
Bei der Verschiffung des Rindfleischs in Brasilien ist nicht klar, ob bei der Ankunft in China das Kontingent voll ist. Das dürfte im September abschreckend auf die Exporteure gewirkt haben.
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Brasiliens Rindfleischexport ist im September gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 35 Prozent auf insgesamt 229’300 Tonnen eingebrochen. Das hat der brasilianische Verband der Rindfleischexporteure (Abiec) am 7. Oktober 2026 unter Verweis auf offizielle Zahlen mitgeteilt. Der Umsatz ging um 27,6 Prozent auf umgerechnet 1,23 Mrd. Euro (1,13 Mrd. Franken) zurück. Eingeflossen in die Statistik sind frisches und gekühltes beziehungsweise gefrorenes Rindfleisch sowie Nebenprodukte und verarbeitete Ware.
Die Einbussen sind nicht auf das EU-Importverbot zurückzuführen, das seit dem 3. September 2026 wegen mangelnder Sicherheitsgarantien für brasilianisches Rindfleisch gilt. Vielmehr legten die Lieferungen in die EU gegenüber September 2025 um 29,7 Prozent auf 20’000 Tonnen beziehungsweise um 34,7 Prozent auf umgerechnet 159,0 Mio. Euro (146,60 Mio. Euro) zu. Im August war der Export in die EU gegenüber dem Vorjahresmonat allerdings mehr gewachsen, mengenmässig um 108,6 Prozent auf 23’400 Tonnen.
Noch schnell Ware auf den Weg gebracht
Der weitere Anstieg trotz des EU-Importverbotes dürfte damit zu erklären sein, dass das Datum des Veterinärzertifikats zählt. Dieses musste bis zum 2. September 2026 ausgestellt worden sein, das Fleisch aber nicht unmittelbar danach verschickt werden.
Zudem dürfte der drohende Lieferstopp laut Marktbeobachtern dazu geführt haben, dass noch zügig Ware auf den Weg in die EU gebracht wurde. Daher werden sich die endgültigen Folgen des EU-Importverbots wohl erst in den Folgemonaten vollständig in der Bilanz zeigen.
93 Prozent weniger nach China geliefert
Mächtig zugesetzt haben dem brasilianischen Rindfleischexport im September hingegen die Handelsrestriktionen Chinas, dem wichtigsten Geschäftspartner der Südamerikaner. So ging sowohl die Liefermenge in die Volksrepublik als auch der damit erzielte Umsatz gegenüber dem Vorjahresmonat um jeweils etwa 93 Prozent zurück - auf 12’900 Tonnen beziehungsweise umgerechnet 66,93 Mio. Euro (61,71 Mio. Franken).
Grund ist, dass Peking Anfang Januar einen Zusatzzoll von 55 Prozent für Rindfleischimporte eingeführt hatte. Er wird fällig, wenn ein Land seine spezifische Lieferquote erreicht. Im Fall von Brasilien liegt diese bei 1,106 Mio. Tonnen. Laut Abiec hat das südamerikanische Land in den ersten neun Monaten 2026 insgesamt 912’000 Tonnen Rindfleisch und Nebenprodukte nach China exportiert. Damit wäre die Quote nicht erfüllt. Zumal bei dieser nur die Lieferung von Fleisch erfasst wird, nicht zum Beispiel von Nebenprodukten.
Lange Transportdauer wirkt sich aus
Allerdings geht es bei der Quote um die Anlandungen in der Volksrepublik. Damit fliesst aufgrund der mehrwöchigen Transportzeit auch Ware in die Bilanz ein, die in Brasilien bereits im Dezember auf den Weg gebracht wurde. Ausserdem erhöht die lange Transportzeit die Unsicherheit für die Exporteure. Denn bei der Verschiffung der Ware in Brasilien ist nicht klar, ob bei der Ankunft in China das Kontingent voll ist. Das dürfte im September abschreckend auf die Exporteure gewirkt haben.
Peking erhebt jetzt einen Strafzoll von 55 Prozent
Tatsächlich wird der Zusatzzoll laut Agencia Brasil, einer staatlichen Nachrichtenagentur, erst seit dem 1. Oktober 2026 erhoben. Er wird auf den Standardzoll aufgeschlagen. Damit sind brasilianische Rindfleischexporte in die Volksrepublik jetzt mit 67 Prozent belastet.
Neben der EU gab es weitere Märkte, auf denen sich die Brasilianer im September über eine positive Geschäftsentwicklung freuen konnten. Einer davon waren die USA, wo die Einfuhrzölle auf Rindfleisch zur Hackfleischproduktion seit September befristet ausgesetzt sind. Das dürfte dazu beigetragen haben, dass laut Abiec die brasilianischen Ausfuhren in die USA im September gegenüber dem Vorjahresmonat mengenmässig um 389 Prozent auf 48’300 Tonnen gestiegen sind. Allerdings waren sie bereits im August als Reaktion auf den Nachfrageüberhang auf dem US-Markt gegenüber dem Vorjahresmonat um 276 Prozent nach oben gegangen.
Teils starkes Wachstum verzeichneten die Brasilianer ausserdem im Export nach Kanada, Indonesien und Saudi-Arabien sowie in die Türkei und nach Russland.