Trotz der Coronakrise sind die Einkommen der Landwirte in Österreich im vergangenen Kalenderjahr leicht gestiegen. Im Schnitt erwirtschafteten die Betriebe 28’368 Euro (30’609 Fr.). Das waren 1,4 % mehr als 2019.
Das geht aus dem Grünen Bericht hervor, der am20. August von Landwirtschaftsminister Elisabeth Köstinger in Wien vorgelegt worden ist. Neben positiven Faktoren wie einem Ertragsanstieg im Marktfruchtbau durch höhere Erntemengen an Getreide sowie einer Zunahme der Erträge in der Milchwirtschaft gab es nach Angaben der Ministerin allerdings auch Faktoren, die sich negativ auf die Einkünfte auswirkten.
Futterbaubetriebe mit Minus
Dazu gehörten ein geringerer Holzeinschlag und ein hoher Schadholzanteil durch den Borkenkäfer. Auch gestiegene Sachaufwendungen für die Tierhaltung und Instandhaltung hätten die Einkommen der Landwirte geschmälert. «Es ist ein bescheidenes Plus, das die Landwirte bei ihren Einkünften im Vorjahr verzeichnen konnten. Betrachtet man das Einkommen in der Landwirtschaft über die vergangenen Jahre, gibt es allerdings keinen Grund für eine Jubelmeldung», erklärte Köstinger.
Wie aus dem Grünen Bericht im Einzelnen hervorgeht, konnte mit Ausnahme der Futterbaubetriebe, die in Österreich fast die Hälfte aller landwirtschaftlichen Höfe ausmachen, im Vergleich zu 2019 von allen Betriebsformen ein höheres Einkommen erwirtschaftet werden. Für den Einkommensrückgang von 8% bei den Futterbaubetrieben waren vorrangig höhere Aufwendungen für die Instandhaltung sowie Abschreibungen verantwortlich.
Dauerkulturbetriebe mit höchstem Plus
Den mit Abstand relativ höchsten Einkommenszuwachs erzielten die Dauerkulturbetriebe mit 34%. Bei diesen Betrieben führte 2020 zwar der Frost zu grösseren Ernteeinbussen. In Verbindung mit einer verstärkten Nachfrage nach Obst als Folge der Corona-Pandemie wirkte sich dies jedoch günstig auf die Preissituation aus. Dieses Plus reichte angesichts der niedrigeren Ausgangsbasis aber nicht aus, um das gravierende Minus von 31% im Jahr 2019 auszugleichen.
Die Marktfruchtbetriebe konnten im Mittel einen Einkommenszuwachs von 10% verbuchen. Zurückzuführen ist dies auf die flächenmässige Zunahme bei den Ölfrüchten sowie überdurchschnittliche Ernten beim Getreide, trotz ungünstiger Niederschlagsverteilungen und langer Trockenperioden. Bei den Veredlungsbetrieben stiegen die Einkommen durchschnittlich um 2%. Hier wirkte sich der Verlustersatz für Schweine im Rahmen der Corona-Unterstützungsmassnahmen positiv aus. Die Forstbetriebe konnten nach einem Rückgang von fast 10% im Vorjahr ihre Einkommen um 6% verbessern.
Appell für faire Preise
Seit Jahren stagniere das Einkommen der Bauern, sagte die Agrarministerin. Die Coronakrise habe 2020 die landwirtschaftlichen Betriebe hart getroffen, aber durch die Hilfsmassnahmen der Bundesregierung seien massive Einkommensverluste verhindert und die Einkommenssituation stabil gehalten worden. «Im Grossen und Ganzen konnten wir die österreichische Landwirtschaft so gut durch die Krise bringen», resümierte die Ressortchefin.
Köstinger appellierte an die Lebensmittelkonzerne, den Bauern faire Preise für die von ihnen erzeugten Produkte und Rohstoffe zu zahlen. Die Dumpingschlachten des Handels auf dem Rücken der Landwirtschaft seien kein Zukunftskonzept.
