
Stallgeruch gehört bei den Stellplätzen auf dem Vierbrunnenhof dazu.
David Eppenbeger
Sie sind gekommen, um zu bleiben: Während der Pandemie entdeckten viele das Wohnmobil als ideales Reisegefährt. Im vergangenen Jahr waren in der Schweiz 110’000 Fahrzeuge in dieser Kategorie zugelassen, was einer Zunahme um über 50 Prozent seit 2020 entspricht.
Erst 104 Stellplätze
Mobiles Reisen ist eng mit Unabhängigkeit und Spontanität verbunden. Doch damit ist es gerade in der Hauptsaison im Sommer längst vorbei. Wildes Campieren ist in der Schweiz verboten, weshalb die Wohnmobile auf Stellplätze angewiesen sind. Und solche befinden sich immer öfter auf Bauernhöfen. Offiziell sind allerdings nur 104 Stellplätze auf Bauernhöfen bewilligt, sagt Rolf Järmann vom Verein Wohnmobilland Schweiz. Die raumplanerischen Vorschriften sind streng und die Bewilligungsverfahren aufwändig.
«Ein Wohnmobil hat nichts mit der Landwirtschaft zu tun, weshalb Stellplätze oft nicht bewilligt werden», erklärt Rolf Järmann. Von den Landwirten werde Innovation erwartet. «Doch bei den Stellplätzen stehen viele bürokratische Hindernisse im Weg», sagt er. Gäbe es einen Hofladen mit Direktverkauf, seien die Chancen besser, weil die Wohnmobilisten dann als Kunden gelten. Der Verein setzt sich für einfachere Bewilligungsverfahren auf Bauernbetrieben ein und bietet Bauernfamilien in diesem Bereich auch Beratung an.
Langwierige Bewilligungsverfahren
Die Familie Huber bietet auf dem Vierbrunnenhof in Birrhard im Kanton Aargau bereits seit fast zwanzig Jahren Stellplätze an. Zu Beginn noch in einer rechtlichen Grauzone mit Tolerierung durch die Gemeinde, ehe der Kanton schliesslich doch die Eingabe einer Baubewilligung forderte, um geltendes Raumplanungsrecht durchzusetzen. «Das war schwierig, weil es im Gesetz keine Definition für Stellplätze gibt», erklärt Landwirt Patrik Huber. Die Amtsstellen stellten diese jeweils einfach mit Camping gleich. Er ist selbst regelmässig mit dem Wohnwagen unterwegs und weiss, dass ein Stell- und ein Campingplatz zwei verschiedene Paar Schuhe sind.
Für einen Stellplatz brauche es nur Strom, Wasser und eventuell WLAN sowie eine Möglichkeit für die Abwasser- und Chemietoilettenentleerung. Nach jahrelangem Hin und Her wurden die Amtsstellen während des in der Zeit der Coronaviruspandemie aufgekommenen Camper-Booms offener bei der Auslegung der Gesetze. Seit ein paar Jahren sind nun in Birrhard vier Stellplätze bewilligt. «Die Auflagen sind aber immer noch streng, weil wir uns hier in der Landwirtschaftszone befinden», erklärt Patrik Huber. So muss der Stellplatz beim Betriebsgebäude stehen und nicht etwa in einem nahen Wald. Zudem ist ein direkter Bezug zur Landwirtschaft nötig. Bei ihm sind dies unter anderem der eigene Hofladen oder ein Reitangebot. Die Anzahl der Übernachtungen ist auf drei begrenzt.
Je nach Kanton unterschiedlich
Je nach Kanton ist die Bewilligungssituation unterschiedlich. Der Kanton Bern etwa erlaubt jedem Bauernbetrieb einen Stellplatz für ein Wohnmobil ohne Bewilligung oder für zwei Fahrzeuge während einer Testphase von zwei Jahren, bevor eine Bewilligung verlangt wird. Deshalb gebe es im Emmental auffallend viele Bauernhofstellplätze, sagt Rolf Järmann. Solche Wohnmobil-freundlichen Kantone seien aber immer noch die Ausnahme.

