss nach diesem rechnerischen Zusammenhang mit weiteren 248’000 Franken an Infrastrukturkosten rechnen. Die Gesamtkosten würden damit 348’000 Franken betragen. Diese Zahl ist als Zusammenhang innerhalb der untersuchten Betriebe zu verstehen und nicht als allgemeingültiger Zuschlag für jedes Bauprojekt.
Auch die Futterlagerung erwies sich als bedeutender Kostenfaktor. Ein Heustock war in der Untersuchung mit rund 10’000 Franken höheren Baukosten pro GVE verbunden. Bei einem Betrieb mit 80 GVE entspricht dies rechnerisch 800’000 Franken. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht nur die Grösse eines Neubaus entscheidend ist. Auch die technische Ausstattung und das gewählte Fütterungs- und Lagerungssystem beeinflussen die Investitionshöhe erheblich.
Verschiedene Herangehensweisen
In den Interviews stellte Studer zwei grundlegend verschiedene Herangehensweisen fest. Ein Teil der Betriebsleitenden wollte möglichst günstig bauen und richtete die Planung konsequent auf tiefe Investitionskosten aus. Andere wollten vor allem einen Stall, der ihren Vorstellungen entsprach, und waren bereit, dafür höhere Kosten in Kauf zu nehmen.
Dass der Stallbau nicht nur finanziell anspruchsvoll ist, zeigte sich ebenfalls in den Gesprächen. Während der Bauphase muss der Betrieb weitergeführt werden. Diese Doppelbelastung kann erhebliche Folgen haben. Einer der befragten Betriebsleiter erlitt während des Bauprojekts ein Burn-out, ein weiterer stand kurz davor. Damit stellt sich neben der Frage nach den reinen Baukosten auch jene nach der Belastbarkeit der Betriebsleitenden und den verfügbaren personellen Ressourcen.
Erfolg, weil diversifiziert
Dass lukrative Investitionen auch mit begrenztem Kapital möglich sind, zeigte Landwirt Daniel Schaller aus Elswil FR in seinem Praxisreferat. Als er 1997 den Betrieb übernahm, verfügte er nur über wenig finanzielle Mittel. Statt in eine teure neue Melktechnik zu investieren, installierte er einen gebrauchten Melkstand. Die damaligen Investitionskosten bezifferte er auf rund 7350 Franken pro Kuhplatz. Mit diesem Ansatz entwickelte er seinen Milchviehbetrieb weiter und produzierte zeitweise beinahe eine halbe Million Kilo Milch. Nach der Umstellung auf biologischen Landbau und einer Anpassung der Herde sank die Produktion auf rund 250’000 Kilo.
Schaller setzte später verstärkt auf die Diversifizierung. Ein Beispiel dafür ist der Anbau von Erdnüssen. Für deren Ernte beschaffte er eine Spezialmaschine aus China für rund 20’000 Franken. Auf rund zwei Hektaren erntet er heute sechs Tonnen Erdnüsse, die er unter anderem zu gerösteten Produkten, Erdnussbutter und Öl verarbeitet. Sein Beispiel zeigt einen anderen Weg der betrieblichen Weiterentwicklung: Statt ausschliesslich in eine höhere Milchproduktion zu investieren, erschloss er zusätzliche Wertschöpfungsmöglichkeiten.
Die beiden Referate machten deutlich, dass hohe Investitionen nicht automatisch eine bessere Wirtschaftlichkeit bedeuten. Während Studers Untersuchung die grossen Unterschiede bei den Stallbaukosten aufzeigte, demonstrierte Schaller, wie sich mit gezielten Investitionen und neuen Betriebszweigen alternative Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen lassen.
Programm Seminarreihe
Ort: Ischhof, Britternstrasse 4, 4583 Aetigkofen SO
29. 10.: Gülle-Bodenleitungen; Bewässerung und Bewässerungsnetze; Kooperation und Maschinenring
3. 11.: Generationenwechsel; Investitionen; Agrarkredite und Finanzierung; administrative Verzögerungen
10. 11.: Baukosten; Milchproduktion und Investitionen; Melktechnik; Arbeitsverwertung und Betriebsstrategie
19. 1.: KI in Buchhaltung und Agro-Treuhand; Cyberangriffe; konkrete KI-Anwendungen
26. 11.: Bodenrecht und Raumplanung; Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude; Wohnungsnot und Kosten