Winzerbetrieb testet Solarmodule im Rebberg

Auf einem Rebberg bei Sissach BL entsteht in der Sonne neben Wein neu auch Strom. Das EU-Förderprogramm Interreg Oberrhein finanziert ein Pilotprogramm, um in der Baselbieter Gemeinde den Nutzen von Photovoltaik (PV) im Weinbau zu testen.

sda |

Die Solarpanels auf dem Zelglihof sind seit dem Frühsommer 2026 in Betrieb, wie Rebbaukommissär Urs Weingartner vom Landwirtschaftszentrum Ebenrain am Dienstag bei einer Medienführung sagte. Die PV-Module sollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Landwirtschaftliche Flächen zur Erzeugung erneuerbarer Energie nutzen und gleichzeitig die Reben vor Hagel, Spätfrost und Hitze schützen.

Sogenanntes Agri-PV besteht in der Schweiz bereits in Obst- und Beerenanlagen. Beim Rebbau ist es – abgesehen von einer 2013 in Walenstadt SG installierten Anlage anderer Bauart – noch ein Novum. Dabei seien die geografischen Kriterien für den Rebbau mit sonnenexponierten Hängen prädestiniert für PV, hielt Weingartner fest.

Die Wahl für den Test fiel auf den Zelglihof der Familie Wiedmer, weil diese bereits über ein Leitungssystem verfügt, um den produzierten Solarstrom ins Netz einzuspeisen. Zudem baut der Betrieb die robuste Rebsorte Muscaris an. Diese braucht wenig Pflanzenschutzbehandlung, was den Betrieb der Anlage vereinfacht.

Testanlage könnte mehr als einen Haushalt versorgen

Die Versuchsanlage umfasst 250 Quadratmeter Rebfläche beziehungsweise 70 Quadratmeter Panels. In den viereinhalb Monaten seit Inbetriebnahme der PV-Anlage kamen bis dato fast 5,8 Megawattstunden zusammen. Das ist 1,5 mal so viel, wie ein Vierpersonenhaushalt pro Jahr verbraucht, wie Weingartner vorrechnete.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) in Frick AG wertet in den nächsten zwei Jahren die Auswirkungen der kleinen PV-Dächer auf die Pflanzen wie auch die Trauben- und Weinerträge aus. Dafür sind Sensoren im Rebberg installiert, welche fortlaufend die Daten senden, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Linnéa Hauenstein sagte.

Gegenstand der Untersuchung sind unter anderem die Folgen für die Bodenfeuchtigkeit und die Beschattung – schliesslich kamen im Hitzesommer 2026 selbst die wärmeliebenden Reben an ihre Grenzen.

Das grenzübergreifende Pilotprojekt umfasst neben Sissach BL zwei weitere Standorte in Deutschland. Die Gesamtkosten des von Interreg finanzierten Projekts sind gemäss Angaben des Zentrums Ebenrain noch nicht bekannt.

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