Edeka verärgert Milchproduzenten

Edeka stellt Käseartikel seiner Einstiegsmarke auf höheres Tierwohl um. Der Käse soll ohne Aufpreis verkauft werden. Lieferant ist ein niederländisches Unternehmen. DBV-Milchpräsident Schmal wirft dem Detailhändler vor, die Bemühungen um mehr Tierwohl zu unterlaufen. 

Mit deutlicher Kritik hat der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, auf die Ankündigung von Edeka reagiert, bis März relevante Käseartikel seiner Einstiegsmarke «gut&günstig» auf die Tierwohl-Haltungsform 3 umzustellen.

Falsches Signal

Schmal sprach gegenüber Agra-Europe von einem Schritt, «der viele Fragen aufwirft» und bei näherem Hinsehen für Unverständnis bei deutschen Milchbauern sorge. Verwundert zeigt sich der DBV-Milchpräsident insbesondere über die Aussage, dass der Käse des niederländischen Herstellers ohne Aufpreis verkauft werden soll. «Wer trägt die Mehrkosten?», fragt Schmal. Während man in Deutschland mühsam einen Aufschlag für Frischmilch der Haltungsform 3 von 3 Cent (2,8 Rp.) pro Kilogramm ausgehandelt habe, bleibe die Handhabung in diesem Fall unklar.

Der Verzicht auf einen Preisaufschlag für Produkte mit höheren Tierwohlstandards setze zudem ein falsches Signal an die Konsumenten, monierte der DBV-Milchpräsident. Im Ergebnis unterlaufe die Initiative von Edeka den Ansatz, dass Leistungen der Landwirte für mehr Tierwohl vom Konsumenten an der Ladentheke honoriert müssen. Zudem seien die Kriterien unklar, nach denen der Rohstoff für den betreffenden Käse erzeugt wird, so Schmal.

Dies sei umso enttäuschender, als die Umstellung von Milchviehbetrieben auf das Zusatzmodul «QM++» für Milch der höheren Haltungsstufe 3 erfolgreich angelaufen sei. Der Vizepräsident vom Landvolk Niedersachsen, Frank Kohlenberg, sprach von einem «Affront gegenüber der Landwirtschaft».

Edeka spricht von Vorreiterrolle

Ganz anders sieht das Edeka. Die Detailhändlerin hatte die Umstellung seines «gelben Käses» auf Haltungsform 3 am 22. Januar angekündigt. Den Bedarf an tierwohlgerechter Milch für diesen Käse veranschlagt das Unternehmen für den Edeka-Verbund einschliesslich seiner Tochter Netto Marken Discount künftig auf mehr als 300 Mio. Kilo. Das entspricht laut Unternehmensangaben umgerechnet etwa einem Drittel seiner Menge an Scheiben-, Reiben- und Stückkäse.

Laut Unternehmenschef Markus Mosa sieht sich Edeka mit seiner Initiative in einer «Vorreiterrolle im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.» «Wir hoffen, dass wir damit Bewegung in den Markt bringen und viele Händler unserem Beispiel folgen werden», erklärte Mosa. Der Grossteil der Artikel solle bereits im März 2024 auf Milch aus höherer Haltungsform umgestellt sein. Weitere Käseprodukte folgten in Kürze.

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