Die illegale Ausfuhr von Baby-Milchpulver von Hongkong nach China läuft dem dortigen Drogenschmuggel langsam den Rang ab. Auch in Neusseland wurde grosse Mengen aufgekauft und ins Reich der Mitte ausgeführt. Dies zum Missfallen der Regierung.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg erichtete, nahmen die Zollbehörden der chinesischen Sonderwirtschaftszone von Anfang März bis zum 23. April insgesamt 879 Personen fest, die zusammen fast 9 Tonnen Milchpulver illegal nach China verbringen wollten. Zudem flog ein professioneller Händlerring auf, der unerlaubt Ware im Wert von mehr als 100'000 Euro über die Grenze schaffen wollte.
Grosse Gewinne locken
Im gesamten Jahr 2012 waren dagegen nur 420 Drogenschmuggler Dingfest gemacht worden. Seit dem 1. März hat Hongkong die zulässige Ausfuhrmenge von Baby-Milchpulver auf zwei Dosen á 900 g beim Grenzübertritt nach China begrenzt, um einen Ausverkauf im eigenen Staatsgebiet durch Festlandschinesen zu verhindern. In China gibt es aufgrund der sehr hohen Nachfrage Angebotsengpässe für Säuglingsnahrung aus dem Ausland, die insbesondere nach dem Melamin-Skandal 2008 den heimischen Produkten vorgezogen wird.
Dadurch sind die Preise in die Höhe geschossen und grosse Gewinnspannen entstanden. So kostet laut Medienberichten eine Dose Trockenmilch für Säuglinge in Neuseeland zurzeit rund 20 NZD (15,80 CHF), während sie in den chinesischen Geschäften für 70 NZD (55,30 CHF) verkauft wird.
Neuseelands Supermärkte rationieren Abgabe
Aufgrund des deutlichen Preisunterschieds begannen Privatpersonen im grossen Stil Ware einzukaufen und nach China zu senden, woraufhin die neuseeländischen Supermärkte die Abgabe von Baby-Milchpulver rationieren mussten. Auch der staatlichen Seite ist die unkontrollierte Ausfuhr der Milchtrockenprodukte ein Dorn im Auge, die vor allem zum Schutz des Qualitätsstandards nur registrierten Exporteuren erlaubt ist.
Medienberichten zufolge ist die legale Ausfuhr von Säuglings-Milchpulver von Neuseeland nach China sprunghaft gewachsen: Beliefen sich die Exporterlöse 1999 noch auf 63 Mio. NZD (49 Mio. CHF), dürfte der Warenwert dieses Jahr bei 1 Mrd. NZD (790 Mio. CHF) liegen.
Auch Holland und Grossbritannien betroffen
Die hohen Gewinne haben auch Milchpulverdealer in den Niederlanden animiert, Babymilchpulver im grossen Stil zusammenzukaufen. Deshalb sind die Bestände an Milchpulver knapp, teilweise ausverkauft. Hersteller Nutricia hat die Produktion um 50 Prozent ausgedehnt – diese Steigerung verpuffte bereits am Markt, die Nachfrage übersteigt das Angebot. So müssen die Eltern mehrere Supermärkte abklappern, um Milchpulver zu erhalten. Und die Supermarktketten beginnen damit, die Ware zu rationieren oder sie gar nicht mehr in die Regale zu stellen. Verkauft wird es nur noch an Stammkunden.
Auch in Grossbritannien wird Babymilchpulver immer ein gefragteres Gut. Grosse Supermarktketten wie Tesco haben den Verkauf von Babymilchpulver in Grossbritannien auf höchstens zwei Pakete pro Kunde beschränkt. Die Unternehmen sprechen nicht von einer Unterversorgung. Mit der Rationierung soll den Hortungskäufen entgegengewirkt und damit die Versorgung der britischen Eltern sichergestellt werden.
Unrechnungskurs: 1 NZD = 0,79 CHF (10-5-13)