Landwirt Patrik Huber schätzt den Kontakt zu den Gästen.
David Eppenbeger
Weniger idyllisch als im Emmental ist es in Birrhard, wo Patrik Huber vorwiegend Milch herstellt und Ackerbau betreibt. Wer hier in wenigen Minuten von der Autobahn A1 hinfährt und seinen Camper abstellt, katapultiert sich mitten in die Welt der produzierenden Landwirtschaft. Die Stellplätze befinden sich auf einem Kiesplatz zwischen dem Laufstall mit den 50 Kühen und der Weide. Je nachdem fällt der erste Blick am Morgen aus dem Wohnwagenfenster direkt auf eine neugierige Kuh. Der Aargauer Landwirt schmunzelt: «Es kommt vor, dass die Leute beim ersten Stallgeruch die Nasen rümpfen und den Ort gleich wieder verlassen.» Doch die meisten Gäste seien ehrlich interessiert am landwirtschaftlichen Umfeld.
Mehr Absatz im Hofladen
Pro Nacht kostet der Stellplatz pro Wohnmobil 18 Franken inklusive Strom. Das hört sich nicht nach lukrativem Geschäft an. Doch viele kauften während des Aufenthalts im Hofladen ein. In diesem bietet die Familie Huber eigene Produkte wie Brot, Joghurt, Früchte, Konfitüre sowie Getränke an. So tragen die Stellplätze mit einem Gewinn von jährlich zwischen 5’000 und 7’000 Franken doch zu einem ansehnlichen Beitrag an die Betriebsrechnung bei, erklärt Patrik Huber.
Verein Wohnmobilland Schweiz
Vor sechs Jahren gründeten Wohnmobilisten den nicht gewinnorientierten Verein mit dem Ziel, mehr offizielle Stellplätze zu schaffen. Inzwischen hat Wohnmobilland Schweiz 4’100 Mitglieder, welche die Vereinsarbeit zusammen mit Sponsoren finanzieren.
Auf der Website werden die Stellplätze für die Betreiber kostenlos aufgelistet. In jedem Kanton sind spezialisierte Scouts unterwegs, welche die Stellplätze regelmässig besuchen und die Betreiber kostenlos beraten. Auf politischer Ebene setzt sich der Verein unter anderem für einfachere Bewilligungsverfahren von Stellplätzen auf Bauernhöfen ein.
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Aber natürlich schätze er vor allem auch den persönlichen Kontakt zur Kundschaft, die hauptsächlich aus der Schweiz und Deutschland käme. Werbung für die Stellplätze muss er keine machen. Er ist auf allen namhaften Stellplatz-Plattformen vertreten. Die meisten landeten spontan über die App «Stellplatz-Radar» bei ihm. Es gebe aber auch Stammgäste, die regelmässig kämen, sagt er.
Suche nach Abenteuer
«Viele ziehen Stellplätze auf einem Bauernhof denen auf einem Campingplatz vor, weil sie dort ein bisschen Abenteuer finden», sagt Rolf Järmann von Wohnmobil Schweiz. Da die Anzahl der Stellplätze auf Bauernhöfen in der Regel limitiert ist, geht es dort oft auch familiärer zu und her als auf üblichen Campingplätzen. Spontaneres Anreisen ohne frühzeitige Reservation ist noch eher möglich als auf den häufig überfüllten offiziellen Campingplätzen.

Die bewilligten vier Stellplätze befinden sich zwischen Kuhstall und Weide.
David Eppenbeger
Dafür ist die Infrastruktur oft eingeschränkt. Wenn Patrik Huber mit dem eigenen Wohnwagen unterwegs ist, stellt er diesen deshalb eher selten auf Bauernhöfen ab: «Ich benötige etwas mehr rundherum, wie beispielsweise ein Restaurant.»