
«Rettet eure Ernten, um euch selbst, die französische Agrarhandelsbilanz und die Kaufkraft der Bevölkerung zu retten», erklärte der französische Landwirtschaftsverband Coordination Rurale.
Jonas Ingold
In Frankreich hat der kleinere Landwirtschaftsverband Coordination Rurale (CR) alle Landwirte dazu aufgerufen, Auflagen für die Wassernutzung zu ignorieren und ungeachtet der Dürre nach eigenem Gusto zu bewässern.
«Rettet eure Ernten, um euch selbst, die französische Agrarhandelsbilanz und die Kaufkraft der Bevölkerung zu retten», erklärte die CR. Für die angespannte Lage macht der Verband unter anderem «30 Jahre repressiven Umweltschutz und Wachstumskritik» verantwortlich, wodurch etwa der Bau von Wasserspeichern verhindert worden sei. Zudem könnten die von den Landwirten entnommenen Wassermengen niemals den Umfang der Verluste durch Leckagen in der Infrastruktur erreichen.
Dürre betrifft weite Teile Frankreichs
Grosse Teile Frankreichs leiden spätestens seit der Hitzewelle im Juni unter ausgeprägter Dürre. Nach Angaben des Umweltministeriums wurde die Trockenheit per 23. Juli in 57 Départements offiziell als «Krise» eingestuft, in 22 Gebietskörperschaften herrschte erhöhte Alarmbereitschaft.
Lediglich in drei der insgesamt 96 europäischen Départements gab es zu diesem Zeitpunkt keine Auflagen für die Wassernutzung. Die Landwirtschaftsverbände, darunter neben dem französischen Bauernverband (FNSEA) und der CR auch die kleinbäuerlich orientierte Confédération Paysanne (Conf’), fordern staatliche Unterstützung für die betroffenen Betriebe. Medienberichten zufolge soll das Pariser Landwirtschaftsministerium bereits an Hilfsprogrammen arbeiten.
Erhebliche Ernteausfälle erwartet
Die Auswirkungen der jüngsten Hitzewellen lassen sich derweil noch nicht vollständig absehen. Der FNSEA schätzt, dass die Ernteausfälle bei Frischobst und -gemüse fast 25 Prozent erreichen könnten; für die Maisproduktion veranschlagt der Verband Einbussen von 30 Prozent. Laut der Branchenorganisation der Konservenhersteller (Unilet) dürften die hohen Temperaturen die diesjährige Erbsenernte um 18 Prozent verringert haben.
Spürbare Einbussen werden auch bei Bohnen, Spinat und Wurzelgemüse erwartet. Engpässe könnte es zudem beim Salat geben, wo es regional unterschiedliche Ernteverluste von 20 bis 70 Prozent gegeben haben soll. Glimpflich davongekommen sein könnten die Produzenten von Kernobst.
Laut dem Statistischen Dienst des Landwirtschaftsministeriums (Agreste) sieht es aktuell so aus, dass die Witterungsextreme die Ernte kaum beeinträchtigt haben, weil mehr als 80 Prozent der Anbauflächen bewässert werden können.