
Der Ardo-Hauptsitz befindet sich in Belgien.
ardo.com
Unter den Gemüseanbauern in Niederösterreich macht sich Sorge über die wirtschaftliche Existenz breit. Grund ist die vom belgischen Konzern Ardo angekündigte Schliessung seines Werks für Tiefkühlgemüse in Gross-Enzersdorf.
Laut Darstellung der niederösterreichischen Landesregierung ist die Dimension dieser Entscheidung enorm. Rund 500 bäuerliche Betriebe produzierten auf etwa 3300 Hektar Gemüse für die Verarbeitung durch Ardo. Allein im Jahr 2025 seien rund 40’000 Tonnen Rohware im Wert von 18,5 Mio. Euro (17,1 Mio. Franken) angeliefert worden. Es stünden nicht nur rund 250 Arbeitsplätze auf dem Spiel; vielmehr drohe eine über Jahrzehnte aufgebaute Wertschöpfungskette samt Know-how, Infrastruktur und Absatzmöglichkeiten verloren zu gehen.
Um die Schliessung abzuwenden, hatten Bund und Land dem Unternehmen umfassend Unterstützung angeboten. Das wurde von Ardo jedoch abgelehnt. Der Konzern verwies darauf, dass der Betrieb in Gross-Enzersdorf seit 2023 jährlich im Schnitt Verluste in Höhe von 5 Mio. Euro (4,6 Mio. Franken) verursacht habe, obwohl seit der Übernahme des Werkes im Jahr 2008 dort rund 50 Mio. Euro (46 Mio. Franken) investiert worden seien.
Schwerer Schlag für die Wirtschaft
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig kritisierte dies scharf: «Die Entscheidung von Ardo ist ein schwerer Schlag für den Wirtschafts- und Landwirtschaftsstandort Österreich.» Dass der Konzern das Hilfsangebot ausschlage, sei völlig unverständlich. Statt Gemüse direkt vor der Haustür zu produzieren, solle es künftig mehr als 1000 Kilometer quer durch Europa transportiert werden, so Totschnig. Das ist aus seiner Sicht weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar.
Der Stellvertreter von Niederösterreichs Landeshauptfrau, Stephan Pernkopf, wies die Argumentation des Konzerns entschieden zurück: «Die kolportierten Verluste von angeblich 5 Mio. Euro pro Jahr halten einem Blick in die offiziellen Bilanzen nicht stand; diese weisen ein positives Ergebnis aus.» Hier werde der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut, um einen Kahlschlag auf dem Rücken der gesamten Region zu rechtfertigen, monierte Pernkopf. Besonders dreist sei, dass Ardo lieber Millionenrückzahlungen an Fördergeldern in Kauf nehme, als das Werk auch nur für ein weiteres Jahr fortzuführen.
Der ORF berichtete über die Geschäftszahlen der Ardo Austria Frost GmbH. Laut Jahresabschluss 2024/25 habe sich der Umsatz auf 80,5 Mio. Euro (74,5 Mio. Franken) summiert, bei einem Personalaufwand für 212 Beschäftigte von etwa 14 Mio. Euro (12,9 Mio. Franken).
Abgeschlossen worden sei das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 1,8 Mio. Euro. Allerdings habe sich ein Bilanzverlust von mehr als 23 Mio. Euro (21,3 Mio. Franken) angesammelt.