
In Österreich fiel in den vergangenen Monaten viel zu wenig Regen.
Pixabay
Die Rekordtrockenheit im Frühling trifft die österreichische Landwirtschaft hart. Die genaue Höhe der Schäden können derzeit aber weder die Bauern noch die Österreichische Hagelversicherung beziffern.
Sehr trockener Frühling
«Es gibt deutliche Schäden – beim ersten Grünlandschnitt genauso wie im Ackerbau», sagte Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger zur APA am Freitag vor Beginn der Regentage. Vor allem bei Raps erwarte man «eine katastrophale Ernte».
Zwischen 1. März und 31. Mai war Österreich laut Geosphere in der 169-jährigen Messgeschichte noch nie von derartiger Trockenheit betroffen. Demnach habe die Niederschlagsabweichung im Vergleich zum Klimamittel 1991 bis 2020 minus 50 Prozent betragen, teilte die staatliche Bundesanstalt am Freitagnachmittag mit.
Im Mai fehle trotz des Regens in den letzten Wochen noch rund ein Drittel des Niederschlags eines durchschnittlichen Jahres, erklärte die Landwirtschaftskammer. «Viele Äcker sind bereits wieder staubtrocken und schreien nach Regen», sagte Bauernvertreter Moosbrugger. Weitere kontinuierliche Niederschläge wären für Landwirtschaft und Natur wichtig, derzeit seien jedoch vor allem gewittrige Regenschauer angesagt.
«Deutliches Minus» bei Raps und Schäden im Getreide
Besonders betroffen von Trockenheit und Hitze ist der Raps, weil er hitzeempfindlicher ist und bereits bei 25 Grad sein Wachstum einstellt. Die Landwirtschaftskammer erwartet «ein deutliches Minus» bei der Ernte. Die Rapskornfüllung habe «bereits stark unter der Dürre gelitten», so Landwirtschaftskammer-Generalsekretär Ferdinand Lembacher zur APA. Auch die Getreidepflanzen hätten «erkennbare Schäden».
Für Frühjahrskulturen wie Soja, Mais und Sonnenblumen kam der Regen im Mai laut Lembacher «noch rechtzeitig». Ob es bei diesen Kulturen gute Erträge gebe, werde von den Niederschlägen und Temperaturen in den nächsten Wochen abhängen.
Aufgrund der Trockenheit im Frühjahr sowie eines Rüsselkäfer-Befalls mussten bei Zuckerrüben bis zu 2’000 Hektar von 22’800 Hektar Anbaufläche in Österreich «umgebrochen» werden. Die gesamte Anbaufläche wurde vom Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana mit den heimischen Rübenbauern vertraglich fixiert. Auf 500 Hektar, die umgeackert werden mussten, erfolgte noch eine Zuckerrüben-Neusaat, hiess es Mitte Mai von der Agrana.
Futtermangel für Rinder- und Milchbetriebe
Die Dürre hat vielen Wiesen in Österreich stark zugesetzt. Den Rinder- und Milchbauern fehlt dadurch Futter für ihre Tiere. Der erste Schnitt sei laut Landwirtschaftskammer «deutlich unterdurchschnittlich bis katastrophal». Der erste Grünschnitt sei der wichtigste Schnitt für die Landwirtschaft. Nun hoffe man durch mehr Niederschläge auf einen besseren zweiten Schnitt.
Die Kürbispflanzen entwickeln sich laut Landwirtschaftskammer-Generalsekretär «gut». Für das weitere Wachstum würden sie jedoch bald wieder «ausgiebigeren Regen» benötigen. Bei Kartoffeln sei eine Einschätzung noch zu früh, so Lembacher. Wenn der Regen ausbleibe, würden Erdäpfel weniger Knollen ansetzen und die Ernte entsprechend geringer ausfallen.