
Extreme Wetterereignisse im vergangenen Sommer, geopolitische Verwerfungen, Handelsspannungen und anhaltend hohe Betriebsmittelkosten hätten die Verletzlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion deutlich gemacht. Die europäische Landwirtschaft befinde sich deshalb an einem kritischen Wendepunkt.
zvg
Europas führende Bauern- und Genossenschaftsverbände haben anlässlich des 12. Europäischen Bauerntages in Stockholm einen eindringlichen Appell an die in Brüssel versammelten EU-Staats- und Regierungschefs gerichtet. Die Entscheidungen über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und das EU-Budget seien ausschlaggebend dafür, ob Europa seine Bevölkerung künftig eigenständig versorgen könne und wettbewerbsfähig, resilient sowie krisenfest bleibe.
Rund 400 Delegierte beraten in der schwedischen Hauptstadt gemeinsam mit der europäischen Dachorganisation Copa-Cogeca über die zentralen Zukunftsfragen der Branche. Extreme Wetterereignisse im vergangenen Sommer, geopolitische Verwerfungen, Handelsspannungen und anhaltend hohe Betriebsmittelkosten hätten die Verletzlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion deutlich gemacht. Die europäische Landwirtschaft befinde sich deshalb an einem kritischen Wendepunkt.
Planungssicherheit für die Landwirtschaft
Der erste Vizepräsident der Copa und Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland, Nikolaus Berlakovich, betont: «Wer bei der Gemeinsamen Agrarpolitik kürzt, gefährdet Europas Versorgungssicherheit. Unsere Bäuerinnen und Bauern stehen angesichts von Klimakrisen, geopolitischen Konflikten und steigenden Kosten vor enormen Herausforderungen. Sie brauchen Planungssicherheit statt zusätzlicher Unsicherheit. Das GAP-Budget muss abgesichert und endlich inflationsangepasst werden. Landwirtschaft ist keine beliebige Budgetposition, sondern eine strategische Säule der europäischen Sicherheit. Ohne eine starke Landwirtschaft gibt es keine sichere Lebensmittelversorgung und kein krisenfestes Europa.»
«Stockholmer Erklärung» verabschiedet
Mit der einstimmig beschlossenen «Stockholmer Erklärung» beziehen die Interessenvertreter klar Stellung gegen Bestrebungen, die GAP-Mittel zu kürzen oder den gemeinsamen Rahmen der EU-Agrarpolitik aufzuweichen. Eine Zersplitterung oder Renationalisierung müsse verhindert werden, um den Binnenmarkt zu sichern.
Gefordert wird deshalb ein Agrarbudget, das mindestens auf dem bisherigen Niveau erhalten, an die Inflation angepasst und als verlässlicher, zweckgebundener Finanzrahmen garantiert wird. Zudem müsse die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln, Bioenergie und Biomasse ausdrücklich als strategische Säule der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur anerkannt werden.
Mehr Investitionen und weniger Bürokratie
Gleichzeitig verlangt die Erklärung, den Agrarsektor ins Zentrum der europäischen Wettbewerbsfähigkeit zu rücken. Neben krisenfesten Marktinstrumenten brauche es verstärkte Investitionen in Innovation, Wasserresilienz, ländliche Infrastruktur, Digitalisierung und Bioökonomie. Ebenso seien eine spürbare administrative Entlastung sowie praxistaugliche Regelungen erforderlich, die der Vielfalt bäuerlicher Strukturen gerecht werden.
Europa könne seine globale Rolle nicht stärken, während gleichzeitig die Grundlagen der heimischen Landwirtschaft geschwächt würden. Für die anstehenden Verhandlungen kündigten die Verbände an, weiterhin wachsam zu bleiben und sich für eine starke Gemeinsame Agrarpolitik einzusetzen.