«Dünger muss bezahlbar sein»

Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Kosten für Düngemittel drängt der englische Bauernverband auf staatliche Unterstützung. Der NFU plädiert unter anderem für die Einführung eines Schwellenwertes. Liegt der Preis für importiertes Ammoniumnitrat oberhalb dieser Grenze, soll es staatliche Unterstützung von bis zu 70% der Mehrkosten geben. 

Auch im Vereinigten Königreich sind die hohen Düngerkosten ein heiss diskutiertes Thema im landwirtschaftlichen Berufsstand. Angesichts des anhaltenden Krieges im Nahen Osten drängt der englische Bauernverband (NFU) erneut auf eine stärkere Unterstützung der Regierung beim Düngemitteleinkauf für die nächste Anbausaison. Ein Anfang Juni vorgelegter «Resilienzplan für Düngemittel» enthält neben Sofortmassnahmen auch langfristige Optionen.

Schwellenwert für finanzielle Unterstützung

Dazu gehören aus Sicht des Bauernverbandes die Festlegung eines Schwellenwertes, ab dem die Farmer finanziell unterstützt werden sollen. Sollte der Preis für importiertes Ammoniumnitrat die Grenze von 500 Pfund (532 Franken) erreichen, sollen Ausgleichsregelungen greifen. Im Rahmen dieses Systems könnten Landwirte nach den Vorstellungen des NFU bis zu 70% der zusätzlichen Düngemittelkosten oberhalb dieses Schwellenwertes beantragen. Als einzelbetriebliche Obergrenze schweben dem Verband 50’000 Pfund (53’240 Franken) vor.

Weiter bekräftigte der Bauernverband seine Forderung, die zu Jahresbeginn 2027 geplante Einführung des Grenzausgleichsmechanismus für Kohlenstoffemissionen im Vereinigten Königreich (UK CBAM) zu verschieben. Der NFU befürchtet, dass der UK CBAM die Kosten für Düngemittel weiter in die Höhe treiben, zu Problemen bei Importen führen und die Lebensmittelinflation weiter befördern könnte.

Transparenz am Düngemittelmarkt gefragt

Als langfristige Massnahme schlägt der NFU einen besseren Wissensaustausch zum Nährstoffmanagement vor. Dazu soll die britische Absatzförderungsorganisation für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) Informationslücken schliessen. Ziel sei es, Marktversagen zu begegnen, erklärte der Bauernverband. Gleichzeitig gehe es darum, das Risiko zu reduzieren, dass Erzeuger die Ausbringung essenzieller Nährstoffe reduzierten oder hinauszögerten.

Darüber hinaus soll die AHDB für mehr Transparenz auf dem Düngemittelmarkt sorgen. Dazu soll die Organisation zusätzliche Einblicke gewähren und Transparenz hinsichtlich Handel, Lieferketten, Verbrauch und Preisgestaltung herstellen. Damit sollen nach den Vorstellungen des NFU die Farmer rationale Kaufentscheidungen treffen können.

NFU: Die Farmer brauchen weniger Belastungen

Anlässlich der Vorstellung des Resilienzplans machte NFU-Präsident Tom Bradshaw deutlich, dass Düngemittel auch 2027 bezahlbar sein müssten. «Sollte dies nicht der Fall sein, könnten einige Farmer vor extrem schwierigen Entscheidungen stehen: Sollen sie versuchen, eine Kultur mit reduziertem Düngemitteleinsatz anzubauen, oder sollen sie überhaupt etwas anpflanzen», umriss Bradshaw das Dilemma vieler Farmer. Er hält es für entscheidend, dass sowohl die Branche als auch die Regierung jetzt die notwendigen Schritte unternehmen, um diese Belastungen zu verringern.

Langfristig müsse nach Worten des NFU-Präsidenten die eigene Resilienz gestärkt werden. Er zeigte sich überzeugt, «dass wir nicht länger zum Kollateralschaden der Weltpolitik werden können». Es müssten Wege gefunden werden, Fairness, Transparenz und Unterstützung in das heimische Lebensmittelerzeugungssystem zu integrieren.

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