Die Landwirtschafts-kammer Niederösterreich hat sich gegen die ihrer Ansicht nach „tendenziöse Berichterstattung“ in einer ORF-Reportage über den Einsatz von Antibiotika zur Wehr gesetzt. Der Beitrag vermittle ein völlig falsches Bild.
In dem TV-Beitrag „Unbesiegbare Keime durch Antibiotika im Fleisch“ der Sendung „Thema“ war laut Darstellung der Kammer Anfang April behauptet worden, dass in Österreich jährlich mehr als 60’000 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht würden. Dies habe zu einer Zunahme resistenter Keime im Fleisch geführt.Videomaterial vom Verein gegen Tierfabriken (VGT)
„Diese Angabe ist tausendfach überzogen und zeigt die unzureichende Recherchequalität durch den ORF“, kritisierte Kammerpräsident Hermann Schultes die Sendung. Er wies darauf hin, dass das gezeigte Videomaterial vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) stamme. Es sei unakzeptabel, dass ein öffentlich rechtlicher Sender auf Videomaterial von „selbsternannten Tierschutzaktionisten“ zurückgreife, um vermeintlich objektiv über die österreichische Landwirtschaft zu berichten, monierte der Kammerpräsident.
Der Einfluss von VGT-Obmann Martin Balluch auf den ORF sei offensichtlich. Zudem müssten die Aussagen des interviewten Tierarztes relativiert werden, der behauptet habe, der Einsatz von Antibiotika hänge von der Haltung ab. Tatsächlich sei es bei den Biobetrieben meistens so, dass man mit der Einzeltierbehandlung durchkomme und nicht buchten- oder herdenweise therapieren müsse.
Der Beitrag vermittelt nach Schultes Worten ein völlig falsches Bild von konventionellen Tierhaltungsbetrieben und deren tierärztlicher Betreuung. Ein verantwortungsvoller Tierarzt entscheide nicht aufgrund der Produktionsweise, sondern nach Einschätzung der medizinischen Notwendigkeit für die betroffenen Tiere.
VGT: Reform der Tierhaltung wäre im Sinne der Mehrheit
„Offensichtlich wünscht sich die Tierindustrie ein Totschweigen der Massen- und Intensivtierhaltung“, konterte VGT-Obmann Balluch die Vorwürfe. Der ORF sende solche kritischen Beiträge, weil die grosse Mehrheit der Menschen am Schutz von Masthühnern sehr interessiert sei. Das hätten Umfragen bestätigt.
Die Menschen in Österreich wollten keine Massentierhaltung mit ständigem Medikamenteneinsatz und schädlicher Klimawirkung. Deshalb, so Balluch, wäre eine Reformoffensive in der Tierhaltung im Sinne der Mehrheit das demokratische Gebot der Stunde.