EU-Bauernverbände besorgt über Freihandel mit Australien

Die Bauernverbände Copa und Cogeca äussern ernsthafte Bedenken gegenüber einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien. Sie warnen, dass das Abkommen die Gefahr birgt, europäische Landwirte und Agrargenossenschaften in wichtigen sensiblen Sektoren unverhältnismässig stark zu belasten.

aiz |

Copa und Cogeca fordern die Europäische Kommission auf, die Sensibilitäten dieser Sektoren vollständig anzuerkennen und sicherzustellen, dass ein mögliches EU-Australien-Abkommen zu einem ausgewogenen Ergebnis für die Landwirtschaft führt.

Ohne eine klare Anerkennung der kumulativen Belastungen für die EU-Landwirte und ohne strikte Zurückhaltung bei der Marktöffnung für sensible Produkte bestehe die Gefahr, dass das Abkommen Produktion, Investitionen und die Zukunft der Landwirtschaft in Europa untergrabe, schreiben die beiden Verbände in einer Mitteilung.

Schwächt Landwirtschaft

«Wichtige Agrarsektoren wie Rindfleisch, Schaffleisch, Zucker und Reis stehen bereits unter enormem Druck», lässt sich Copa-Präsident Massimiliano Giansanti in einer Mitteilung zitieren. «Jahrelang steigende Produktionskosten, geopolitische Instabilität, interne politische Anpassungen und die kumulativen Auswirkungen aufeinanderfolgender Handelsabkommen – zuletzt Mercosur – werden die Widerstandsfähigkeit dieser Sektoren erheblich schwächen», fährt er fort.

Jede weitere Öffnung des EU-Marktes, selbst in Form von Zollkontingenten, hätte gemäss Giansanti nachhaltige Folgen für Produktion, Preise und die wirtschaftliche Tragfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe in ganz Europa.

Australien profitiert

Copa befürchtet, dass bereits geringfügige Ausweitungen des Marktzugangs die EU-Märkte erheblich destabilisieren könnten. In der EU leben rund 450 Millionen Menschen, verglichen mit den 28 Millionen Menschen in Australien. «Dieses strukturelle Ungleichgewicht bedeutet, dass jede Marktöffnung im Rahmen des Abkommens definitionsgemäss australischen Exporten überproportional zugutekäme, während EU-Landwirte einem verschärften Wettbewerb in ohnehin fragilen Märkten ausgesetzt würden», warnt Copa.

Cogeca-Präsident Lennart Nilsson unterstrich: «Von den EU-Landwirten und -Genossenschaften wird erwartet, Ernährungssicherheit, Nachhaltigkeit, Klimaziele und die Vitalität des ländlichen Raums zu gewährleisten und gleichzeitig die kumulativen Auswirkungen von andernorts vereinbarten Handelszugeständnissen aufzufangen. Dieser Ansatz ist weder kohärent noch nachhaltig.»

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